gewerbe-Muster-Start.jpg

Rosenheimer Holzbaupreis 2012 entschieden

Bei den Preisen zum 3. Rosenheimer Holzbaupreis bewerteten die Fach-Preisrichter in erster Linie den innovativen Einsatz von Holz, während sich die Besucher mehr von der Gestaltung beeindrucken ließen. Das Finanzamt Garmisch-Partenkirchen von Reinhard Bauer Architekten sowie die Heustadlsuite Taxhof von Andreas Meck Architekten im Salzburger Land wurden mit dem 1. Preis prämiert.

 

Bereits zum dritten Mal hatte der RosenheimKreis e.V., ein Zusammenschluss von Architekten, Innen- und Landschaftsarchitekten sowie Künstlern aus Stadt und Landkreis Rosenheim, einen Holzbau-Preis ausgeschrieben, um bei den Bürgern das Bewusstsein für gute Architektur zu wecken und ihnen besonders das Bauen mit Holz nahe zu bringen. 

 

Die 46 Arbeiten aus Südbayern, Tirol und Salzburger Land waren zwei Monate in der Sparkasse Rosenheim ausgestellt. Für die Fachjury waren die Gestaltung, Stimmigkeit des Grundrisses und vor allem das Ausmaß und der innovative Einsatz von Holz entscheidend. Neben der Fachjury, die 3 Preise und 2 Anerkennungen verlieh, gaben 250 Besucher der Ausstellung ihre Stimme zur Ermittlung der 3 Publikumspreise ab.

Den 1. Preis erhielt das Gebäude des Finanzamtes Garmisch-Partenkirchen (Bild oben). Architekt Reinhard Bauer München, der für dieses Gebäude bereits vor kurzem mit dem Wessobrunner Architekturpreis ausgezeichnet worden war, schaffte eine besonders angenehme atmosphärische Qualität im Inneren, was für ein Verwaltungsgebäude außergewöhnlich ist. Die Prägnanz des Baukörpers in seiner Umgebung, die Klarheit der Gebäudestruktur und Konstruktion, aber auch die Qualität der Höfe, der Innenräume und des Ausbaus dokumentieren hervorragend die heutigen Möglichkeiten eines innovativen und nachhaltigen Holzbauwerks. Die Arbeit hebt sich deutlich von den übrigen ab und wird von der Jury als besonders herausragendes und zukunftsweisendes Beispiel des neuen alpinen Bauens mit dem ersten Preis bewertet.

Der zweigeschossige, lang gestreckte Baukörper des Kinderhauses Unterföhring (Bild oben links, mit roten Sonnenschutz) hat den 2. Preis erhalten. Zwischen Innen und Außen vermittelt eine durchgehende Halle sowie zwei eingeschnittene Innenhöfe. Sinnvoll und unkompliziert haben Hirner & Riehl Architekten, München, den Baustoff Holz eingesetzt: Holzkasten-Deckenelemente und Wände aus Brettsperrholz bestimmen konstruktiv die Dimension der Räume; umlaufende, auskragende Gänge tragen zum konstruktiven Holzschutz bei. Während für Fassade und Terrassen witterungsbeständiges Eichenholz zum Einsatz kommt, wurde im Inneren durchgehend unbeschichtetes Fichtenholz verwendet. Die Kombination von Holz, anthrazitfarbenen Metallbrüstungen und beweglichen roten Textilsegeln verleiht dem Gebäude eine Frische und verweist zeichenhaft auf seine Funktion – ein Haus für junge Menschen.

Der 3. Preis ging an das „Neue Wohnen in der Stadt“ (Bild links), einen Pavillon in München von jensen ingrisch recke architekten, München. Die Umnutzung und Erweiterung vom Bürogebäude zum Holzbauten. Wohnhaus zeigt beispielhaft die Möglichkeiten eines Holzbaues im städtischen Kontext. Durch intelligenten Umgang mit der Substanz und die positive Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutz wird eine neue, qualitätvolle Nutzung geschaffen. Mit seiner eleganten, feingliedrigen Konstruktion und einer unaufgeregten, aber hochwertigen Gestaltung vermittelt das Gebäude eine angenehme, dem Ort angemessene Leichtigkeit.

 

Das Publikum entschied sich bei dem 1. Publikumspreis für die Heustadlsuite Taxhof in Bruck im Salzburger Land, die von Meck Architekten GmbH, München, geplant wurde. Essen, Wohnen, Schlafen, Kochen, alles in einem Raum - diese Parameter erfüllen voll und ganz die Anforderungen an ein einfaches Leben. Das war nicht nur in der Vergangenheit so, sondern hat auch heutzutage Bestand, wie die Heustadlsuite zeigt. Dass das Gebäude aber auch mit der Landschaft völlig im Einklang steht, ist besonders hervorzuheben. Hier wurde Tradition mit Moderne gepaart, Lebensqualität mit einer gerade in unserer Zeit notwendigen Funktionalität. Dies überzeugte auch die Fachjury, die der Heustadlsuite Taxhof eine Anerkennung aussprach.

 

Eine weitere Anerkennung der Fachjury erhielt das Kindertagesheim in Systembauweise in München. Der ganzheitliche Ansatz des Entwurfsprozesses und seine Umsetzung in vorgefertigten Elementen ist ein bestechendes Kriterium für die Anerkennung dieses Projekts. Die künftig „grüne Hülle“ unterstreicht die ökologische Haltung des Hauses in seiner Materialwahl und Minimierung des Aufwandes. Übersichtlich und plakativ erschließt sich der Grundriss: Eine gut situierte Treppe führt im Obergeschoss in einen Tageslicht-erfüllten Gang mit Aufenthaltszonen und Kontaktflächen - eine ästhetisch geglückte, gut funktionierende und innerhalb der Kostenrichtwerte überzeugende Arbeit.

Der 2. Publikumspreis ging an das Haus RIEWENHERM, ein 3 Generationen Hybridhaus von Architekt Bläsig, Bad Aibling. Das Gebäude liegt parallel zum Hang, da es so eine hervorragende Aussicht bietet. Die sonnigen Seiten des Hauses sind großzügig aufgeglast, die Nordseite steckt halb im Hang. Im Erdgeschoss und im Tiefparterre wohnt eine junge 4 köpfige Familie, im Obergeschoss die Grosseltern. So teilen sich drei Generationen ein Haus, wie es in den umliegenden Bauernhöfen immer schon gewesen ist. Durch die Hanglage ist es möglich dass das Obergeschoss behindertengerecht über eine Rampe erschlossen wird. Diese optimalen Voraussetzungen wie auch die optische Gestaltung haben das Publikum überzeugt.

 

Feriendomizil dienen kann. Die Wirkung des neuen Obergeschoss als Aussichtsplattform „Schweben über dem Bestand“ bietet gegen Norden den Blick auf den Simssee und gegen Süden ein Alpenpanorama. Die graue Fassade passt sich in die Umgebung ein und brachte das Gebäude in seiner Gesamtwirkung auf den 3. Platz des Publikumspreises.

Am 30. Juni überreichte Rosenheims Landrat Josef Neiderhell die Preise im feierlichen Rahmen. Die Preisträger erläuterten die Besonderheiten des jeweiligen Preises. Peter Aicher, Präsident des Landesinnungsverbandes des Bayerischen Zimmererhandwerks und der Münchener Architekt Martin Aichner kommentierten von Seiten der Fachjury die Objekte. Weitere Informationen sind zu finden unter:

 http://www.rosenheimkreis.de/rhk/Holzbaupreis.html

Bilder:  

Finanzamtes Garmisch-Partenkirchen; Bildquelle: Jens Weber

Heustadlsuite Taxhof;  Bildquelle: Michael Heinrich