Afritecture: Bauen für die Gemeinschaft

Das Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne  zeigt an 26 Projekten die aktuelle soziale Architektur der Subsahara. Dabei offenbaren sich am Beispiel gemeinschaftlicher Einrichtungen neue Ideen.

 

Die zeitgenössische Architektur in Afrika zeigt im Bereich des sozial engagierten Bauens derzeit viele innovative Ansätze: Ob Schulen, Kindergärten, Marktanlagen, Kliniken, Kulturzentren, Sportanlagen oder Versammlungsräume – es sind gerade öffentliche Bauten und gemeinschaftliche Einrichtungen, an denen sich neue Nutzungs- und Baukonzepte abzeichnen. Vielfach sind die späteren Nutzer unmittelbar am Entwurfs- und Bauprozess beteiligt. Neben dem Einsatz aktueller Technologien sind viele der Bauprojekte aus lokalen Materialien entwickelt und greifen vergessene Bautraditionen wieder auf.

Das Architekturmuseum der TU München legt in der Ausstellung "Afritecture - Bauen mit der Gemeinschaft" den Fokus auf  Projekte, die oftmals von Architektinnen und Architekten initiiert wurden und deren Konzeption globale Zusammenhänge genauso mit einbezieht wie die lokale Kultur und die Bedürfnisse einzelner Gesellschaftsgruppen. Durch die Beachtung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte entwickelten sie nachhaltige Lösungsansätze, die in der Ausstellung anhand von 28 Projekten aus zehn Ländern Subsahara Afrikas wie Kenia, Nigeria, Burkina Faso oder Südafrika gezeigt werden. Sie sind seit der Jahrtausendwende entstanden und wurden von afrikanischen, aber auch von europäischen und US-amerikanischen Architekten geplant.

Die Bauten stammen von bekannten afrikanischen Architekten wie Diébédo Francis Kéré aus Burkina Faso oder Kunlé Adeyemi und sein Team von NLÉ, aber auch von europäischen oder amerikanischen Büros. Errichtet wurden sie wie Handwerksschule in Malaa (Bild oben links) von Hermann Kaufmann in ökologischer Bauweise und unter Verwendung lokaler Materialien.

Diébédo Francis Kéré steht wie kaum ein anderer für Bauen mit Lehm. Er wurde 1965 in Burkina Faso geboren und studierte an der Technischen Universität Berlin. Zuletzt machte sich der in Berlin ansässige Architekt einen Namen mit dem Projekt "Operndorf Afrika" des 2010 verstorbenen Theaterregisseurs Christoph Schlingensief. Bekannt ist die von ihm in seinem Geburtsort Gando erbaute Schule in Lehmbauweise. Sie wurde später von Kéré erweitert (siehe Bild oben) und durch Lehrerunterkünfte ergänzt.

Kunlé Adeyemi (Jahrgang 1976) studierte an der Universität Lagos (Nigeria) und an der Princeton University (USA) Architektur. Er beschäftigte sich außer mit Architektur mit Design und Urbanismus. So untersuchte er mit dem amerikanischen Architekten Peter Eisenmann das rapide Wachstum von Metropolenin Entwicklungsländern. Er ist auch Gründer des Architekturbüros NLÉ, die ihren Sitz in Amsterdam hat. Neben Projekten in Seoul in Südkorea realisierte er auch Bauten in seinem Heimatland, so der Masterplan für Abuja für die Nelson Mandela African Institute of Science and Technology (NM-AIST und die Schwimmende Schule von Makoko/Lagos (siehe Bild links).

Gezeigt werden auch die Arbeiten von Jo Noero aus Johannesburg in Südafrika, der sein 1984 gegründetes Architekturbüro von 1999 bis 2012 auch unter Noero Wolff Architects firmierte. Noero entwarf zahlreiche Bildungseinrichtungen, aber auch Wohnungs- und Gewerbeobjekte in Südafrika. Jüngstes Beispiel seines Schaffens ist die The Red Location Galery in Port Elizabeth (Bild links).

Das Projekt wird begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Vorträgen und einem ganztägigen Symposium, das zentrale Aspekte der Ausstellung wie die Urbanisierung Afrikas, Partizipation und die Frage nach der architektonischen Identität aufgreift. Ein Katalog erscheint in einer deutschen und einer englischen Ausgabe im Hatje Cantz Verlag. 

Afritecture   Bauten mit der Gemeinschaft

bis 12.01.2014

Pinakothek der Moderne

 

Weitere Informationen:

Architekturmuseum: Afritecture – Veranstaltungen, Ausstellung und Publikation

 

Bilder: 

Diébédo Francis Kéré, Grundschule in Gando, Burkina Faso, Afrika; Handwerksschule in Malaa, Nairobi, Kenia, Hermann Kaufmann Foto: Matthias Kestel © Fachgebiet Holzbau der TU München; NLÉ, Schwimmende Schule von Makoko, Lagos, Nigeria, © Iwan Baan; Noero Wolf Architects, Südafrika, Red Location Kunst Galerie Port Elizabeth © Iwan Baan