Architektur in Oberbayern: Nicht nur Schlösser und Bauernhöfe

Regionale Baukultur in Oberbayern? Das sind gemeinhin idyllisch gelegene Kirchen mit Zwiebeltürmen, große herrschaftliche Bauernhöfe und nicht zuletzt die berühmten Schlösser der bayerischen Könige. Und die zeitgenössische Architektur? Die stößt – bei aller Postkartenidylle – auf immer mehr Interesse. Eine Ausstellung der Architekturgalerie München zeigt Beispiele der Architektur der Region.

 

Gerade dort, wo man Innovation vielleicht am wenigsten erwarten würde, sorgen hervorragende Beispiele für Aufmerksamkeit und Akzeptanz. Eine Buchreihe widmet sich der Identität der Regionen, ihrer spezifischen Baukultur, deren Urhebern und Protagonisten. Um hier eine klare Abgrenzung zu erhalten, bleiben – das mag manchen überraschen – die Bauten in München außen vor.

Und wie sieht es nun aus mit der Identität Oberbayerns als Architekturregion? Gibt es eine eigene Architektursprache, einen besondere Verwurzelung der Urheber und Planer in ihrer Heimat?  Wohl eher selten! Anders als bei den dieser Dokumentation vorausgegangenen Bänden zur aktuellen Architektur in der Oberpfalz mit ihrem ländlich und kleinstädtisch geprägten Raum und einer gut vernetzten, regional verankerten Architektenschaft laufen in Oberbayern die meisten Fäden in München zusammen. Hier haben die meisten Architekten der dokumentierten Projekte ihren Bürositz. Es wurde eine Auswahl getroffen, die nicht nur die Vielfalt und Qualität des Architekturschaffens in der Region abbildet, sondern auch das Engagement der Planer und der Bauherren deutlich werden lässt.

Zu den Beispielen der hohen Qualität dieser Bauten zählen das neue Finanzamt in Garmisch-Partenkirchen von Reinhard Bauer (großes Bild ganz oben), Pfarrzentum Sankt Nikolaus Neuried von Andreas Meck Architekten (Bild links oben) und die Aussegnungshaller in Manching von Glaser Architekten (Bild rechts). Zum Teil sind die Architekturperlen versteckt und in ihrer Funktion auf den ersten Blick kaum zuordenbar, wie etwa das kleine Hotel Tannerhof im Wald bei Bayrischzell von Florian Nagler (Bild links und Aufmacherbild).

Die Jury, das waren Andres Lepik, neuer Direktor des Architekturmuseums München, Ira Mazzoni, Architekturkritikerin, Nicola Borgmann, von der Architekturgalerie München und Jakob Dunkl von den Wiener Querkraft Architekten. 

Alt und Neu, Tradition und Moderne, strenge Funktionalität und zarte Poesie, Landschaft, Kunst und Kultur – die aktuelle Architektur in Oberbayern bietet ein Spektrum, das sich zu entdecken lohnt. Und wer länger bleiben will: Wunderbar übernachten kann man hier auch. Dafür liefern die im Buch dokumentierten Hotels einen überzeugenden Beweis. (Text Büro Baumeister, Nicolette Baumeister)

Ausstellung:

Aktuelle Architektur Oberbayern

Architekturgalerie München, Türkenstraße 30

bis 04.12.2012

Buch:

Aktuelle Architektur in Oberbayern

Nicolette Baumeister; Büro Wilhelm Verlag,

128 Seiten, 19,80 Euro

 

 

 

 

Fotonachweis:

- Neubau Finanzamt, Garmisch Partenkirchen, Architekt Reinhard Bauer München, Fotograf Michael Heinrich (großes Bild oben)

- Aussegnungshalle, Markt Manching, Glaser Architekten München, Fotograf: Stefan Müller-Naumann, München (Bild oben rechts)

- Pfarrzentum Sankt Nikolaus Neuried, Meck Architekten München, Fotograf Michael Heinrich München (Bild oben links)

- Hotel Tannerhof Bayrischzell, Florian Nagler Architekten München, Fotograf: Stefan Müller-Naumann, München (Bild links unten)