Albert Speer: Die zweite Karriere von Hitlers Architekten

Als der Kriegsverbrecher und Hitlers Architekt Albert Speer am 1. Oktober 1966 aus dem Gefängnis in Berlin-Spandau entlassen wurde, waren dutzende Mikrophone und Kameras aus aller Welt auf ihn gerichtet. Eine Ausstellung in Nürnberg zeigt Speers "zweite Karriere" als scheinbar geläuterter Zeitzeuge des Nationalsozialismus.

 

Albert Speer war in der NS-Zeit als erster Architekt des Reiches verantwortlich für Großprojekte wie das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und die Umgestaltung Berlins. Er zählte zu Hitlers engsten Vertrauten, 1942 wurde er Rüstungsminister. 1946 verurteilten ihn die Alliierten im Nürnberger Prozess zu zwanzig Jahren Haft. Nach seiner Entlassung konnte Speer durch zahlreiche Interviews und Publikationen seine bei Kriegsende entworfene und weiter ausformulierte Legende in die Öffentlichkeit tragen: Er hätte von den NS-Verbrechen nichts gewusst und sei, von der Aura Hitlers verführt, in Krieg und Judenmord unbeteiligt hineingeraten.

Die mit Unterstützung des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin erarbeitete Ausstellung des Dokumentationszentrums lässt die Speer-Legende und damit auch den Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit sichtbar werden. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage, warum Speers Geschichten in der BRD so lange und bei so vielen Menschen Resonanz fanden – auch noch, als die Forschung vieles längst widerlegt hatte. Speer gelang es, durch die ständige Wiederholung seines "Lebens-Tonbandes" und seine vermeintliche Authentizität eine Art Bestätigungskreislauf für seine Erzählungen zu schaffen. Mit unkritischer Bereitwilligkeit folgten Historiker, Publizisten, aber auch die deutsche Öffentlichkeit der Erinnerungsmanipulation des "guten Nazis" – nicht zuletzt, weil er eine Entlastung für jene bot, die sich selbst im Nationalsozialismus engagiert hatten.

Die Ausstellung "Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit" beleuchtet die Speer-Legende und die zweite Karriere Speers in der Bundesrepublik. Während der NS-Zeit verantwortlich für die architektonischen Großprojekte und einer der engsten Vertrauten Hitlers, etabliert sich Albert Speer nach seiner Haftentlassung aus dem Alliierten Kriegsverbrechergefängnis in Spandau als gefragter Zeitzeuge. Dadurch trägt er seine Legende des unwissenden Technokraten in die bundesdeutsche Öffentlichkeit.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage, warum Speers Geschichten in der Bundesrepublik so lange und so oft Gehör fanden – auch nach der teilweisen Widerlegung durch die Forschung.

 

Albert Speer in der Bundesrepublik. Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit.

Wann: Ausstellungseröffnung am Donnerstag, 27. April 2017, 18.30 Uhr; Mit einleitenden Worten von Prof. Dr. Magnus Brechtken, Institut für Zeitgeschichte; Ausstellungsdauer bis 26. November 2017, Öffnungszeiten Mo–Fr 9–18 Uhr Sa, So 10 –18 Uhr

Ort: Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Museen der Stadt Nürnberg Bayernstraße 110, 90478 Nürnberg

Bildnachweis: Ausstellung; Albert Speer vor Journalisten auf der Pressekonferenz nach seiner Haftentlassung, 1. Oktober 1966