Alpiner Jurassic Park

Dem Thema „Alpen unter Druck. Erschließungsprojekte im Alpenraum“ widmet der Deutsche Alpenverein (DAV) eine Ausstellung im Alpinen Museum in München. Sie ist bis 15. Februar 2015 zu sehen und wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet.

 

Sommerrodelbahnen, Flying Foxes (Stahlseilrutschen) oder spektakuläre Aussichtsplattformen – der Wettbewerb um Touristen in den Alpen wird aggressiver. Ob mit dem Triassic Park auf der Steinplatte blaue Dinos auf 1.800 Meter über die Chiemgauer Alpen (Bild oben) stapfen oder sich Touristenmassen zur Aussichtsplattform Adlerhorst am Rofen (Bild links) oder über den Titlis Cliff Walk (Bild links unten) - Europas höchstgelegene Hängebrücke bewegen – die Tourismusmanager lassen sich immer wieder Neues einfallen, um die Massen anzuziehen.

Die Alpen erfüllen eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen: Sie sind Lebensraum, Wirtschaftsraum, bedeutender Naturraum, aber auch Raum für Erholung und Tourismus. Diese unterschiedlichen Interessen, die sich nicht immer in Einklang bringen lassen, setzen die Alpen unter Druck. Intensiviert wird dieser Druck durch die Folgen des Klimawandels und die Ansprüche der Energiewirtschaft zur verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien in Form von Wind- und Wasserkraft. Das Konkurrenzdenken im Tourismus wird intensiver, Skigebiete bauen die Beschneiung aus oder schließen sich zusammen, klassische Winterdestinationen ergänzen ihr Angebot um Sommerrodelbahnen, Flying Foxes oder spektakuläre Aussichtsplattformen. „Tourismuskonzepte gehen immer mehr davon aus, dass man technische Hilfsmittel braucht, um den Gipfel oder die Landschaft zu erleben“, sagt Jörg Ruckriegel, Leiter des Ressorts Natur- und Umweltschutz im DAV.

Rund 150 Projekte im gesamten Alpenbogen. Diese Entwicklungen zeigt die Ausstellung „Alpen unter Druck“ anhand von rund 150 Projekten, die sie mit Fotos, Videos, Werbeprospekten und Texten dokumentiert. Das Spektrum berücksichtigt das bereits realisierte Seilbahnprojekt am Piz Val Gronda in der Silvretta bis zu den Planungen für ein Wasserkraftwerk mit Speichersee im Kühtai und einen Windpark am Brenner.

Besonders eindrucksvoll ist eine großformatige Karte, die den gesamten Alpenbogen umfasst: Waren es im Jahr 1954 noch 150 Skigebiete mit rund 570 Pistenkilometern, wurden im Jahr 2012 rund 450 Skigebiete mit rund 25.000 Pistenkilometer gezählt. Pro Skigebiet stieg die Zahl der Pistenkilometer von durchschnittlich fünf auf 55. Eine ähnliche Entwicklung lässt sich bei den Wasserkraftwerken nachvollziehen: Gab es im Jahr 1954 in den Alpen noch 214 Anlagen mit einer Leistung von mehr als 10 Megawatt, waren es im Jahr 2007 bereits 499 Wasserkraftwerke – Tendenz steigend.„Die Schwerpunkte in der Erschließung liegen klar auf dem Intensivtourismus und auf der Energiewirtschaft“, erklärt Jörg Ruckriegel. „Mit der Ausstellung wollen wir unsere Anliegen deutlich machen und in die öffentliche Diskussion einbringen und für die Bedeutung intakter Landschaften und Naturräume sensibilisieren.“ Schließlich ist der DAV sowohl ein anerkannter Naturschutzverband als auch ein Bergsportverband, der für die Erschließung der Alpen mit Wegen und Hütten mitverantwortlich zeichnet – und seiner Verantwortung beispielsweise mit großen Investitionen in die umweltgerechte Sanierung und Modernisierung seiner Hütten nachkommt.

„Wir haben Texte und Bilder auf Holzwände tapeziert und komplett auf Kunststoffplatten verzichtet“, sagt Friederike Kaiser, Leiterin des Geschäftsbereichs Kultur im DAV.

 

Nachdem sich die Projekte ständig ändern, sollen diese laufend ergänzt und aktualisiert werden. „Wir gehen mit dieser Ausstellung völlig neue Wege“, erklärt Friederike Kaiser. „Es ist eine Ausstellung mit Werkstattcharakter.“

Dennoch steckt großer Aufwand in der Ausstellung, der vor allem für die Recherche notwendig war. Mehr als eineinhalb Jahre haben der Deutsche Alpenverein und die anderen Alpenvereine im Alpenbogen sowie weitere Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen Material und Informationen gesammelt, recherchiert und Interviews mit Betroffenen geführt, so dass in der Ausstellung nicht nur Kritiker und Gegner von Erschließungsprojekten in Videodokumentationen und Internetbeiträgen zu Wort kommen, sondern auch Befürworter wie Seilbahnbetreiber oder Tourismus- verantwortliche.

Dabei ist die Ausstellung mehr als eine bloße Dokumentation von Erschließungs- beispielen, die fast immer negative Auswirkungen haben – sie gibt auch Raum für positive Entwicklungen wie das Projekt Bergsteigerdörfer des Oesterreichischen Alpenvereins, an dem sich inzwischen 20 Orte beteiligen, die auf sanften Tourismus setzen.

Podiumsdiskussionen, Lesungen, Expertengespräche. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet. Es umfasst unter anderem Podiumsdiskussionen, Lesungen und Expertengespräche. Die Themen dabei reichen von der alpinen Raumordnung bis zur Architektur, von der Wahrnehmung der Alpen in der Literatur bis zur Bedeutung des Wassers im und für den Lebensraum. Ergänzt wird das Programm von Führungen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten und Angeboten für Kinder- und Jugendgruppen.

 

Alpen unter Druck. Erschließungsprojekte im Alpenraum

Ort: Alpinen Museum des Deutschen Alpenvereins in München; Praterinsel 5, 80538 München

Dauer: bis 15. Februar 2015

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags, jeweils 13 bis 18 Uhr, sowie samstags und sonntags, jeweils 11 bis 18 Uhr

 

Weitere Informationen:

Alpen unter Druck: Veranstaltungsprogramm

 

 

Quelle: Pressemeldung Deutscher Alpenverein vom 13.03.2014

Bilder: Dinospaß auf 1.800 Meter. Triassic Park auf der Steinplatte (Chiemgauer Alpen). Alpines Museum des DAV, 2013; Aussichtsplattform Adlerhorst am Rofen – DAV/Steffen Reich; Hängebrücke Titlis - Europas höchstgelegene Hängebrücke. Der Titlis Cliff Walk (Urner Alpen). Fotograf Beat Gugger, Januar 2014; Kals am Großglockner. Alpines Museum des DAV, 2013; Talsstation Sexten mit Rodungs- und Bauarbeiten für die Piste Helm-Rotwand (Hochpustertal), Einrichtung der Erschließungsstraße ­– Hanspeter Stauder (Initiative Lebenswertes Sexten), September 2013; Sommer im Schnee. Alpenfunpark im auf der Möseralm im Skigebiet Serfaus Fiss Ladis (Samnaungruppe) – Fotograf Georg Bayerle, Juni 2012.