Fred Angerer: Hochschullehrer und Hochhausbauer

Wohnhochhäuser sind heute weitgehend verpönt. Anfang der 1960er-Jahre galten sie jedoch als gelungene architektonische Lösung zur Wohnungsknappheit. Einer der führenden Gestalter dieser Architektur war Fred Angerer, der als prägender Architekt der jungen Bundesrepublik gilt.

 

Alfred Angerer wurde am 20. Dezember 1925 in Altdorf-Eugenbach bei Landshut geboren. Mit 17 Jahren wird er, nach einem Notabitur, in den Krieg eingezogen und beginnt 1946 das Architekturstudium. „Als ich mit 19 Jahren auf Krücken humpelnd aus der Kriegsgefangenschaft zu meinen ausgebombten Eltern nach München entlassen wurde, wusste ich nicht, wie es weitergehen sollte, aber ich hoffte, vielleicht einmal Architekt werden zu können....Im Februar 1946 konnte ich das Architekturstudium an der TH München beginnen. Unter den 300 Neuanfängern...gehörte ich zu den jüngsten (Architektur der Wunderkinder).

Ausbildung und Einfluss

Von 1946 bis 1949 studierte er an der Technischen Hochschule München. Aufgrund vo Exkursionen in Skandinavien war Angerer voll „Bewunderung für die Leistungen von Asplund und Arne Jacobse, aber auch ganz heiß, selbst etwas Ähnliches zu planen.“ Nach dem Studium arbeitete er im Büro von Adolf Abel mit. 1956 eröffnete Angerer ein eigenes Architekturbüro unter dem Namen Fred Angerer in München und konnte mit Schulgebäuden und dem Rathaus (siehe Bild unten links) in Schweinfurt erste größere Aufträge gewinnen.

1959 besuchte er auf einer Reise durch die USA das Büro von Ludwig Mies van der Rohe. „In den Büros von SOM und insbesondere bei Eero Saarinen sah ich Projekte, die Wege nach Mies aufwiesen.

Saarinen hat das Vokabular von Mies vollendet beherrscht, aber für jede Aufgabe eine neue Sprache gesucht. Ein nicht bequemer, für mich aber bewundernswerter und vorbildlicher Ansatz (Architektur der Wunderkinder).

International Wettbewerbe und hohe Bauten 

In den 1960er-Jahren erhielt Angerer zahlreiche Großprojekte. So stammt von ihm der Entwurf der neuen Großsiedlung Fürstenried Ost und Fürstenried West, wo er mit dem gegliederten 14-geschoßigen Scheibenhochhaus (siehe Bild oben) auch bedeutende Bauten selbst entwarf. Er nahm – unter anderem auch mit Alexander von Branca – auch erfolgreich an internationalen Wettbewerben (Tel Aviv, Damaskus) teil. Von ihm stammten bedeutende Hochhausbauten wie die Pressestadt der Olympischen Spiele 1972 oder für den Bauträger DEBA  (z. B. Westendstraße 174).

Im Jahr 1972 gründete er zusammen mit Gerd Feuser in der Amalienstr 71 eine Planungsgemeinschaft. 2001 schied Angerer aus der Planungsgemeinschaft aus,  arbeitete aber noch in dem Büro Demmel und Hadler in München. Am 28. Dezember 2010 starb Fred Angerer.

Hochschullehrer mit Charisma

Als engagierter Lehrer prägt Angerer auch Generationen von Studierenden. Er war von 1951 bis 1956 Assistent von Georg Werner an der Technischen Hochschule München. 1958 habilitierte er und wurde 1961 an den Lehrstuhl für Städtebau an der Technischen Hochschule in München berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1993 als Professor lehrte (seit 1970: Technische Universität München).

Prägender Architekt der jungen Bundesrepublik

Fred Angerer hat die Architektur der jungen Bundesrepublik Deutschland geprägt. Zu seinen bekannteren Bauten zählen der Flugzeughangar am Flughafen München (1993), das Kaufhaus C&A in Coburg (1987), die Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz der TUM in Garching (1972), die Pressestadt der Olympischen Spiele 1972 in München sowie das Physikalische Institut der TUM in Garching (1971). Mit der gleichen Verve trat Angerer auch in Preisgerichten auf, später meist als deren Vorsitzender, für moderne Architektur und einen konstruktiven Dialog ein.

Auszeichnungen

1959 erhielt er den Förderpreis für Architektur der Landeshauptstadt München. 1967 bekam er den Preis des Bundes der Architekten und 1975 den Fritz-Schumacher-Preis. Außerdem erhielt er die Leo von-Klenze-Medaille verliehen.

Werke (Auswahl)

1956: Olympia-Morata-Gymnasium und Städtische Mittelschule (mit Nikolaus Woita), Schweinfurt

1958: Neues Rathaus (mit Nikolaus Woita und Hannes Pfister), Schweinfurt

1958: Schulanlage für das Erasmus-Grasser-Gymnasium und Ludwigsgymnasium (mit Adolf Schnierle), Sendling, München

1959: Städtebaulicher Entwurf Großsiedlung Fürstenried Ost, München

1960: 1 Preis Flughafen Damaskus (unausgeführt), Syrien

1963: Fachhochschule Schweinfurt

1963: 1. Preis Zentrum Tel Aviv/Jaffa (unausgeführt, mit Alexander von Branca), Israel

1964: Zentrum (Läden, Restaurant, Bibliothek, Tiefgarangen, Gartenhofhäuser, Reihenhäuser) mit Scheibenhochhaus der Großsiedlung Fürstenried-West II, München

1966: DEBA-Haus (eventuell von Ernst Maria Lang), Solln, München

1967: Wohnanlage mit Läden, Gaststätten, Hotel, Tiefgarage in Landwassermatten, Freiburg

1968: Stadtteil Emmertsgrund (mit Alexander von Branca), Heidelberg

1971: Kaufhaus Hertie Erweiterungsbau Fassadengestaltung, München

1971: Physikalisches Institut der Technischen Hochschule München, Garching

1971: Wohnanlage Abtsberg, Bamberg

1972: Pressestadt für Olympische Sommerspiele 1972 (mit Alexander von Branca), Moosach, München

Forschungs-Neutronenquelle Heinz-Maier-Leibniz, Garching

1975: Hochhaus Westendstraße 174, Laim, München

1976: Zentrumsanierung mit Warenhaus Horten (mit Gerd Feuser), Bielefeld

1977: Einkaufspassage mit Läden, Praxen, Wohnungen, Heidelberg

1983: 1. Preis Fritz-Schumacher-Straße (mit Becherer und Reiser, unausgeführt), Frankfurt

1983: Erweiterung Fachhochschule Schweinfurt

1985: Neckarwerke in Altbach bei Esslingen/Neckar

1985: Walther-Rathenau-Gymnasium (mit Partner), Schweinfurt

1987: Kaufhaus C&A, Coburg

1988: Kraftwerk Süd (mit Gerd Feuser), München

1988: Kraftwerk Nord (mit Gerd Feuser), München

1993: Flugzeughangar am Flughafen Münchem (mit Günter Büschl), München

Quellen: Winfried Nerdinger, Inez Florschütz (Hrsg.): Architektur der Wunderkinder; http://deu.archinform.net/arch/17426.htm; https://de.wikipedia.org/wiki/Fred_Angerer; https://www.ar.tum.de/aktuell/news-singleview/article/fred-angerer-gestorben/; http://www.scg-architekten.de/historie.html; http://www.german-architects.com/pages/page_item/ppp_02_11_angerer;

Bild: Bild: Fred Angerer Quelle: Demmel und Hadler, München; Altes und Neues Rathaus vom Marktplatz, Foto: Devastating Dan;  Hörsaalgebäude in Schweinfurt, Foto: Thenktor