Architektouren 2016: Kathedralen des Wissens und Pavilons für Kinder

Am 25. und 26. Juni 2016 finden die Architektouren statt. Bayernweit können 289 Projekte besichtigt werden. Hier eine kleine Auswahl interessanter Bauwerke für Architekturinteressierte und wie Sie Orientierung und kurze Informationen zu den Bauwerken erhalten.

 

Vergangenes Jahr waren es über 20.000 Architekturinteressierte, die sich von Architekten, Bauherren und Bewohner durch neue architektonisch interessante Neubauten führen ließen. Auch dieses Jahr dürften es kaum weniger sein, die am letzten Juniwochenende die Chance wahrnehmen, durch Haustüren, Firmentore und Gartenpforten zu spazieren, die sonst meist verschlossen sind.

Beeindruckend sind die neuen Bildungstempel. In Bamberg ist dies wortwörtlich zu nehmen. Dort gestalteten das Münchner Deubzer König + Rimmel Architekten eine ehemaligen Dominikanerkirche in die Aula der Otto-Friedrich-Universität um (siehe Bild oben). Im Hauptraum des Kirchenbaus, wurde eine bewegliche, Wandschicht, eine Art Paravent, eingebaut. Dadurch entstand optisch die Wirkung eines eingestellten Raum – einer Cella – die die für eine Aula notwendige Akustik verbesserte und eine durch zu öffnenden Elemente flexible Nutzung für Vorträge, Bankette und Prüfungen ermöglicht. Die Münchner Architekten waren zuvor durch innovative Bauten am Hochschulstandort Garching aufgefallen, wo sie den transluzenten Oskar von Miller Turm und den Interims-Audimax mit gewellter Holzverkleidung  entwarfen.

Als Meister des Schul- und Foschungsbaus gelten in Bayern das Architekturbüro Fritsch + Tschaidse. Ihr gerade im April eröffnetes Forschungszentrum für Molekulares Bioysteme – kurz BioSysM – (Bild oben links) in München-Großhadern können mit den Architekturen nun auch Nicht-Biologen besichtigen. Der weiße Bauwerk gleicht nicht den sonst eher fantasielosen Wissenschaftsbauten, sondern erinnert mit dem Grundriss eines Parallelogramm und seinen abgerundeten Ecken eher einen maritimen Eindruck eines gestrandeten Schiffs.

Erklärtermaßen auf die Idee eines Bootes griffen su und z Architekten für eine wesentlich kleineres, aber auch wichtiges Projekt zurück. Sie sollten als Sonnen- und Regenschutz eines Außenbastions der Kita des neuen Wohnquartiers Rodenstock Garten im Dreimühlenviertel errichten. Es entstand ein Pavilon für Kinder aus Holzplanken am Westermühlbach.

Viele Architekturtouristen präferieren Wohnungsbauten

Viele Architekturinteressierte legen erfahrungsgemäß bei den Architekturen jedoch ihren Schwerpunkt auf den Wohnungsbau.

Wie sich eine verdichtete Bebauung im Wohnbereich mit einer neuartigen Anordnung der Baukörper umsetzen lässt, zeigt die Architekten KSP Jürgen Engel an dem Beispiel des Leben am Ostpark (LAO, siehe Bild links) in Neuperlach in einer für die österreichische ZIMA errichteten Wohnanlage. Bei einer sich verschärfenden Verknappung des Baugrundes in München sehen sich die Bauträger auch zunehmend zu einer dichteren Bebauung genötigt. Bei dem gleichzeitig hohen Preisniveau erwarten jedoch die Käufer auch etwas Fantasie und Eigenart solcher Immobilien.

Während in München der individuelle Eigenheimbau mittlerweile aufgrund der hohen Grundstückspreise und der kaum mehr vorhandenen Baugrundstücke nur einer ausgewählten Gruppe und nur sehr vermögenden Bauherren möglich ist, ist der Eigenheimbau in andere bayerische Metropolen wie Nürnberger noch erschwinglicher. Ein Beispiel eines gelungenen Neubaus ist mit dem Wohnhaus Hubert (Foto links unten) von den fabi architekten in Nürnberg-Reichelsdorf  zu besichtigen.

Anregungen für wertige Gewerbeimmobilien

Auch Projektentwickler und Bauträger gewerblicher Bauten können sich in den Architektouren Anregungen holen, wie sich mit anspruchsvoller Architektur eine dauerhaft hohe Wertigkeit und eine gute Vermietbarkeit verwirklichen lässt. Die Beispiele reichen von der Neugestaltung des Sperrengeschoss unter dem Marienplatz durch Allmann Sattler Wappner, der Neugestaltung des Innenhofes des Palais Portia im Kreuzviertel für die HVB Private Banking durch Bottler _ Lutz Architekten bis zum eleganten Boardingshouse studio muc Am Ackermannbogen durch die Steidle Architekten.

Schließlich bietet sich auch Gelegenheit neue Architektur im Kontext echter Kirchenbauten zu erkunden – so etwa mit dem Pfarrheim Herz Jesu (Foto unten) in Ingolstadt von den Münchner Bodensteiner Fest Architekten. 

Die diesjährigen Architektouren bieten eine vielseitige und ansprechende Auswahl von Bauwerken für Architekturinteressierte.

Weitere Informationen:

Zur Orientierung und kurzer Information zu den zugänglichen Bauwerken können die Interessierte ein Booklet bei der Bayerischen Architektenkammer bestellen die Projektübersicht auf der Website www.byak.de sowie die Architektouren-App kostenfrei herunterladen.

 

Bildnachweis – von oben nach unten: Aula Otto Friedrich-Universität Bamberg / Deubzer König + Rimmel, Foto:  © Henning Koepke; BioSys-M München-Großhadern / Fritsch + Tschaidse, Foto: © Stefan Müller-Naumann ; LAO Neuperlach, KSP Jürgen Engel, Foto: © Florian Holzherr, Pavillon für Kinder, München-Isarvorstadt / su und z Architekten, su und z Architekten; Wohnhaus / Fabi Architekten, © Foto: Herbert Stolz;  Pfarrheim Herz Jesu, Ingolstadt, Bodensteiner Fest Architekten, Foto: © Florian Holzherr