Asmara - Art Deco in Afrika

Die eritreische Stadt Asmara gilt als „Afrikas heimliche Hauptstadt der Moderne“. In den 1920-30er Jahren entstand in der italienischen Kolonie im heutigen Eritrea ein einmaliges Architektur-Ensemble. Die Pasinger Fabrik zeigt die international  erfolgreiche Ausstellung, die unter anderem bereits in Berlin, Tel Aviv, London, Turin, Bologna, Graz, Ägypten, Nigeria und Togo kursierte mit Fotografien von Edward Denision

 

1889 wurde 2300 Meter über dem Meeresspiegel gelegene die Stadt von Italien besetzt, die es 1900 anstelle von Massawa zur Hauptstadt der italienischen Kolonie Eritrea machten.

Die italienische Phase in der Geschichte der Stadt, die bis 1941 dauerte, zeichnet sich auch durch eine reiche und qualitätvolle Architektur in der Innenstadt aus. Durch einen regelrechten Bauboom wandelte sich Asmara in kurzer Zeit von einer Provinzstadt zu einer der pulsierendsten Städte des afrikanischen Kontinents. Aus der italienischen Kolonialzeit sind zahlreiche Gebäude erhalten, teilweise im Stil des Neoklassizismus, des Expressionismus und des italienischen Futurismus. Eritrea beabsichtigt dieses Ensemble zum Welterbe der UNESCO anzumelden. Dieses italienische Erbe prägt zusammen mit einer lebendigen Straßencafeszene den Charme der Stadt. Bars und Lokale tragen noch heute gelegentlich italienischsprachige Namen wie Bar Vittoria, Ristorante Roma, Odeon (Bild oben) oder Pasticceria Moderna. Ältere Leute sprechen auch noch sehr gut Italienisch und in der Alltagssprache sind viele italienische Ausdrucksformen geläufig.

In der Ausstellung – die an die vergangene Ausstellung zu Carlo Mollino erinnert –  in Pasing werden die urbane Konstituierung und Blüte Asmaras gezeigt, welche sie zu einem einzigartigen Ort aus europäisch-italienischen und afrikanisch-eritreischen Einflüssen macht. In dem historischen Stadtgebiet sind alle Stilrichtungen der klassischen Moderne in einer einzigartigen Geschlossenheit zu finden, was weltweit ein einmaliges Phänomen darstellt.

Die Baukunst der Metropole, die sich hauptsächlich aus den architektonischen Stilen des italienischen „Razionalismo“ und „Futurismo“ zusammensetzt, aber auch Historismus, Art Deco und Monumentalismus lassen sich in den Gebäuden finden. Asmara ist die einzige größere Stadt der Welt, in der man auf die verschiedensten Bewegungen moderner Baustile und deren Vorläufer trifft.Trotz der kolonialen und faschistischen Herrschaft, unter der die Stadt entstand, wird dieses architektonische Erbe heute in Eritrea positiv aufgenommen. Mit einer Ausstellung appelliert eine Initiative um den Architekten Naigzy Gebremedhin für den Erhalt der außergewöhnlichen Baukultur der Hauptstadt Eritreas und will die Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe unterstützen. Gezeigt werden Fotografien von Edward Denison, der dazu ein – leider vergriffenes Buch – zu Asmara mit seinen Bildern zusammengestellt hat. Dabei werden architektonisch interessante Gebäude – wie das Cinema Impero, Cafés oder die Tankstelle Tagliero gezeigt.

Das Cinema Impero (Bild oben links) ist ein Kino in der eritreischen Hauptstadt Asmara. Es wurde 1937, während der letzten Phase der italienischen Kolonialherrschaft nach Entwürfen von Mario Messina im Stil des Art Déco errichtet. Benannt wurde es nach dem von Mussolini im Mai 1936 nach der Eroberung Äthiopiens ausgerufenen Italienischen Reich. Das Gebäude ist mit seiner Ausstattung weitgehend im Originalzustand erhalten.

Fiat Tagliero ist eine Tankstelle in Asmara. Sie wurde gegen Ende der italienischen Kolonialherrschaft nach Entwürfen des italienischen Architekten Giuseppe Pettazzi im Stil des Futurismus errichtet und 1938 vollendet. Wie ein U-Boot sieht die Tankstelle aus, vor der ein quietsch-gelbes Auto parkt. Mit ihrer kompakten runden Form, den Fenstern wie Luken und dem ganz auf die Funktionalität reduzierten Design greift der Architekt Gestaltungsprinzipien der Moderne der 20er und 30er Jahre des vergangen Jahrhunderts auf. Wer durch die Straßen von Asmara geht, kann bisweilen das Gefühl haben, als hätten hier die Architekten des Bauhauses selbst Häuser entworfen. Das Gebäude gehört zur Zeit der Royal Dutch Shell Oil Company, steht leer und wird auch als Tankstelle nicht mehr genutzt.

 

Afrikas heimliche Hauptstadt der Moderne

Kulturfabrik Pasing, Galerie

 

Kultur- und Bürgerzentrum der Landeshauptstadt München

August-Exter-Str. 1, 81245 München

Bis 19.08.2012

 

Weitere Informationen:

Pasinger Fabrik: Ausstellung Afrikas heimliche Hauptstadt der Moderne

 

 

 

Bilder: Edward Denison