Ausstellung: Der Aufbruch der Fünfziger

Waren die Wiederaufbau-Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt von Konservatismus und Fantasielosigkeit? Betrachtet man die Fotos von Hans Engels in der aktuellen Ausstellung „Architektur der Fünfziger Jahre in Deutschland“ im Haus der Architektur, gewinnt man einen anderen Eindruck.

 

Wer die heutige Architektur mit der in der Ausstellung dokumentierten vergleicht, erhält den Eindruck, dass die 1950er-Jahre von einem deutlich größerem Mut und  Kreativität geprägt waren. Wohlstand ist keine unbedingte Voraussetzung für interessante Architektur, wichtiger ist eine kreative Einstellung.

 „Aufbruch!“ titelt dann auch das Buch mit den Fotografien von Hans Engels, das etwa zeitgleich mit der Ausstellung seiner Bilder in der Bayerischen Architektenkammer erschienen ist. Die leichte, schwingende und transparente Architektur der 1950er Jahre, die das Gegenstück zur Monumentalität der Kriegs- und den Schuttbergen der Nachkriegsjahre und der Maßstabslosigkeit der nationalsozialistischen Architektur darstellte, ist das Thema der Ausstellung.

Dies zeigt sich in elegant geschwungenen Treppen, etwa die der Münchner Maxburg von Sep Ruf und Theo Pabst (Bilder links und rechts), aber auch die gewerblich genutzte Hamburger Großmarkthalle von Bernhard Hermkes (Bild oben).

 

Buch beziehungsweise Ausstellung zeigen dabei nicht nur die architektonischen Klassiker der 1950er Jahre, wie das Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle in Stuttgart (Rolf Gutbrod, Adolf Abel, 1955), die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche von Egon Eiermann (Berlin, 1957-1961) und die Berliner Philharmonie von Hans Scharoun (1963) oder die Haniel-Garage in Düsseldorf (Paul Schneider-Esleben, 1953), sondern auch eher weniger bekannte Architekturperlen, wie eine typische Tankstelle (Bild links) dieser Jahre in Hamburg, wie sie sonst heute kaum mehr aufzufinden ist, oder die Nürnberger Wohnanlage Zollhaus (Bild rechts).

 

München ist gleich mit mehreren Gebäuden vertreten. So ist Sep Ruf neben der Maxburg auch mit seinem schmalen Wohnhaus in der Theresienstraße präsent, auch Gustav Gsaengers Matthäuskirche und der Eingang des Münchner Hauptbahnhofs von  Franz Hart Bild links).

Das dazu erschienene Buch des Prestel Verlags enthält einen einleitenden, etwas launischen Essay vom FAZ-Feuilleton-Redakteur Dieter Bartetzko sowie kurze Texte zu den einzelnen von Hans Engels fotografierten Bauwerken des Aechitekten Axel Tilch. Engels aktuelle Fotografien der 1950er-Jahre-Architektur laden zu einem Vergleich mit den Fotografien eines anderen, vor kurzem erschienen Bildband "Karl Hugo Schmölz - Köln Architekturfotografien" (immobilienreport Ausgabe 44) der Fünfziger Jahre ein.

 

Ausstellung:

Architektur der Fünfziger Jahre

Fotografien von Hans Engels mit Texten von Axel Tilch

Haus der Architektur, Waisenhausstr. 4
, 80637 München

Öffnungszeiten:

Ausstellungszeitraum 18.04.–05.06.2013; Mo -Do 9.00 -17.00 Uhr, Fr 9.00 -15.00 Uhr, samstags, sonntags und feiertags geschlossen

Weitere Informationen:

Bayerische Architektenkammer: Architektur der Fünfziger Jahre

Buch:

Aufbruch! Architektur der fünfziger Jahre in Deutschland


Fotografiert von Hans Engels,
Prestel, München 2012
160 Seiten, 80 farbige, 15 sw Abbildungen
39,95 Euro