Architekturpreis für Stille Örtchen

Nanu, ein Holzstapel oder eine Heuhütte als Stilles Örtchen? Für den Golfclub Lauterhofen haben die Architekten Berschneider + Berschneider eine originelle Idee gut umgesetzt und nun dafür den BDA-Preis Bayern 2016 in der Kategorie Besondere Bauten erhalten. Näheres und weitere Preisträger...

 

Am 27. Februar 2016 wurde der BDA Preis Bayern zum 23. Mal verliehen. Im Rahmen eines Festakts im Münchner Künstlerhaus wurden die Preisträger der einzelnen Kategorien mit dem BDA Preis Bayern 2016 ausgezeichnet. Der vom Bund Deutscher Architekten ausgelobte Preis ist einer der renommiertesten Architekturpreise landesweit. Nicht nur die hohe Qualität der Architektur, sondern auch das erfolgreiche Zusammenwirken zwischen Bauherren und Architekten wird mit dem BDA Preis Bayern anerkannt.

Insgesamt wurden Preise für acht Kategorien vergeben. Neben Berschneider + Berschneider in Pilsach bei Neumarkt i. d. Oberpfalz

und der Bauherr Golfclub Lauterhofen e.V. (Kategorie Besondere Bauten, siehe Bilder links) erhielten Bembé Dellinger Architekten
 und Stadtplaner, Greifenberg
 und ihr Bauherr Gemeinde Wettstetten einen Preis für die Neue Ortsmitte Wettstetten in der Kategorie Städtebau (Bild oben) und Deppisch Architekten, Freising mit Bauherr, die Joseph-Stiftung Kirchliches
 Wohnungsbauunternehmen für ihre Wohnanlage in Ansbach (Kategorie Wohnungsbau).

Behnisch Architekten in Stuttgart mit dem Architekturbüro Leinhäupl + Neuber, in Landshut mit dem Landratsamt Landshut als Bauherr erhielten einen Preis für das Gymnasium Ergolding (Kategorie Bauen für die Gemeinschaft). Den Preis der Kategorie Gewerbe- und Verwaltungsbau für das Objekt „Rau und ruhig in Schweinfurt bekamen Schlicht Lamprecht Architekten,
 Schweinfurt
mit Bauherr Georg Lesch e.K., den Preis „Bauen im Bestand“ die Architekten AG Gebauer. Wegerer. Wittmann,
 in Regensburg
mit der Stadt Parsberg für das Denkmal Burgsaal Parsberg. Kaum überraschen war, dass auch Peter Haimerl Architektur,
 München, mit der Gemeinde Blaibach für das bereits viel in den Medien erwähnte Konzerthaus Blaibach mit einem Preis (Kategorie Kulturbauten) bedacht wurde. Neu vergeben wurde erstmals der Nachwuchspreis Bayern 2016, den die Studenten der Technischen Universität München am Lehrstuhl Entwerfen und Holzbau (Professor Hermann Kaufmann) für ihr OP-Gebäude im Buschkrankenhaus Ngaoubela in
Kamerun erhielten.

Für den BDA-Preis Bayern hatten sich bis zum 14. September 2015 mehr als 150 Projekte über das Online-Portal beworben. 
Nach zwei Jurysitzungen unter dem Kurator Amandus Sattler (ASW), BDA-Landesvorsitzender Karlheinz Beer und Lydia Haak und dem Bericht des Architekturjournalisten Till Briegleb, der die vorausgewählten Objekte besichtigt hatte,  wurden dann die Nominierungen ermittelt.
Die Mitglieder des BDA Bayern konnten dann bis zum 6. November aus den nominierten Projekten die Preisträger innerhalb der sieben Kategorien zu wählen. 

Bei dem erstmalig in einer eigenen Kategorie vertretenen BDA Nachwuchspreis Bayern haben sich die Bayerischen Hochschulen rege beteiligt und über 40 Studienarbeiten zur Teilnahme vorgeschlagen. Nominierungen und Preisträger wurden direkt durch die Jury bestimmt. 

Die Ergebnisse der Wahl des BDA Preis Bayern 2016 sowie Nominierungen und Preisträger des Nachwuchspreises werden im Rahmen einer festlichen Preisverleihung am 27. Februar 2016 im Münchner Künstlerhaus bekannt gegeben.

Alle Preisträger werden für den BDA-Bundespreis, die Große Nike 2016 nominiert. Hier die Jury-Urteile zu den Bauten:

Besondere Bauten: Stille Örtchen Golfclub Lauterhofen
Architekten: Berschneider + Berschneider,
Pilsach bei Neumarkt i. d. Oberpfalz
Bauherr: Golfclub Lauterhofen e.V.

Beurteilung der Jury:
Architekten zeigen mit großer Begeisterung ihre Toiletten. Gemäß des berühmten Spruchs, ein Architekt müsse nur wissen, wo die WCs hin sollen, und dann entwickelt sich jedes Gebäude von alleine, haben die Sanitäranlagen offensichtlich zentrale Bedeutung für die Baukultur. Stolz wurden mir blutrote, orange, giftgrüne und zitronengelbe Klos präsentiert, besondere Lagen neben einer Felswand oder besondere Öffnungsmechanismen, die den Benutzer vor ein Rätsel stellen. Und kaum ein Büro ließ es sich nehmen, originelle Icons für die Unterscheidung von Herren-, Damen- und Behindertentoilette zu entwerfen. 
Aber getoppt wurde dieser Running Gag der Stillen Örtchen von den Follies, in denen auf dem Golfplatz Lauterhofen ausgetreten wird. Es ist der Verein von Johannes Berschneider, den man hier nur freundlich „Berschi“ nennt.

Der Architekt hat gemeinsam mit seinen Abschlag-Kumpels die Shit-Holes auf dem Gelände durch Sanitärskulpturen ersetzt, bei deren Benutzung niemand gelangweilt auf sein Handy starren muss. Mit wackelig geschnittenen und verschweißten Stahlplatten, die Berschneider in einem Steinbruch liegen sah, mit Schichtbeton, den seine Golfclique mit alten Schlägern gestampft hat, und mit dem Schnittholz einer Entbuchungsaktion wurden drei Toilettenhäuschen errichtet, die man eher auf der documenta erwarten würde als auf einem Grün für den feinen Reichensport.
Aber zu dem Naturgolfplatz Lauterhofen, wo es Streuobstwiesen, ein Insektenhotel und Heidschnucken für die Platzpflege gibt, passen diese lustigen Bastelklos perfekt. Und sie bieten echte Zusatzfeatures. Eine große spiegelnde Übereckverglasung erlaubt in der Betonhütte den Blick von der Klobrille über das ganze Tal, ebenso wie im Holz-Gabinetti, wo ein Sehschlitz in Sitzhöhe Fernsicht gewährt. Und im Schweißerhäuschen ist der besondere Clou eine rote Betonmischmaschine als Handwaschbecken. Dazu wurde aus Heuballen vom benachbarten Feld auch noch eine Schutzhütte gebaut. 
Auf dem Course durch die bayrischen Toiletten-Greens waren diese Holes definitiv ein Triple Eagle.

 

Städtebau: Neue Ortsmitte Wettstetten (großes Bild oben)
, Architekt: Bembé Dellinger Architekten
 und Stadtplaner, Greifenberg; 
Bauherr: Gemeinde Wettstetten

Beurteilung der Jury:
 Auf einem sanften Kirchenhügel gelegen und umgeben von relativ schlichten Satteldachbehausungen in bunten Farben schafft die dreigeteilte neue Dorfmitte einen identitätsstiftenden Kern für eine ziemlich amorphe Dorflandschaft. Dabei gelingt es Bembé Dellinger, eine stimmige Balance zwischen räumlichen Vorgaben der Umgebung und der architektonische Demonstration von Erneuerung herzustellen. 
Die lockere Verteilung der bestehenden Wohnhäuser wird in Rhythmus und Dimension der Neubauten aufgenommen, die abstrakte Formensprache der skulpturalen Baukörper betont aber den Charakter des modernen Eingriffs. Rathaus, Gemeindesaal und ein homogen sich anschließendes Gebäude für Tagespflege sind so zueinander gruppiert, dass sie sich mit ihren gläsernen Foyers zu einem gemeinsamen Platz hin öffnen, der einen zusätzlichen gemeinschaftlichen Gewinn erzeugt. 
Obwohl diese neue Ortsmitte durchlässig nach allen Seiten ist und bestehende Wegbeziehungen aufnimmt, bilden die zueinander gewandten Gebäude eine intime, schützende Situation. Durch die Verwendung einer historisch in der Gegend verwendeten Fassadengestaltung mit hell geschlämmten Ziegeln machen die New Kids on the Block aber auch in ihrer Verkleidung ein vermittelndes Angebot an die Tradition. Mit dieser Form einer sensibel moderierten Moderne und der Organisation von Servicebauten zu einem dörflichen Anziehungspunkt gelingt dem Projekt eine überzeugende Dorfkernbebauung im Kontext des Bestands.

Wohnungsbau: Energieeffizienter Wohnungsbau,
Ansbach
Architekt: Deppisch Architekten,
 Freising; 
Bauherr: Joseph-Stiftung Kirchliches 
Wohnungsbauunternehmen

Beurteilung der Jury:
 In einer stillen Nachkriegs-Siedlung mit schmucklosen Mehrfamilienhäusern wurden drei der Sechziger-Jahre-Zeilen abgerissen, um eine demonstrativ neue Form der Riegelbebauung umzusetzen. Der aus einem Wettbewerb hervorgegangene Entwurf von Deppisch Architekten ersetzt das triste Distanzgrün des Nachkriegsstädtebaus durch einen halböffentlichen Hof, der einen introvertierten Freiraum für die Bewohner schafft – und dabei komplett auf den sonst obligatorischen, tristen Rasen verzichtet. Gefasst durch eine markant mit Schornstein und Tor in Beton gefasste Pellet-Heizanlage sowie auf der anderen Seite durch einen Riegel mit Fahrradunterständen aus demselbem lichten Beton, erhält der große Zwischenraum eine geradezu städtische Anmutung von Platz.
Die zwei komplett mit Holz in hell und dunkel verkleideten Wohnriegel mit 37 geförderten Wohneinheiten sind auf den Längsseiten mit Balkonbändern sowie an den Schmalseiten durch würfelförmige Austritte gegliedert, die der einfachen Kubatur Charakter verleihen. Die nachdunkelnde äußere Erscheinung wird im Inneren durch eine weiße Atriumerschließung mit Oberlicht kontrastiert, und diese Zusammenarbeit aus Holz und weißem Putz setzt sich auch in den 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen mit unterschiedlichen Grundrissen fort.
Das Gebäude erfüllt höchste Energiesparanforderungen und erzeugt Heizung und Warmwasser allein durch die Pellet-Anlage, sowie Strom durch Photovoltaik auf dem Dach. Rückwärtig setzen sich die großen Holzriegel von den Straßen durch breite Gartenstreifen ab, die – wie der Innenhof mit seinen Gemeinschaftsanlagen in den Erdgeschossbereichen – nicht nur ökologische, sondern auch kommunikative und soziale Nachhaltigkeit für die rund 80 Bewohner erzeugen sollen.

Bauen für die Gemeinschaft: Gymnasium Ergolding
Architekten:  Behnisch Architekten,
 Stuttgart mit Architekturbüro
Leinhäupl + Neuber, Landshut
; Bauherr: Landratsamt Landshut

Beurteilung der Jury:
Ist das Gymnasium das Schloss der Gegenwart? Der imposante und großzügige Bau für staunenswerte Treppenanlagen, Räume und Farbspiele, wo architektonische Verschwendung und barocke Vielfalt möglich sind, wo man räumliche Erhabenheit lernt und sich gerne dem Prunk hingibt? Es braucht nur ein paar Sekunden in der überwältigenden Pausenhalle des Ergoldinger Gymnasiumsbaus, um ein demokratisches Gefühl von Fürstlichkeit zu erleben, das diese komplexe, verspielte und farbenprächtige Architektur auslöst. 
Leichtfüßige Treppenanlagen ziehen sich in unterschiedlichsten Winkeln und Wegen durch das haushohe Atrium, knallige Wandfarben definieren die vier Stockwerke, die sich auf jeder Ebene in eine andere Richtung durch große Fensteröffnungen zur Außenwelt öffnen. Nichts ist hier stur, streng oder allwissend, sondern eine gebaute Aufforderung, sich eigene Wege zu suchen.
Das verspielte Schulkonzept des Bürogründers Günther Behnisch, mit dem er der gebauten Pädagogik über Jahrzehnte seinen Stempel aufdrückte, lebt hier im verschlungenen Straßengrundriss einer mittelalterlichen Stadt neu auf. Flure öffnen sich zu Plätzen, Funktionsräume zu Höfen und Grünflächen, um welche Ecke man auch immer kommt, die Perspektive ist eine andere. Die Großzügigkeit von Raum, Licht und Farbe in immer neuer Figuration sorgt für einen Rausch der Abwechslung. 
Die alte metaphorische Lehre von Günter Behnisch, nach der gebaute Transparenz der beste Ausdruck von Demokratie und gesellschaftlicher Offenheit sei, dekliniert sich durch das gesamte Gebäude und erzeugt eine wirklich befreiende Stimmung. Und das Raumprogramm inklusive Freilichttheater, Bibliothek, Meditationsräumen für Lehrer und Schüler und einer offenen gelben Kantine mit großem Hofgarten unterstreicht das Gefühl von pädagogischem Luxus, das den Besucher in diesem korallfarbigem Gymnasiums-Schloss schon beim Eintritt berührt. Wer hier nicht gerne Schüler ist, der wird vermutlich nie ein guter Demokrat.

Gewerbe- und Verwaltungsbau: Rau und ruhig, Schweinfurt
Architekten: Schlicht Lamprecht Architekten,
Schweinfurt
; Bauherr: Georg Lesch e.K

Beurteilung der Jury:
 Altmetall ist durchaus eine poetische Angelegenheit, auch wenn diese Recycling-Branche nicht zuletzt wegen der TV-Serie „Die Ludolfs“ eher einen prolligen Ruf hat. Aber auf den Höfen der Familie Heinlein in Schweinfurt, wo sich die metallischen Reste der umliegenden Wälzlagerindustrieunternehmen zur Weiterverwertung einfinden, bekommt man eher den Eindruck eines riesigen künstlerischen Materiallagers, so bizarre Formen, Farben und Stoffe häufen sich hier zwischen Waagen und Pressen. Vor allem das warme Rostrot prägt die Arbeit dieses Familienunternehmens in Bayerns wichtigster Industriestadt, und deswegen ist die Fassade aus 4 Millimeter dicken Cortenstahlplatten, die Schlicht und Lamprecht um das neue Betriebsgebäude gehüllt haben, auch ein „familiäres“ Element.
Das in seinem Umfeld aus großen Blechhallen eher winzig wirkende Gebäude entfaltet innen ein erstaunlich komplexes Raumprogramm, das auch mehrere psychologische Aspekte zu beachten hatte. Vater Heinlein braucht den Sichtkontakt zum Arbeitshof, seine Tochter hatte in dem lärmstarken Tagesbetrieb den Wunsch nach Stille, und die enge Verbundenheit der Firmenleitung mit ihren langjährigen Mitarbeitern sollte sich auch innenräumlich abbilden. 
Also organisiert sich das Gebäude mit gläsernen Innenseiten um einen stillen Hof, der mit Holzlamellen und geduckten Pflanzen im Kies die Anmutung eines Zengartens entfaltet. Die Innenorientierung durch raumhohe Fensterfronten erlaubt den ständigen Sichtkontakt zwischen den verschiedenen Arbeits- und Pausenbereichen. Und der Boss beobachtet durch die große Panoramascheibe von seinem Schreibtisch alles, was im Verarbeitungsbereich vor sich geht. 
Das massive Gebäude mit seinem hermetischen Auftritt präsentiert sich in allen Arbeitsbereichen überraschend hell. Das gilt besonders für den lichten Besprechungspavillon im zweiten Stock, der nach drei Richtungen einen Blick über das Schweinfurter Industriegebiet erlaubt und den Zugang zu dem begehbaren Dach ermöglicht. Die helle und freundliche Atmosphäre bekommt ihre individuelle Prägung durch die kreisrunden Lichtfilter mit ihren vier kleinen Zacken, die einer häufig eingelieferten Stanzform der Autozulieferer entspricht. Wenn man dieses sehr persönliche und kommunikative Gebäude „Rostlaube“ nennt, dann ist das ein aufrichtiges Kompliment für die poetische Verbindung von Schrott und Idyll.

Bauen im Bestand/ Denkmal: Burgsaal Parsberg
; Architekten: AG Gebauer. Wegerer. Wittmann,
Parsberg; 
Bauherr: Stadt Parsberg

Beurteilung der Jury:
Manchmal muss man sentimentale Opfer bringen, um mit Architektur neues Glück zu zeugen. An der Stelle unterhalb der Parsberger Burgruine und neben dem verwinkelten Schloss stand bis vor einigen Jahre ein altes Wirtshaus, auf dessen Tanzboden so manche Parsberger Liebe gestiftet wurde. Der Abbruch des Erinnerungsstücks, das leider nicht mehr besonders in Schuß war und außerdem den freien Blick ins Tal versperrte, musste deswegen mit einem überzeugenden Angebot emotional verständlich gemacht werden. Dieses Angebot ist ein großer öffentlicher Platz, der durch die organische Anpassung des neuen Gemeindesaals an den Berg und einen seitlichen Küchenflügel ermöglicht wurde.  
Verkleidet in einem lokalen hellen Jura-Kalkstein, der mit den Burgresten und den Mauersteinen des terrassenförmigen Kirchhofs davor ein Facettenspiel graugelber Farbtöne ergibt, ist der eigentliche Saal ein sehr funktionaler, holzverkleideter Raum, der durch das Panorama hinter seiner großen Eckscheibe Erhabenheit gewinnt. Das Gebäude, das bewusst niedrig gehalten wurde, um sich harmonisch in das abgstufte Gebäudeensemble unterhalb des Burgfrieds zu fügen, schmiegt seine Nebenräume an die Rundung des Bergmassivs und kann sich bei Veranstaltungen auf den Platz öffen. Ein großes Schaufenster zur Felswand im Saal bewahrt die Präsenz des Bergs auch innen.
Was an dem neuen Veranstaltungsgebäude Bauen im Bestand sein soll, erkennt man erst im Keller. Der einst verfüllte Burggraben sowie darüber liegende geziegelte Tonnengewölbe wurden von den Architekten für Veranstaltungen hergerichtet und verdreifachen die Fläche des neuen Zentrums ins Erdreich mit roh belassenen Räumen. Die zwei „Erd“-Geschosse sind durch einem Steg und eine Treppe mit den lauschigen Terrassen am Kirchhof verbunden, so dass Parsberg nun ein vielfältiges Angebot an speziellen Räumen für jeden Anlass besitzt. Sicher auch für das Keimen junger Liebe.

Kulturbauten 
& Preis der Jury: Konzerthaus Blaibach
, Peter Haimerl Architektur,
 München
; Bauherr: Gemeinde Blaibach

Beurteilung der Jury:
 Seit neuestem ist in Blaibach jeden Tag Weihnachten, Geburtstag und Namenstag in einem. Denn das große Paket, das im Zentrum des Schwarzwalddorfes im Boden steckt, ist nicht nur ein großes Geschenk des Landes, das den größten Teil der Finanzierung leistete, sondern eine tägliche Bescherung. Das weltweit begeistert rezipierte Konzerthaus, das der Bariton Thomas E. Bauer und der Architekt Peter Haimerl für das Zweitausend-Seelen-Dorf entwickelt haben, ist längst eine begehrte Destination für Konzertmusiker und die hier sehnlichst herbeigewünschten Kulturtouristen, die weite Reisen auf sich nehmen, um das kleine Klangwunder zu erleben – aber eben auch eine vielgenutzte Räumlichkeit für lokale Veranstaltungen.
Wie es sich für ein richtig tolles Geschenk gehört, verrät die Verpackung nichts über den Inhalt. Die tonnenschweren Waschbetonplatten, die in dörflicher Gemeinschaftsarbeit auf einem ungenutzten Parkplatz mit geschreddertem Ortsgranit hergestellt und dann mit dem Kran an der aufragenden Konstruktion befestigt wurden, erinnern zwar an die Tradition des Dorfes als Steinhauergemeinde. Aber neugierig macht das Fremdartige dieser gekippten Schachtel, an deren Unterseite eine steile Treppe ins Reich der Noten führt. 
Die folgende Dramaturgie, die Peter Haimerl für den Weg vom breiten Eingangsschlitz bis zum Saal entwickelt hat, ist die der sich steigernden Vorfreude. Über holzverkleidete gekippte Garderobenräume, ein Foyer im Knick mit Bar sowie einen langen Seitengang führt der Weg zu einer schmalen Öffnung. Wer hier eintritt, lässt allen Unglauben fahren. Denn der bizarr gefaltete, steile Konzertsaal, der sich nun dem Blick darbietet, ist eine musikalische Zauberhöhle mit schwebenden Sitzen und strahlenden Schichten, die jeden sofort die Welt außerhalb des Klangreichs vergessen läßt. 
Wie bei allen verzaubernden Gebäuden ist die Struktur im Prinzip einfach, aber trotzdem nicht sofort verständlich. Sich vielfältig überlappende Betonblätter mit indirekter Beleuchtung falten sich über Wände und Decke zu einer künstlerischen Schieferstruktur. Der grob gestampfte Beton ist überzogen mit sogenannten „Nestern“, also filigranen Schadstellen, die sich wie inverser Efeu über die Wände ziehen. Die beinlos auf Querbalken befestigten Drahtsitze verleihen der Tribüne eine gravitationslose Leichtigkeit. Und der Blick von der Rückwand hinunter auf die Veranstaltungsfläche ist vergleichbar mit der schwindelerregenden Sicht über einen Sturzbach in eine Bergschlucht. 
Diese Komposition ist selbst ohne Musikvorführung ein sinnliches Erlebnis der Extraklasse. Schenken Sie es sich und Ihren Liebsten, zum Geburtstag, zu Weihnachten, einfach jederzeit.

Nachwuchspreis Bayern 2016: Ein OP-Gebäude für das Buschkrankenhaus Ngaoubela,
Kamerun
Teilnehmer: Julia Gräff,
Michael Mayer, Phillip Weibhauser, Karina Gnüchtel, Doria Bornheimer, Magdalena Pfeffer,
Stephanie Tröndlin-Ehrler
Hochschule: Technische Universität München, Betreuung durch den Lehrstuhl Entwerfen und Holzbau, Prof. Hermann Kaufmann

Beurteilung der Jury:
Es ist eine Hybris des kapitalistischen Bausystems, dass die dringlichsten Gestaltungsaufgaben die unattraktivsten sind, vor allem finanziell. Billigen Wohnraum schön, einladend und den Bedürfnissen der Menschen entsprechend zu entwerfen oder großen Notlagen nicht nur mit Behelfskonstruktionen zu begegnen, das ist die vielleicht größte Herausforderung in einer profitorientierten Immobilienkultur. Genau deswegen ist das Projekt der Studentengruppe der TU München, die in Kamerun ein Operationsgebäude mit zwei Sälen geplant und tatsächlich errichtet hat, von einer Bedeutung, die über die Prämierung einer Studentenarbeit weit hinaus geht. 
In nur sechs Wochen errichteten die sieben Studenten gemeinsam mit 25 Helfern vor Ort das einfache, aber dennoch schöne und voll funktionsfähige Gebäude für den sensiblen Bereich der Chirurgie. Da aufwändige und wartungsintensive Klimalösungen für das Low-Cost-Projekt und seine zukünftige Nutzung nicht praktikabel waren, wurde mit dem weit auskragenden Pultdach und eigens entwickelten Fenstern eine natürliche Kühlung durch Luftströme befördert. Ein großer Vorraum mit einer Balkendecke und Holztüren schafft zudem mit ökonomischen Mitteln einen Warteraum, der drei mal heimeliger wirkt als jeder deutsche Krankenhausflur.
In dem Ensemble der ehemaligen Leprastation, die mit Unterstützung evangelischer Hilfsorganisationen zu einem der best ausgestatteten allgemeinen Krankenhäuser des dortigen Bezirks wurde, schafft die prägnante Architektur einen klaren Bezugspunkt, der sich dank der Materialien und der Bauweise nicht wie ein importierter Fremdkörper ausnimmt, sondern wie ein natürlicher Bestandteil dieser Genesungsgemeinde.
Das Motto der Studentengruppe „build together – learn together&