Bayernkaserne: Max Dudler gewinnt mit Hilmer & Sattler und Albrecht

Der Wettbewerb zur Überplanung der Bayernkaserne ist entschieden. Den ersten Rang belegten das Architektenteam des Berliner Max Dudler mit den Münchner Hilmer & Sattler und Albrecht sowie der Gartenarchitektin Adelheid Schönborn. Bis zum Bau des neuen Stadtquartiers wird allerdings noch einige Zeit verstreichen.

 

Das aufwendige Planungsverfahren wurde zu Gunsten des Architektenteams mit den namhaften Architekten aus Berlin und München entschieden. Gestartet war der Wettbewerb mit 38 eingereichten Arbeiten, aus denen das Preisgericht im Juli 2013 zwölf für die vertiefende zweite Phase auswählte. Im Januar 2014 bestimmte das Preisgericht eine Preisgruppe aus sechs gleichrangigen Entwürfen, die im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit im Februar und März 2014 bei mehreren Veranstaltungen vorgestellt und diskutiert wurden. Die sechs Finalistinnen und Finalisten nahmen die Anregungen und Empfehlungen der Bürgerinnen und Bürger mit in die Überarbeitungsphase.

Am 18. Juli hat die Jury unter dem Vorsitz von Professor Klaus Trojan nun folgende Rangfolge festgelegt:

Rang 1: Max Dudler, Berlin; Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht, München; Adelheid Schönborn Gartenarchitektin, Muhr am See

Rang 2: Ammann Albers GmbH StadtWerke, Zürich; Studio Vulkan Landschaftsarchitektur, Zürich (ehemals Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten)

Rang 4: Laux Architekten GmbH, München; terra nova landschaftsarchitektur, München

Rang 4: Schellenberg + Bäumler Architekten, Dresden; Adler & Olesch Landschaftsarchitekten, Nürnberg

Rang 6: COBE Berlin GmbH, Berlin; Manmade Land, Berlin

Rang 6: sauerbruch hutton, Berlin; mahl gebhard konzepte, München

Die Ränge 3 und 5 wurden nicht vergeben. Die Rangfolge ist das wichtigste Kriterium bei der Auftragsvergabe für die weiteren Planungsleistungen. Ende 2014 wird der Zuschlag erteilt.

 

 

Beurteilung durch die Jury: Rang 1

Max Dudler, Berlin, mit den 
Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht, München. sowie 
Adelheid Schönborn Gartenarchitektin, Muhr am See

Leitidee: Der Entwurf greift die Ordnung der Kaserne mit ihren strukturierten Baufeldern und einem orthogonalen Erschließungsnetz auf und überlagert sie mit dem Konzept der europäischen Stadt, das sich auf die Münchner Stadterweiterung von Theodor Fischer bezieht. Stadträumlich schlüssig wird diese Struktur mit einer Diagonalen unterbrochen, die mit dem Stadtplatz einen urbanen Raum formuliert. Wesentlicher Teil der Konzeption sind die beiden großzügigen grünen Freiräume im Norden und Süden, die unterschiedlichste Freiraumnutzungen aufnehmen. Der Quartierspark bietet einen grünen Kontrapunkt zum urbanen Stadtplatz.

Identität und Image: Das Quartier weist mit dem Stadtplatz und dem Stadtpark, eingerahmt von den Grünzügen, eine eigenständige Identität in der heterogenen Umgebung des Münchner Nordens auf. Der Hochpunkt an der Heidemannstraße und die vorgeschlagene Pergola als Schallschutz für den Freiraum im Norden bilden eine unverwechselbare Adresse für das Quartier. Damit entsteht ein gut nutzbares Vorfeld, ein angenehmes Entree, das Offenheit signalisiert.


 

Städtebauliche Qualität: Der öffentliche Raum, der Erschließungsring und die grünen Gassen orientieren sich am Baumbestand und sorgen damit für eine hohe Aufenthaltsqualität. Die Erschließungsstruktur bietet durch den Wechsel zwischen Straße und grüner Gasse spannungsvolle Räume. Die Erschließungen von der Heidemannstraße sind richtig situiert. Allerdings könnte die innere Erschließung im Westen um eine Blocktiefe verringert werden.
 Die vorgeschlagene Diagonale kann eine lebendige innerstädtische und gut proportionierte Straße werden.

Die Diagonale spannt sich zwischen zwei Hochpunkten auf. Beide wurden hinsichtlich des Lärmschutzes und der Nutzbarkeit kontrovers diskutiert. Der südliche Hochpunkt erscheint zum jetzigen Zeitpunkt stadträumlich nicht begründet.
 Die offenen und differenziert ausgebildeten Wohnhöfe bilden klar abgegrenzte private Höfe und einen stadträumlich schlüssigen Übergang zum öffentlichen Raum. Sie ermöglichen verschiedene Wohntypologien. Die Architektur bietet ein breites Spektrum an unterschiedlicher Höhenentwicklung und Baukörpern. 

Nutzungsstruktur: Die angebotene Nutzungsmischung entlang der Diagonalen überzeugt, lässt eine urbane Stadtstraße erwarten und kommt auch der Nachbarschaft zugute. Der Vorschlag, Wohnnutzungen in den Erdgeschossen möglichst zu vermeiden, erscheint im Grunde sinnvoll, aber nicht in Gänze umsetzbar. 
Die Verteilung der Schulen auf dem Gelände ist sinnvoll. Fraglich ist, warum eine dritte Grundschule angeboten wird. Für die Schulsportanlage an der Heidemannstraße ist ein ausreichender Schallschutz notwendig. Die Kombination der Sporthalle der Grundschule mit einem neungeschossigen Gebäude erscheint nicht möglich.
Der vorgeschlagene Erhalt der vorhandenen Bausubstanz im Südwesten fügt sich in die Grundstruktur sehr gut ein und bietet auch gute Angebote für soziokulturelle Nutzungen.

Freiraumplanerische Qualität: Durch die Pergola an der Heidemannstraße kann der Grünraum im Norden gut genutzt werden und erhält eine eigene Identität. Auch die Freiräume innerhalb der Bebauung sind gut proportioniert und im Kontext richtig typisiert.

Der südliche Grünraum mit parkartiger Dimension bietet eine hohe Nutzungsvielfalt und integriert die Sportanlagen sehr gut. Der Park stellt eine sinnfällige Verbindung nach Westen dar und sorgt für eine quartiersübergreifende Vernetzung.

Fazit: Insgesamt greift die Konzeption Spuren vom Ort auf und entwickelt bekannte und bewährte städtebauliche Strukturen weiter, so dass ein eigenständiges Quartier mit guten Stadträumen und hoher Aufenthaltsqualität zu erwarten ist. So kann Identität und Heimat im Münchner Norden entstehen.

Beurteilung der Jury des Rang 2

Ammann Albers GmbH StadtWerke mit 
Studio Vulkan Landschaftsarchitektur (beide Zürich)

Insgesamt zeichnet sich der Entwurf durch seine landschaftliche Einbindung sowie die Ausprägung und Differenzierung der öffentlichen Räume und ihrer atmosphärischen Dichte aus (Visualisierung links). Jedoch können die aufgezeigten Baustrukturen des Süd- und des Nordrands, insbesondere der für die Adresse des neuen Quartiers wichtige Stadtprospekt an der Heidemannstraße, nicht überzeugen.

 

 

Quelle: Landeshauptstadt München – Referat für Stadtplanung und Bauordnung

 

Bilder/Animationen: Team Max Dudler, Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht und Adelheid Schönborn Gartenarchitektin; Ammann Albers GmbH StadtWerke und
Studio Vulkan Landschaftsarchitektur, Zürich