Bayernkaserne: Sechs Ideen für ein neues Stadtquartier

Die ersten Ergebnisse des Wettbewerbs sind von 21. Mai bis 6. Juni bei einer Ausstellung im Hochhaus des Referats für Stadtplanung an der Blumenstraße 28b zu sehen. Die Ausstellung ist Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei..

 

In der Ausstellung werden erstmals alle 38 eingereichten Arbeiten der ersten beiden Phasen des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerbs gezeigt, den die Landeshauptstadt München im Mai 2013 ausgelobt hatte.

Im Januar 2014 bestimmte das Preisgericht eine Preisgruppe von sechs gleichrangigen Arbeiten; die Finalisten überarbeiten derzeit ihre Entwürfe, bevor die Jury im Juli 2014 eine Rangfolge bilden wird.

Die Ausstellung wird am Mittwoch, 21. Mai, um 18 Uhr von Stadtbaurätin Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk im Foyer des Hochhauses eröffnet. Die Veranstaltung findet im Rahmen der sechsten Architekturwoche statt.

. Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Professor Klaus Trojan hat am 17. Januar 2014 eine Preisgruppe von sechs gleichrangigen Arbeiten bestimmt. Diese werden im Rahmen der Ausstellung "Zukunft findet Stadt 2014 - München: Kontinuität und Aufbruch" in der Rathausgalerie gezeigt und von 19. Februar bis 19. März im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit öffentlich ausgelegt.

Am Samstag, 22. Februar, bietet das Referat für Stadtplanung und Bauordnung für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger auf dem Gelände der Bayernkaserne in Halle 36 (Heidemannstraße 60) von 10 bis zirka 16 Uhr ein moderiertes Werkstattgespräch an, bei dem die Verfasserinnen und Verfasser die Arbeiten der Preisgruppe vorstellen.

Der Siegerentwurf soll aus den folgenden Entwürfen, die zum Teil überarbeitet werden sollen, im Mai ausgewählt werden. Statt den ursprünglich 2500 Wohnungen sollen nun etwa 4000 Wohnungen im Stadtviertel Freimann, einem Teil des nördlichen Münchner Stadtbezirk Schwabing-Freimann entstehen. Darunter sollen auch erschwingliche Wohnungen entstehen  und auch Genossenschaften sollen zum Zug kommen. Auf ihren eigenen Grundstücken plant die Stadt 50 Prozent geförderte Wohnungen. Neben den Wohnungen sind zwei Grundschulen, ein Gymnasium, eine Feuerwache und die Verlängerung der Tramlinie 23 geplant.

 

COBE Berlin GmbH, Berlin Manmade Land, Berlin

Das Konzept der Berliner Architekten COBE und Landschaftsarchitekten Berlin Manmade Land gliedert das Projekt  „Nordpark“  in drei Bereiche. Die Mitte bildet eine „romantische“ zentrale Parkanlage, um die sich Gebäude unterschiedlicher Körnung gruppieren. Als Rahmen um das Quartier besteht ein ringförmiger grüner Aktivraum, der Sporteinrichtungen aufnimmt. Zwischen diesen Grünbereichen befindet sich ein städtischer Raum mit einem großen Marktplatz und unterschiedlichen Quartiersplätzen.

Die städtischen Quartiere sind kleinteilig und sollen unterschiedliche städtische Nutzungsformen dienen. Entlang der zentralen Erschließung und der Trambahn befindet sich die höchste Bebauungsdichte, betont durch einige schlanke Hochhäuser. Durch seine heterogene städtebauliche Struktur bindet sich der Nordpark selbstverständlich in den bestehenden Stadtraum ein.

 

 

Kritik des Jury: „Im Süden und Osten wird der Lärmschutz gegenwärtig nicht gewährleistet, und es ist wenig ersichtlich, wie er in einer Überarbeitung gelöst werden könnte, ohne die Bau- und Nutzungsstruktur erheblich zu verändern. Problematisch bezüglich des Stadtklimas sind die Wind– und Turbulenzsituationen durch die bis zu 15geschossigen Solitärbauten. Die gewählte Gebäudestruktur ist ... ambivalent zu sehen, mit viel versprechenden hohen Punkthäusern und dagegen sehr kleinteilig gemischten Wohnquartieren mit eher beliebiger Anordnung. Das sich ergebende städtebauliche Bild bedarf einer Schärfung der einzelnen Cluster zu den Rändern hin und der Bewältigung der Hochhäuser hinsichtlich ihrer Wohnqualität.“

 

 

 

 

Max Dudler, Berlin; Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht, München; Adelheid Schönborn Gartenarchitektin, Muhr am See

Das berliner Architekturbüro von Max Dudler und die Münchner Architekten Hilmer & Sattler und Albrecht setzen zusammen mit der Landschaftsarchitektin Adelheid Schönborn mit ihrem Entwurf auf eine klassische Stadtstruktur. Auf Basis der vorhandenen orthogonalen Geometrie des Ortes wird eine strenge rechteckige Rasterstruktur über das Gelände gelegt. Vorbild ist das Prinzip der europäischen Stadt. Zwei ausreichend große Grüngürtel im Norden und Süden schirmen das Wohnquartier von den Emissionsquellen ab. Die Straßenbahntrasse verläuft diagonal und folgt historischen Vorbildern wie Manhattan oder Barcelona. Dies lässt durch die geometrische Störung interessante Varianten im Raster erwarten. Die städtischen Blöcke werden jeweils nur von einer Seite durch einen öffentlichen Straßenraum gefasst, die verbleibenden Seiten werden als „grüne Gassen“ mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten ausformuliert. Der Baumbestand wird Teil der städtebaulichen Konzeption. 

 

Die klare ringartige Erschließung sorgt für eine gute Orientierung mit minimalem Aufwand. Die vorgeschlagenen Blöcke staffeln sich zu den „grünen Gassen“ hin ab und werden teilweise aufgebrochen. Trotz der klaren Grundstruktur ist eine abwechslungsreiche Abfolge unterschiedlicher Adressen zu erwarten.

 

Zwei großzügige, unterschiedliche Plätze (grün / steinern), erzeugen gut dimensionierte Freiräume. Der zentrale Platz lässt mit der vorgeschlagenen großstädtischen Prägung einen unverwechselbaren, Identität stiftenden Ort erwarten. In Teilen wäre die zu erwartende Verschattung der Blockinnenräume zu verbessern. „Die vorgeschlagene Konzeption stellt einen selbstbewussten eigenständigen Beitrag zur Diskussion, der eine hohe wohn- und stadträumliche Qualität aufweist.“

 

 

 

 

sauerbruch hutton, Berlin mahl gebhard konzepte, München

„Die städtebauliche Neuinterpretation der ehemaligen Bayernkaserne ist auf den ersten Blick überraschend und auf den zweiten Blick überzeugend“, so die Jury über den Entwurf von sauerbruch hutton und mahl gebhard konzepte.

Durch die Verwandlung des vorhandenen Straßennetzes in „grüne Raster“entstehen spannende Zwischenräume, die den alten Stadtgrundriss manifestieren. Ein weiterer Vorteil liegt im schonenden Umgang mit dem gewachsenen Baum- bestand.

Die klare Struktur des städtebaulichen Konzepts schafft stabile Ränder mit hohem Wiedererkennungswert des Quartiers.

Im Westen und Osten gelingt eine subtile räumliche Anbindung an die angrenzenden Stadtteile, ohne dass Grenzen oder gar Barrikaden für die Weiterentwicklung aufgebaut werden. Die Anordnung der Schulen im Westen wie auch im südlichen Quartiersteil ist in Verbindung mit dem grünen Aktivitätsband optimal. Die bewegte Topographie des Grünraums scheint eine angemessene Antwort auf die vom Lärm belastete Situation entlang des Helene-Wessel-Bogens zu sein.

 

„Ganz anders fallen die Stimmen zu der nördlichen Bebauung aus. Die massive, viel zu hohe Bebauung steht im starken Widerspruch zu den sonst fein ausgebildeten Baukörpern. Die bauliche Abgrenzung zu den nördlich gelegenen Stadtteilen kann so nicht akzeptiert werden. Eine Überarbeitung ist zwingend notwendig.

Größe und Anordnung einzelner Baufelder sind gut gewählt. Dadurch ist eine hohe Wohnqualität zu erwarten. Diese maßstäbliche Struktur wird durch eine logische Verkehrsführung unterstützt. Klare Orientierung und eindeutige Adressbildung werten die Qualität des Quartiers auf. Das Quartierszentrum im Herzen des neuen Stadtteils ist in seiner Größe und Ausformung dem Ort angemessen. Mit präzise gesetzten Hochpunkten und mehreren Zugängen zu den Wohnquartieren wird eine attraktive Mitte formuliert.

„Insgesamt handelt es sich um einen interessanten Beitrag, weil die Geschichte des Ortes im Gesamtkonzept manifestiert wird, ohne nachgezeichnet zu werden.“

 

 

 

Schellenberg + Bäumler Architekten, Dresden; Adler & Olesch Landschaftsarchitekten, Nürnberg

„Der Entwurf greift bestehende Freiflächen samt Gehölzbestand auf und fasst sie zu einem ausgedehntem „Stadtgarten“ zusammen. Durch neue Wege- und Grünverbindungen werden die benachbarten Quartieren vernetzt. Zu den südlich anschließenden Flächen des Europarks schließt ein Lärmschutzwall ab, der zentral als Rodelhügel ausgeformt wird. Entlang seiner Ostseite wird eine durchgängige Promenade vorgeschlagen, die im Norden durch einen Hochpunkt mit Büros und Dienstleistungen, im Süden durch die Grundschule und die Stadtteilbibliothek abgeschlossen wird. Konsequent legt der Entwurf hierhin die wesentlichen Dienstleistungen und öffentlichen Funktionen sowie die Trambahntrasse. Ein markanter Identifikationsraum entsteht, wenn auch die Positionierung der Grundschule noch einer Verbesserung bedarf. Stadtgarten und Promenade werden durch zeilenförmige, siebengeschossige Gebäude gerahmt, hinter denen sich Quartiere mit abwechslungsreichen Freiräumen entwickeln.

 

Kurze Zeilen, L- und U-förmige Bauten und Punkthäuser mit unterschiedlichster Höhe wechseln einander ab und erzeugen ein charmantes und attraktives Stadtbild. Bis zu zehn geschossige Wohngebäude erlauben einerseits spannende Blicke über die Stadt und attraktive Grundrisse. Andererseits werden die Abstandsflächen oft unterschritten, wodurch zum Teil deutlich verschattete Räume entstehen, die im weiteren Entwurfsprozess optimiert werden müssen.

Nach Norden wird ein Quartier mit Dienstleistungen und Nahversorgungsschwerpunkt vorgeschlagen. Eine siebengeschossige Zeile schließt als Lärmschutz zur Heidemannstraße ab. Der Abschluss des Wohnquartiers im Südosten muss überarbeitet werden.

Insgesamt stellt der Beitrag einen gelungenen städtebaulichen Beitrag dar, der trotz der genannten Mängel einen urbanen, vielfältigen und attraktiven Stadtteil mit hoher Identität erwarten lässt.“

 

 

Laux Architekten GmbH, München; terra nova landschaftsarchitektur, München

„Die Konzeption schlägt Blockskulpturen vor, die mit einer großen Varianz ein attraktives Wohnen am und im Park anbieten. In dieser städtebaulichen Systematik wird ein klar formulierter Rand zur Heidemannstraße ausgebildet, an dem die beiden Zufahrten in das Gebiet schlüssig situiert sind.

In dem „Streetboulevard“, einem der drei ost-westgerichteten gliedernden Grünzüge an der Heidemannstraße werden stimmig lärmintensive Freiraumnutzungen vorgeschlagen. An der Hauptzufahrt konzentrieren sich das Gymnasium und der Stadtplatz mit Einzelhandel und Gastronomie - gut zu erreichen auch für die benachbarten Stadtquartiere. Dies sind Voraussetzungen, die eine gewisse städtische Lebendigkeit versprechen.

Die Erschließung im Inneren des Quartiers erfolgt über eine lange Ringstraße, die zwar funktioniert, aber zum Teil Grünverbindungen kappt und Raumqualität vermissen lässt.

Im Zentrum des Quartiers wird ein Stadtpark vorgeschlagen, der sich als Mäander mit altem Baumbestand von Ost nach West durchzieht und entsprechende Verbindungen zur Nachbarschaft formuliert. Obwohl in dieser Konzeption die Orientierungswerte für öffentliches Grün übererfüllt werden, fehlen aufgrund der zum Teil großen Nähe zur Wohnbebauung Rückzugs- und Spielbereiche. Diesem großflächigen Stadtpark mangelt es insgesamt an räumlicher und funktionaler Differenzierung.

Für den Übergang zum Gewerbe im Süden wird als Lärmschutz der Energiepark vorgeschlagen. Hier befinden sich Anlagen zur Energieversorgung, wie Erdwärmenutzung und solares Nahwärmesystem mit großen Speicher. Die dahinterliegende Bebauung benötigt insofern wesentlich geringere Lärmschutzmaßnahmen. Generell birgt die Arbeit ein großes Potenzial zur aktiven Solarenergiegewinnung - durch Photovoltaik auf den Dächern, die zugleich auch gemeinschaftliche Gärten aufweisen. Die geforderten Nutzungen, wie Einzelhandel, Gastronomie, soziale und weitere Infrastruktur und Feuerwehr sind richtig platziert. Im Hinblick auf die vermarktbare Fläche und die Wohnungsanzahl liegt die Arbeit leicht über dem Durchschnitt, im Hinblick auf die Baudichte ist sie im oberen Bereich.

Das große Potenzial dieser Arbeit liegt in der eigenständigen Fortentwicklung des städtischen Blockes, der eine Vielfalt an unterschiedlichen Nachbarschaften und Baustrukturen zulässt und eine differenzierte Höhenentwicklung und gleichzeitig spannende Raumabfolgen bietet. Die Übergänge zum öffentlichen Raum sind funktional schlüssig formuliert.

Insgesamt hat die Arbeit Potenzial, gute Wohn- und Aufenthaltsqualitäten auszubilden. Vermisst werden allerdings noch räumliche Prägnanz und Differenziertheit sowie markante Adressbildung und Identität für das neue Stadtquartier.“

 

Ammann Albers GmbH StadtWerke, Zürich; Schweingruber Zulauf GmbH Landschaftsarchitekten, Zürich

Besonders hervorzuheben ist die Schonung des Baumbestandes, der mit 65,5Prozent möglichem Erhalt weit über dem Durchschnitt liegt.

Bestechend und überzeugend ist die Grundidee des Entwurfs, räumlich eine städtebaulich eigenständige Figur zu kreieren, die von allen Seiten von Freiflächen und parkähnlichen Räumen eingerahmt wird. Diese Flächen wiederum bilden die Anbindung an die benachbarten Quartiere. Sie wirken nicht distanzierend, sondern einladend. In der Folge ist die städtebauliche Ordnung sehr differenziert und eigenständig. Die Ausbildung der Blockstrukturen ermöglicht einerseits gut funktionierende Wohnquartiere und anderseits reizvolle stadträumliche Situationen, die auch den Anforderungen an die infrastrukturellen Inhalte gerecht werden. Erfreulich ist die Einbeziehung des Bestandsgebäudes im Südwesten.

Die verkehrsmäßige Anbindung an die Heidemannstraße ist stadträumlich mit einer deutlichen „Tor-Funktion“ geschickt gelöst und bildet mit der an- schließenden Nord-Süd-Erschließung einen interessanten urbanen Platz- und Straßenraum. Auch die gewünschte Verbindung zum Wohngebiet nördlich der Heidemannstraße ist damit über- zeugend gelöst. Die Freiflächengestal- tung bietet ein ausgewogenes Angebot an öffentlichen und privaten Freiflächen, die den Nutzerbedürfnissen entsprechen. Sie bezieht sich auf die nördliche Heidestruktur und knüpft damit an deren Qualitäten an. Die Lärmschutzmaßnahmen sind überzeugend gelöst, jedoch im südlichen Wohnbereich nicht ausreichend. Die Ausnutzung des Planungsgebiets ist mit einer moderaten Dichte durchschnittlich. Die dargestellten baulichen Lösungen lassen eine wirtschaftliche Realisierung erwarten.

Insgesamt stellt der Entwurf einen beachtenswerten Vorschlag mit hohen städtebaulichen und räumlichen Qualitäten dar, der die Chance eines eigenständigen Quartiers mit hoher Identitätskraft und guter Wohnqualität bietet.“