Nationaldenkmal als Weltkulturerbe?

Die Befreiungshalle von Leo von Klenze auf dem Michelsberg bei Kelheim zählt zu den bedeutendsten Bauwerken des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Nun widmet sich eine Ausstellung vor Ort mit Exponaten des Architekturmuseum München dem Bauwerk.

 

König Ludwig I. von Bayern wollte ein nationales Denkmal zum Andenken der deutschen Befreiungskriege gegen Napoleon. Zwischen 1842 und 1863 ließ über der Donau und der Altmühl bei Kelheim eine riesigen Kuppelsaal errichten.

Die TU München dokumentiert nun im Archäologischen Museum in Kelheim die Entstehungsgeschichte anhand von Originalskizzen und extra angefertigten Modellen. Ludwig I. hatte für den Bau den Architekten Friedrich von Gärtner beauftragt (siehe Skizze links und Modell links unten), der aber 1847 während des Baus verstarb. Sein Erzrivale, Leo von Klenze, übernahm die Planung – und veränderte damit völlig Gärtners Entwurf. Anläßlich der Ausstellungseröffnung empfahl der Kurator Wilfried Nerdinger für das Monument bei der UNESCO den Titel Weltkulturerbe zu beantragen.

Die Befreiungshalle ist eines der großen, architektonisch konzipierten Nationaldenkmäler, in dieser Hinsicht nur vergleichbar mit dem Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig und dem Kyffhäuserdenkmal in Thüringen sowie der ebenfalls von Klenze errichteten Walhalla in Donaustauf bei Regensburg. Im Gegensatz zu den monumentalen, aus dem Geist des Wilhelminismus entworfenen Denkmälern, vertritt die Befreiungshalle – wie die Walhalla – einen Bautypus, der aus dem spezifischen Geschichtsverständnis Ludwig I. sowie in einem besonderen Bezug zur Landschaft gestaltet wurde.

Die erste Planung der Befreiungshalle stammt von Friedrich von Gärtner (1791–1847), dem Architekten des nördlichen Teils der Münchner Ludwigstraße und des Schlosses in Athen (heute Parlamentsgebäude). Nach dessen Tod 1847 übergab Ludwig I. den Auftrag an Leo von Klenze (1784–1864), der den Bau nach seinen architektonischen Vorstellungen modifizierte. Die Befreiungshalle verbindet somit in einzigartiger Weise zwei der bedeutendsten deutschen Architekten des 19. Jahrhunderts. Baugeschichtlich nimmt die Befreiungshalle eine weitere Sonderstellung ein, denn sie zeigt eine von Klenze völlig eigenständig entwickelte Gestalt, die keinerlei Vorbilder in der Geschichte aufweist und einzigartig sein Spätwerk repräsentiert. Darüber hinaus entwarf Klenze einen eisernen Dachstuhl mit 36,60 Metern freier Spannweite nach den damals neuesten ingenieurtechnischen Kenntnissen, deshalb ist das Monument auch ein wichtiges baukonstruktives Denkmal. Da die meisten Werke Klenzes in Deutschland im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurden, ist besonders hervorzuheben, dass die Befreiungshalle noch vollkommen authentisch erhalten ist und ihr somit auch in dieser Hinsicht herausragende bauhistorische Bedeutung und Einzigartigkeit zukommt.

 

Die Ausstellung wird vom 9. August bis zum 27. Oktober 2013 anlässlich des 150. Jahrestages der Eröffnung der Befreiungshalle im Jahr 1863 im Archäologischen Museum der Stadt Kelheim gezeigt. Erstmals wird die gesamte Planung von Gärtner und Klenze mit allen wichtigen originalen Zeichnungen und Plänen präsentiert und somit die Baugeschichte schrittweise nachvollziehbar gemacht. Der ursprüngliche Entwurf Gärtners gewinnt in einem eigens angefertigten Modell neue Anschaulichkeit. Exponate und Archivalien zu Grundsteinlegung und Einweihung sowie zur Auseinandersetzung zwischen dem königlichen Bauherren und seinen beiden wichtigsten Architekten ergänzen die umfassende Darstellung von Planung und Bau der Befreiungshalle.

Eine Ausstellung des Architekturmuseum der TU München im Archäologischen Museum der Stadt Kelheim.

 

 

Die Befreiungshalle in Kelheim

Vom Nationaldenkmal zum Erbe der Welt

09.08.2013 - 27.10.2013

Archäologisches Museum Kelheim

Lederergasse 11,

93309 Kelheim

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 –17.00 Uhr

 

Weitere Informationen:

Archäologisches Museum Kelheim: Die Befreiungshalle

 

 

Bilder: Leo von Klenze: Befreiungshalle in Kelheim © Staatliche Graphische Sammlung München; Friedrich von Gärtner, Entwurf der Befreiungshalle im "römischen Stil", 1838/1840, © Architekturmuseum der TU München; Modell der Befreiungshalle nach dem Entwurf Friedrich von Gärtners, 2013, © Architekturmuseum der TU München; Blick in die Befreiungshalle, 2000, Foto: Klaus Kinold, © Architekturmuseum der TU München