Baumeister der Demokratie

Günter Behnisch galt als einer der wichtigsten Vertreter der modernen Architektur in Deutschland und als „Verfechter des demokratischen Bauens ohne jede Status- und Machtsymbolik. Die von ihm geschaffenen Gebäude, bei denen er „Freiheit in gläsern-luftige Formen“ brachte, prägten das Bild der Bundesrepublik Deutschland in der Welt.

 

Hierzu trug insbesondere das von der Architektengruppe Olympiapark im Büro Behnisch & Partner anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1972  von 1967 bis 1972 erstellte Olympiagelände in München bei, wo das von Frei Otto für die Weltausstellung 1967 in Montreal konzipierte „schwebende Dach“ weiterentwickelt wurde. Bekannt wurde das Büro auch mit dem Auftrag des 1992 fertiggestellten neuen Plenarsaal des Deutschen Bundestags in Bonn in bei. Heute tragen zwei Architekturbüros den Namen Behnisch: Behnisch & Partner und die von seinem Sohn Stefan gegründete Behnisch Architekten.

 

Leben

Günter Behnisch wurde am 12. Juni 1922 in Lockwitz bei Dresden geboren. 1934 zog die Familie nach Chemnitz um. Noch keine 18 Jahre alt, wurde er 1939 eingezogen. Während des Zweiten Weltkriegs war Behnisch U-Boot-Kommandant und geriet in britische Kriegsgefangenschaft. 1947 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er von 1947 bis 1951 an der technischen Hochschule Stuttgart Architektur studierte. Anschließend arbeitete er von 1951 bis 1952 im Architekturbüro von Rolf Gutbrodt in Stuttgart.

1952 gründete Behnisch in Stuttgart sein eigenes Büro, das er bis 1956 mit Bruno Lambart betrieb. 1966 wurde die Architektengruppe Behnisch & Partner gegründet, die Behnisch unter wechselnden Namen. Zu den Partnern gehörten Winfried Büxel und Erhard Tränkner sowie Fritz Auer und Carlo Weber, die 1979 ihr eigenes Büro Auer + Weber gründeten. Manfred Sabatke kam 1970 hinzu. Das Büro besteht bis heute. 1989 gründete sein Sohn Stefan Behnisch ein Zweigbüro in Stuttgart, das 1991 eigenständig wurde und inzwischen unter dem Namen Behnisch Architekten weltweit agiert. Von 1967 bis 1987 war Günter Behnisch ordentlicher Professor für Entwerfen, Industriebau und Baugestaltung an der Technischen Universität Darmstadt sowie gleichzeitig Direktor des dortigen Instituts für Normgebung. 1982 wurde Behnisch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. 1996 wurde er zum Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste berufen, deren Klasse Baukunst er bis 2000 leitete. Günter Behnisch war verheiratet und hatte zwei Töchter und einen Sohn. Er starb am 12. Juli 2010 in Stuttgart.

 

Bauten für die Olympiade 1972 in München

Für die Olympiade 1972 wurde Mitte der sechziger Jahre das Gebiet des so genannten Oberwiesenfeld umgestaltet. Dem Projekt war ein Planungswettbewerb unter dem Vorsitz des Architekten Egon Eiermann vorausgegangen. Eiermann war es vor allem zu verdanken, dass die Jury sich für den Entwurf von Behnisch und Frei Otto mit der charakteristischen Zeltdachkonstruktion entschied. Auf dem Oberwiesenfeld waren nach dem Krieg die Trümmer der Stadt durch den Bombenkrieg zu riesigen Schuttberge aufgeschüttet worden. Daraus wurde eine von dem Landschaftsarchitekten Günter Grzimek entworfene Parklandschaft mit den harmonisch eingebetteten Sportbauten erstellt. Durch die Einbettung in die künstlichen Geländemulden treten die Gebäude in ihrer tatsächlichen Größe nicht voll in Erscheinung.

 

Stadion

Weltweite Bekanntheit ereilte die Olympiabauten durch das verbindende transparente Zeltdach. Sportstadion, Olympiahalle und Olympiaschwimmhalle wurden unter einem 34.500 Quadratmeter großen Dach aus Acrylglas zusammengefasst. Behnisch entwickelte die Idee zusammen mit dem Stuttgarter Architekten Frei Otto. Das Dach ist auf einer Seilnetzkonstruktion angebracht, das von zwölf rückverankerte Stahlpylonen gehalten wird. Diese Masten stehen auf beweglichen Gummitopflagern und Stahlbetonfundamenten.

 

Olympiahalle

Die Olympiahalle ist eine Sport- und Mehrzweckhalle nordöstlich des Olympiastadions. Das Fassungsvermögen beträgt 12.150 Sitzplätze bei bestuhlter Arena beziehungsweise bis zu 14.000 Plätze bei unbestuhlter Arena. In der nacholympischen Nutzung fanden und finden hier neben Sportveranstaltungen auch zahlreiche Veranstaltungen aus dem Bereichen Show und Kultur statt. In den vergangenen Jahren wurde die Olympiahalle von Auer + Weber + Assoziierte saniert und durch gastronomische Einrichtungen erweitert.

 

 

 

 

 

 

Olympiaschwimmhalle

Wie bei der Olympiahalle bestärkt eine von Außen ins Innere übergehenden Boden aus Pflastersteinen den fließenden Übergang von Außen und Innen. Die seitliche Raumabschlüsse stehen jedoch unabhängig von dem Dach, um Temperatur- und Windschwankungen der Dachfläche auszugleichen.

 

 

 

 

 

 

 

Bundestag in Bonn (1973-1990)

1986 entschied sich der Bundestag nach jahrzehntelangen Diskussionen und einer Vielzahl immer wieder verworfener architektonischer und städtebaulicher Entwürfe – unter anderem von Egon Eiermann und Sep Ruf – zu einem Neubau des Plenarsaals. Trotz intensiver gegenteiliger Bemühungen der Denkmalpflege, einer Reihe von Politikern und engagierten Bürgern und einer Reihe von Gutachten, die den Altbau als sanierungsfähig darstellten, wurde der inzwischen denkmalgeschützte Plenarsaal Schwipperts abgerissen. Mit Entwurf, Planung und Ausführung des Neubaus wurde Behnisch & Partner beauftragt, das bereits 1973 den entsprechenden Wettbewerb gewonnen hatte. Die Bauarbeiten für den neuen Plenarsaal (Baukosten: etwa 120 Millionen Euro) begannen 1988, 1990 war das Gebäude weitgehend fertiggestellt. Am 30. Oktober 1992 fand die erste Sitzung im neuen Parlamentsgebäude statt. Am 20. Juni 1991 beschloss der Deutsche Bundestag, seinen Sitz nach Berlin zu verlegen. Am 1. Juli 1999 fand mit der Vereidigung des Bundespräsidenten Johannes Rau die letzte Sitzung des Parlamentes in Bonn statt.

Am 29. Oktober 1999 wurde der Plenarsaalbau der Bundesstadt Bonn übergeben, um das Gebäude für das Internationale Kongresszentrum Bundeshaus Bonn (IKBB) zu nutzen. Den Kernbereich des Bundeshauses, vormals ebenfalls durch den Deutschen Bundestag genutzt, übernahmen Organisationen der Vereinten Nationen (UN). Das Plenum des Bundeshauses wird nun über ein neuerrichtetes Foyer und einen Tunnel mit dem Erweiterungsbau des World Conference Center Bonn verbunden sein. Damit wird sich die Größe des Gesamtkomplexes in etwa verdoppeln.

Der Plenarsaal kann außerhalb der Kongressnutzungszeiten besichtigt werden. Das Plenum hat eine Grundfläche von 1230 Quadratmeter. Das Gebäude sollte dem Geiste der Bundesrepublik folgend Transparenz, Bürgernähe und Bescheidenheit ausdrücken: Alle Bereiche des Glas- und Stahlgebäudes sind einsehbar, es gibt keine einzige durchgehende Wand. Die aus statischen Gründen unvermeidlichen Betonwände sind durch großflächige Kunstwerke kaschiert.

 

 

 

 

 

 

Behnisch Architekten

Das Stuttgarter Büro Behnisch Architekten wurde 1989 von Stefan Behnisch (*1957)  als Zweigbüro von Behnisch & Partner, dem Büro seines Vaters Günter Behnisch, gegründet. Stefan Behnisch, der in München Volkswirtschaft und Philosophie und dann an der Technischen Universität in Karlsruhe Architektur studiert hatte, legt besonderen Wert auf Nachhaltigkeit in Architektur und Design.

1991, zwei Jahre nach der Gründung, wurde das Büro unabhängig und begann, Projekte nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland zu realisieren. 1999 wurde ein weiteres Büro in Los Angeles, Kaliforniengegründet, 2007 eines in Bosten, Massachusetts. Partner des internationalen und international ausgerichteten Büros sind David Cook, Martin Hassa, Robert Hösle, Christof Jantzen, Robert M. Noblett und Stefan Rappold.

Seit 2005 firmiert das Büro als Behnisch Architekten. Vorherverwendete Namen spiegelten die jeweiligen Partnerschaften wider, zum Beispiel Behnisch, Behnisch & Partner. Geleitet wird das Büro von Stefan Behnisch, David Cook und Martin Haas, die Büros in den USA – Behnisch Architects, Inc. in Los Angeles und Behnisch Studio East in Boston – von Stefan Behnisch und Christof Jantzen. Zu den bekannten Arbeiten in Deutschland gehören das Ozeaneum in Stralsund (Bild oben links)  sowie die Firmenzentrale von Unilever Deutschland und der Wohnturm Marco Polo Tower in der Hamburger HafenCity (beide auf Bild rechts). Im süddeutschen Raum erstellte das Büro   die Werner-von-Linde-Halle im Olympiapark in München, die Therme in Bad Aibling  und das Quest Forum in Kolbermoor. 

 

 

 

 

Werner-von-Linde-Halle

Gegenüber dem Olympiastadion in westlicher Richtung gelegen diente die Werner-von-Linde-Halle während der Olympischen Spiele den Leichtathleten zum Aufwärmen. Daher ist sie mit dem Olympiastadion durch einen Tunnel verbunden. Nach den Olympischen Spielen wurde die Werner-von-Linde-Halle weiterhin als Leichtathletik-Trainingshalle, für regionale Leichtathletik-Wettkämpfe und als Ausstellungs- und Kongresshalle genutzt. 2006 wurde die olympische Halle zu einer den derzeitigen Anforderungen entsprechenden Leichtathletik-Trainingshalle für den Olympiastützpunkt Bayern umgebaut. Am 20. Januar 2007 wurde die Halle wieder eröffnet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen

 

Gibt es unter der Internetseite von Behnisch Architekten.