Ein Spiegel für den Tower

Der Bauträger Wöhr + Baur will für das Medizintechnikunternehmen Brainlab in der Messestadt Riem am ehemaligen Flugtower einen neuen Firmennsitz bauen. Das Aachener Büro kadawittfeldarchitektur hat mit einem Entwurf der sich durch hohe Transparenz auszeichnet, den ersten Preis gewonnen.

 

Wo früher Fluglotsen Start und Landungen beobachteten, soll nun eines der letzten Baufelder in der heutigen Messestadt Riem geschlossen werden. Drei Ausschreibungen in den Jahren 1995, 2006 und 2009 hatten keine ernsthaften Interessenten für eine Entwicklung des Grundstücks erbracht. Auch nach der letzten Ausschreibung hatte das Kommunalreferat weiter viele Gespräche mit potentiellen Investoren geführt.

Vergangenen Jahres wurde dann endlich einen Käufer für das Grundstück gefunden. Mit dem Bauträger Wöhr + Baur konnte die Stadt München einen erfahrenen Projektentwickler finden, der bereits ist die Risiken für die Entwicklung der Tower-Liegenschaft am Einfahrtsbereich des ehemaligen Flugtower zu übernehmen. Auf dem 13.566 Quadratmeter großen Areal soll das neue Headquarter für die Brainlab AG, einen Technologieführer im Bereich bildgebende Medizintechnik. In Abstimmung der Stadt München lobte Wöhr + Baur einen Wettbewerb aus, an dem sich neun Architektenbüros mit Landschaftsarchitekten beteiligten. Der ersten Preis gewann das Aachener Büro kadawittfeldarchitektur mit den Kölner greenbox Landschaftsarchitekten (siehe Rendering, Bild links).

Bei der Präsentation lobte Susanne Ritter vom Planungsreferat am Siegerentwurfs den freigestellten Tower, die doppelte Glasfassade als Kontrast und neutraler Rahmen und die Freiflächen als schlüssige Fortentwicklung zum Messevorfeld. Die Aufgabenstellung war: Wie kann man ein Baudenkmal bewahren und in das Neue hinüberretten? „ Dieser Planungsvorschlag macht es auf vorbildliche Weise: durch eine ausdrückliche Geste, die für das historische Bauwerk eine Bühne bereitet“, so das Preisgericht. Die konsequente Freistellung des Towers überzeuge ebenso wie der Erhalt des Treppenhauses (des Towers) und der sensible Umgang mit dem Raumangebot.

Die Doppelfassade im Eingangsbereich sollte für die Repräsentanz des Hauses stehen – die große, rahmenlose Verglasungen lassen dabei einen Einblick in die Arbeitswelt zuzulassen. „Dieser Entwurf besticht durch seine einmalige Fassadengestaltung, welche die Dynamik und Kreativität des Unternehmens ideal widerspiegelt. Ich freue mich sehr, dass die Stadt den Weg für ein derartiges Konzept geebnet hat“, erklärt Stefan Vilsmeier, CEO der Brainlab AG. Die Fläche kann als als eine Projektionsfläche („screen“) genutzt werden, die aber eine gesonderte Genehmigung bedarf. „Das Thema Wasser wird in der Fassade durch Spiegelungen aufgegriffen. So wird der Tower in der Blickachse regelrecht zelebriert“, so die Jury.

Bereits mit anderen Gebäuden hat kadawittfeldarchitektur Firmengebäude durch eine transparente Gestaltung gläserner Fassaden und Zugangswege in den öffentlichen Raum einbezogen. Beispielhaft dafür ist die der Aachener Münchner in Aachen, aber auch das headqurter der Patrizia AG in Augsburg.

Den zweiten Preis erhielten die Münchner Allmann Sattler Wappner Architekten mit t17 Landschaftsarchitekten mit einem Entwurf, der bei dem Gebäude Einbuchtungen und eine eine klare, mit rechteckigen Fenstern unterteilte Fassade vorsieht (siehe Rendering links). Der Bau nach diesem Entwurf hätte von der Formensprache auch gut in den Stadtteil gepasst. Das Münchner Büro hat unter anderem die Riem Arcaden gestaltet und kennt das Quartier entsprechend gut. Das Preisgericht lobte besonders das Lochfassadenkonzept, das Alt und Neu als Ganzes zusammenfügt. Die Anordnung der vertikalen Fenster mit versetzten Fensterlaibungen erzeuge eine sehr subtile Dynamik. Verstärkt wird diese Anmutung noch durch verschiedene Oberflächen – von matt bis reflektierend. Die Fassade tritt damit in einen spannungsvollen Dialog mit dem historischen Tower. Wenig Gegenliebe fand dieser Entwurf wiederum bei den Denkmalschützern. Durch den Abbruch von Treppenhaus und Decken wäre der Tower so entscheidend geschwächt worden, „dass dies zum Verlust der Denkmaleigenschaft führen könnte“, heißt es im Urteil des Preisgerichts. Auch die Idee im Außenbereich eine leichte Schräge einzubauen, fand wenig Anklang. Die Preisrichter befürchteten eine unglückliche Einengung im Ankunftsbereich.

 

Der dritte Preis erhielten die Münchner Palais Mai Architekten mit Lohrer Hochrein Landschaftsarchitekten, der viel Interesse während der Vorstellungsrunde weckte. Die positive Reaktion der Betrachter wurde gefördert durch die Leidenschaft, mit der Architekt Peter Scheller die Ideen seines Büros skizzierte. „Hallo und Wiedersehen“ sei das Motto des Fassadenentwurfs, erläuterte Architekt Scheller. Ein Entwurf, der sich durch eine mutige Fassadengestaltung hervor tat. „Wir haben schon gemerkt, dass wir uns mit unserem Entwurf bei den Denkmalschützern nicht viele Freunde gemacht haben“, sagte Scheller bei der Erläuterung der komplex konstruierten Fassade. Vorgehängte Aluminiumkastenelemente mit Prallscheiben sollten die alte Towerkanzel zitieren und der Fassade durch ihre unterschiedlich ausgerichtete Winkelgeometrie eine hohe Plastizität verleihen. Der landschaftsgestalterische Entwurf sah einen offenen Bereich zum See vor. Doch die Ausgestaltung der Fassade mit dunkel gehaltenen Metallelementen schien einigen der Jury-Mitglieder aber doch zu düster erschienen sei. Ein weiteres Handicap: Die erwarteten baulichen Kosten für diese Idee seien zu hoch erschienen.

 

Nachdem die Entwürfe bereits im Bauzentrum in Riem zu sehen waren, sollen sie