Der letzte Garten: Bauwerke des Abschieds

Den Menschen ist es ein tiefes Bedürfnis, einen konkreten Ort und eine bestimmte Form des Totengedenkens zu haben. Die Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst zeigt vorbildliche Friedhofsanlagen von Gesstaltern wie Bernardo Bader, Gion Caminada und Günther Vogt.

 

Immer wieder sind Künstler und Architekten gefragt, diese Orte des Abschieds neu zu gestalten, damit sich Trauer und Trost annähern können.
 Der Umgang mit dem Tod unterliegt im 21. Jahrhundert einem allgemeinen gesellschaftlichen – und kulturellen – Wandlungsprozess. Eine Gedenkstätte kann für jedermann zugänglich im Internet eingerichtet werden oder sich in Form eines Friedjuwels nur einem kleinen Kreis erschließen.

Die Ausstellung „Der letzte Garten“ gibt, mittels Fotografien und Modellen, Einblicke in die Umgestaltung christlicher Friedhofsanlagen und deren Erweiterung durch Krematorien und Urnenwände, die die Bedürfnisse der Bestattungskultur widerspiegeln. Die unterschiedlichen Friedhofskulturen legen Zeugnis von der Gesellschaft und der Religionszugehörigkeit ab. Als Antwort auf die kulturelle Vielfalt in Europa werden die muslimische und die jüdische Friedhofskultur exemplarisch vorgestellt.

Die für die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst zusammengestellten Projekte zeichnen sich durch eine hohe Sensibilität gegenüber der Tradition, dem Bestand und der gegenwärtigen Trauerkultur aus. Das Projekt einer Totenstube in Vrin (Bild links) des Architekten Gion A. Caminada entstand 2002 aus dem Bedürfnis der Dorfbevölkerung, die Toten nicht mehr wie bisher in der eigenen Wohnung aufzubahren. Mit der Totenstube wurde eine überzeugende Lösung für die Bauaufgabe „Aufbahrungshalle“ gefunden, denn der Bau ist das Ergebnis der Auseinandersetzung mit dem Ritual des Trauerns.

Günther Vogt schaffte es mit dem Pflanzen einer Linde auf dem Friedhof Steckborn am südlichen Bodensee, an das Dorfleben anzuknüpfen. Denn eine Linde dominiert die Mitte des Dorfplatzes und ist ein Sinnbild des profanen Lebens. Sie fasst die Gräberfelder neu und umrankt als Spalier die neu geschaffene Urnenwand Bild links unten).

Bernardo Bader und Rene Bechter erreichten 2005 durch die Umstrukturierung des kirchlichen Friedhofs in Krumbach, Vorarlberg, nicht nur einen schlüssig integrierten Bereich für neue Urnengräber, sondern öffneten den Friedhof auch zur Landschaft. 

Der durch die Architekten Gunnar Asplund und Sigurd Lewerentz zwischen 1917 und 1940 errichtete „Skogskyrkogården“ umschließt das neue, 2013 von Johan Celsing erbaute Krematorium. Mit der Projektidee „A Stone in the Forest“ ist Celsing eine großartige Erweiterung des Friedhofs gelungen.

Das neue Krematorium im Waldfriedhof in Duisburg wurde 2002 von Jutta Heinze konzipiert. Es macht einen bewussten Umgang mit dem Tod räumlich erlebbar. Die alte Trauerhalle bildet gemeinsam mit dem Ehrenhof den baulichen Mittelpunkt des Gebäudes.

Angesichts des mehrfach ausgezeichneten islamischen Friedhofs von Bernardo Bader in Altach, Vorarlberg (siehe Aufmacherbild ganz oben und Bild links daunter), war die Auswahl nicht schwierig, denn dieses Projekt zeichnet sich nicht nur durch eine gute Architektur aus, sondern ist auch der Beweis für eine produktive und sensible Zusammenarbeit, die einen wichtigen Ort für Muslime in Österreich ermöglichte.

In den letzten beiden Jahrzehnten wurden im deutschsprachigen Raum keine neuen Friedhöfe oder Trauerhallen mehr gebaut, die über ihre Funktion hinaus eine große Beachtung erfahren haben.

Die Ausstellung zeigt daher bedeutende jüdische Begräbnisstätten in Deutschland. Unabhängig von ihrer konfessionellen Ausrichtung ist allen Bestattungsstätten gemeinsam, dass Friedhöfe als die ersten Gärten angesehen werden können und zugleich die letzten Gärten sind, die den Menschen dienlich sind. Durch die Schönheit der Architektur hoffen wir auf eine neugierige Annäherung an dieses Thema.

Benita Meißner

 

Der letzte Garten – Bauwerke des Abschieds

mit Beiträgen von Bernardo Bader, Rene Bechter, Gion A. Caminada, Johan Celsing, Jutta Heinze, Günther Vogt

Ort: Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst (DG-Galerie), Türkenstraße 16, Hochparterre links, München

Zeit: Ausstellung: bis 29. August 2015; Sommerpause: 3. bis 14. August 2015

Weitere Informationen:

DG-Galerie: Der letzte Garten

 

Bilder: Muslimischer Friedhof, Altach – Fotografie Böhringer Friedrich; Urnenwand im Friedhof Steckborn – Fotografie Günther Vogt; Totenstube in Vrin – Fotografie Adrian Michael