Meister des Ziegels

Mitte Februar wurde im Münchener Haus der Architekten erstmals der Deutsche Ziegelpreis vergeben. Das Ziegel-Zentrum Süd e.V. hatte den Preis in Zusammenarbeit mit dem Bundesbauministerium, der Bayerischen Architektenkammer sowie weiteren Partnern und Sponsoren mit einer Preissumme von insgesamt 20.000 Euro bundesweit ausgelobt. 



 

Die Jury unter Vorsitz von Georg Sahner wählte aus über 50 eingesandten Bauwerken Gebäude aus Ziegel, die in erster Linie energetisch vorbildlich ausgeführt wurden sowie gestalterisch besonders überzeugten. Von den über 50 eingereichten Arbeiten vergab die Jury einen Hauptpreis, sechs Anerkennungen und zwei Nachwuchspreise.


Hauptpreis für Wohnhaus Berner in Stuttgart

Christine Remensperger, Architektin aus Stuttgart, ist die Gewinnerin des mit 5000 Euro dotierten Hauptpreises des Architekturwettbewerbs. Ein unprätentiöses und doch nobles Wohnhaus im historischen Kontext des Ortsteils Rotenberg in den Weinbergen am Rande von Stuttgart ging bei der Jurysitzung am 28. Oktober als Sieger hervor. Johannes Edmüller, Vorstandsvorsitzender des Ziegel Zentrum Süd, überreichte der erfolgreichen Architektin die Siegerprämie und beglückwünschte sie zu der bemerkenswerten Angemessenheit der Mittel, die zum Entstehen dieses subtilen, massiven Ziegelhauses führte, das Energieeffizienz und gestalterische Ausdruckskraft überzeugend vereint.

Nachwuchspreise für experimenta in Heilbronn und Education Center in Ruanda Einen dieser Nachwuchspreise mit je 3000 Euro erhielt das junge Architekturbüro studioinges aus Berlin für ihre gelungene architektonisch-gestalterische Leistung bei der Planung und Umsetzung ihres Wettbewerbserfolges für das Science-Center experimenta im Binnenhafen von Heilbronn. Hier wurde ein historischer Ölsaatenspeicher mit seiner unverwüstlichen Klinkerhülle saniert, um einen Neubau ähnlicher Höhe und Hüllkonstruktion erweitert und mit modernem, leuchtend grünem Innenleben an der Schnittstelle der beiden Bauteile zu einem Synonym für einen erfolgreichen Neuanfang in der ehemaligen Industriebrache ausgestattet.

Der zweite Nachwuchspreis ging nach München an den Architekten Dominikus Stark und sein Team, dem mit seinem Education Center in Ruanda ein überaus beeindruckendes Gebäudeensemble mit bestechend einfachem Materialkonzept gelang. Regional hergestellte Ziegelsteine als dominierendes Baumaterial in ihrer sehr überzeugenden Kombination mit Papyrusgeflecht für die Schatten spendenden Schulungsräume eines Low-Tech-Ausbildungszentrums, die gekonnt um einen ruhigen Hof gruppiert sind. Eine in vielerlei Hinsicht herausragende Leistung, der mit diesem Nachwuchspreis verdientermaßen eine weitere Ehrung zuerkannt wird.

 

Sechs Anerkennungen 

Sechs Anerkennungen wurden an Architekturschaffende aus ganz Deutschland verliehen. Prof. Hans Klumpp aus Stuttgart nahm eine der mit je 1500 Euro dotierten Anerkennungen für das Wohnhaus des Ehepaars Cammerer in Adelberg entgegen. Das eigenwillige, erdfarbene Ziegelhaus wurde von der Jury als dringend notwendiger Beitrag zum demografischen Wandel gesehen, der durch die Nutzungsvariabilität dieses kompakten Wohnhauses zum Tragen kommt. Zudem nimmt die Heizungsanlage des Hauses an einem bundesweiten Praxistest für Brennstoffzellen-Heizgeräte teil.

Das Atelier Lüps aus Schondorf (Bild links), der zweite Anwärter für eine Anerkennung, bietet sowohl in seiner Erscheinung als auch bezüglich des Energiekonzepts einen ganz anderen Denkansatz. Eine an drei Seiten weitestgehend geschlossene, speicherfähige, massive Ziegelhülle, innen sichtbar und hervorragend verarbeitet, wird an der Südseite durch eine gläserne Doppelfassade geschlossen. Das komplexe Innenleben des Ateliers entwickelt sich über drei Ebenen, gekrönt von einer Wohnung mit großzügiger Dachterrasse.

 

Die Architekten Neumeister & Paringer aus Landshut freuten sich über eine Anerkennung für den kleinen Neubau eines Pfarramtes (Bild links)  für die Erlöserkirche aus dem Jahr 1963 von Architekt Hans Döllgast in Landshut. Das schmale Bürogebäude wurde von der Jury als anspruchsvolles, hochwertiges Verbindungsglied zwischen den bestehenden kirchlichen Bauten eingeschätzt. Die ungewöhnliche Kombination von tragender, hochwärmedämmender Ziegelkonstruktion mit einer sehr ansprechend gestalteten Hülle aus Klinker, ohne Zusatzdämmung verarbeitet, war viel diskutiert und wurde als sehr interessanter, vollwertiger Beitrag zu diesem Wettbewerb gesehen.

Eine weitere Anerkennung ging an die Architekten MGF aus Stuttgart für das Unterkunftsgebäude für den offenen Vollzug der JVA in Berlin-Zehlendorf (Aufmacherbild ganz oben). Es erinnert durch seine ausgesprochen qualitätvoll ausgeführte Fassade aus Kohlebrand-/Wasserstrichziegel, kombiniert mit mehrfach nutzbaren, schmalen Drehläden aus Metall, eher an Klassiker der Ziegelbauweise von Heinz Bienefeld denn an Vollzug bedingte Kargheit.

 

Zwei Anerkennungen wurden an das Architekturbüro Andreas Meck aus München verliehen. Zusammen mit seinem Team wurde er für das Dominikuszentrum im Münchner Norden und für St. Nikolaus in Neuried bei München geehrt. Die Jury kam einstimmig zu dem Schluss, dass die architektonische Gesamtkomposition des Dominikuszentrums, die Ausgestaltung seiner Details und das anspruchsvolle, künstlerische Gestaltungskonzept sich hier zu bedeutenden Interpretationen des Themas „sakraler und sozialer Mittelpunkt“ zusammengefunden haben. Der Architekt Andreas Meck hat durch seinen meisterhaften Umgang mit den wesentlichen Elementen der Architektur ein Zeugnis für die Zeiten überdauernde Baukultur geschaffen. Das Fazit für St. Nikolaus fiel nicht minder euphorisch aus: bei diesem Kirchenzentrum handelt es sich um ein weiteres, souverän und sensibel gemeistertes Exponat im Oeuvre dieses Architekten! Die beiden Anerkennungen gesellen sich zu einer ganzen Anzahl Preise, die diese beiden Bauten bisher sehen.

Die Ausstellung zum Deutschen Ziegelpreis befindet sich im Foyer des Hauses der Architektur der Bayerischen Architektenkammer ist dort bis zum 16. März der Öffentlichkeit zugänglich.

 

 

 

Ausstellung Deutscher Ziegelpreis

Haus der Architektur

Waisenhausstraße 4

bis zum 16.03.2012