Überblick über Deutschlands Architektur-Elite

Das Architektur Jahrbuch 2011/2012 gibt einen Überblick über wichtige architektonische Arbeiten in Deutschland. Auch München ist mit einem Gebäude vertreten. 

 

Jedes Jahr veröffentlicht das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt ein Jahrbuch: "Es zeigt einen vielseitigen Querschnitt der besten Bauten, die kürzlich in Deutschland realisiert wurden“, so der Anspruch der Herausgeber, Christina Gräwe und Peter Cachola Schmal, Kuratorin und Direktor des DAM.

Besprochen und in schönen Fotografien vorgestellt werden auch im „Deutschen Architektur Jahrbuch 2011/12“ 23 Bauten im In- und Ausland. Den Auftakt macht das von dem Berliner Büro der Basler Architekten Diener & Diener gestaltete Museum für Naturkunde in Berlin. Die Wiederherstellung des Museums, bis dahin „Berlins letzte Kriegsruine“ bezeichnet Schmal mit Blick auf die Betonrekonstruktion der Ostfassade als „neuen Klassiker für den Umgang mit dem Bestand, wie ihn schon Hans Döllgast vor 54 Jahren mit dem Wiederaufbau der Alten Pinakothek in München geschaffen hat“. Die dahinter befindliche Nass-Sammlung aus 270.000 Gläsern der mit in Alkohol eingelegten Tierpräparaten ist eine interessante, wenn auch etwas morbide Präsentation.

Auch München ist im Jahrbuch mit einem Gebäude vertreten. Die von den Architekten Fink + Jocher entworfene Grundschule in der Helsinkistraße in Riem wurde aus vorgefertigten L-förmigen Betonelementen in einer Bauzeit von nur zwölf Monaten fertiggestellt. Das Gebäude zeichnet sich äußerlich durch die ocker, rostfarben und rot gefärbten Betonteile und durch eine weiße Attika aus. Das Gebäude wird durch Innenhöfe aufgelockert, die weite Dachplatte und ein ausgefeiltes Tragsystem erlaubt eine flexible Raumeinteilung.

 

Vorgestellt werden unter anderem auch ein von Stefan Forster zu einem eleganten Wohngebäude umgewandeltes ehemaliges Bürohochhaus in Frankfurt  und das Steinskulpturenmuseum des Japaners Tadao Ando in Bad Münster. "Von weitem hatte man tatsächlich einen Augenblick geglaubt, hier stünde nichts weiter als eine der ortsüblichen Fachwerkscheunen herum – so selbstverständlich fügt sich die Architektur in eine Landschaft, in der sich das Liebliche mit dem Monumentalen kreuzt", beschreibt Sandra Danickedas Steinskulpturenmuseum, dass der weltberühmte Japaner für die Fondation Kubach Wilmsen in dem kleinen Dorf Bad Münster entworfen hat. Ando verbindet hier in einer großartigen Umgebung deutsche Baukunst mit seinem typischen Stil. "Minimalistische Betonarchitektur trifft hier nahezu unvermittelt auf traditionelles Handwerk." 

Man kann darüber streiten, ob die besprochenen Werke die Besten sind. Das Buch bietet aber einen guten Querschnitt wichtiger Bauten in einer optisch ansprechenden Darstellung.

 

 

Deutsches Architektur Jahrbuch 2011/12. Peter Cachola Schmal, Christina Gräwe;  Prestel Verlag; 218 Seiten; 39,95 €