Brooklyn in Berg am Laim

Die Quartiersplanung für Die Macherei nehmen durch die Entwürfe von HWKN Hollwich Kushner, MSM Meyer Schmitz-Morkramer und OSA Ochs Schmidthuber Form an. Ein spannender Mix aus Industrie-Loft, der Farbgebung der Münchner Bauten und unterschiedliche Stile erzeugen eine Spannung in der Architektur.

 

Früher wurden aus dem Lehm in Berg am Laim Ziegel für den Bau der Frauenkirche gebrannt. Nun haben sich die Architekten eines aktuellen Großprojekts von der Ziegelbauweiseinspirieren lassen.

Die Bauherren Art-Invest Real Estate und Accumulata wollen mit "Die Macherei“ ein Quartier mit 64.000 Quadratmeter Gesamtmietfläche errichten. Den Kauf des brachliegenden Temmler-Areals zwischen Berg-am-Laim-Straße 87 bis 99 im Stadtteil Echarding des Stadtbezirk Berg am Laim hatten Art-Invest Real Estate und Accumulata Immobilien Anfang Oktober 2015 bekanntgegeben.    

Im ausgelobten Architektenwettbewerb entschied sich die Jury unter Vorsitz von Fritz Auer für einen Entwurf mit sechs Gebäuden, die Büros, Einzelhandelsflächen und Hotels  miteinander kombinieren. „Wir haben uns für drei Architekturbüros entschieden, weil wir eine vielfältige, komplementäre und nachhaltige Architektur schaffen wollen“, so Ferdinand Spies, Geschäftsführer der Art-Invest.

Durch unterschiedliche Höhen und Formen der einzelnen Gebäude sowie mit farblich und materiell differenziert gestaltete Fassaden soll eine Spannung in der Architektur erzeugt werden. Hinzu kommt die eigene Architektursprache der drei Büros, die jeweils einen anderen Bereich des Quartiers gestalten – und doch sich in der Gesamtplanung austauschen.

Die New Yorker Architekten HWKN Hollwich Kushner gestalten den östlichen Quartiersteil mit drei Gebäuden: Designhotel und einem Bürogebäude mit Fitnessbereich an der Berg-am-Laim-Straße sowie einem dahinterliegenden Hotel-Büro-Gebäude. Spektakulär ist die gefaltete Fassade des Designhotels mit einer Panoramabar mit Alpenblick auf dem Dach (Bild links). Der Entwurf konzentriert sich dabei vor allem auf den Raum zwischen den Gebäuden und schafft mit der dynamischen Fassadensprache einen besonderen Flair in das Quartier. Es ist der erste Arbeit des relativ jungen Architekturbüros in Deutschland, obwohl HWKN-Mitgründer und Geschäftsführer Matthias Hollwich in München geboren wurde und dort in der Fachhochschule Architektur studiert hatte.

Er arbeitete bei dem niederländischen Architekturbüro OMA von Rem Koolhaas und den amerikanischen Büros Eisenmann Architects sowie Diller+Scofidio, bevor er mit Marc Kushner , den er bei Jürgen Meyer kennengelernt hatte, das eigene Architekturbüro HWKN und die digitale Architekturplattform Architizer in New York.

An der westlichen Seite plant MSM Meyer Schmitz-Morkramer, Köln/Frankfurt, zwei Gebäude mit Loft-Büros und Einzelhandelsflächen. Mit einer vielschichtigen Verwendung von Materialien soll jedes einzelne Haus einen eigenständigen Charakter aufweisen und an die Loft- und Industriebauten der Gründerzeit erinnern. Beide Baukörper werden mit dem aufgestützten Verbindungsweg miteinander verbunden. „Dieser wird von uns aufgrund seiner eigenständigen Fassadenmaterialität und weil er auf Stützen steht „Nachtkastl“ genannt“, erläutert Guido Prummer, Vorstandsmitglied des Bauherrn Accumulata Immobilien. Das Team von MSM der Gründer und Gesellschafter Holger Meyer und Caspar Schmitz-Morkramer hat in Frankfurt (St. Martin Tower, Light Tower) und dem Rheinland (Coer Cologne, Cubes, Cäcilienstraße 10, New York – The Village) zahlreiche Bauten realisiert und hat in München Theresienhof entworfen.

Den dahinter befindlichen „Inkubator“ für Start-up-Firmen entwarfen die Münchner Architekten OSA Ochs Schmidhuber. Der untere Gebäudeteil mit Ziegelsteinfassade erinnert an eine historische Fabrik. Die geplante Klinkerfassade gilt als Reminiszenz an die früher in Berg am Laim angesiedelten Ziegelbrennereien. Im Inneren des Gebäudes sind Loft-Büros mit 3,50 Meter lichten Raumhöhen und freiliegenden, industriell anmutenden Leitungssystemen geplant. Darauf wird ein futuristischer Stahl- und Glasbereich aufgesetzt. Untergebracht wird im Inkubator mit 15.000 Quadratmeter Mietfläche außer Büro-Lofts ein Restaurant mit Freifläche auf dem zentralen Platz.

Der Inkubator ist nicht das einzige Ziegelgebäude, das OSA aktuell in Berg am Laim entwirft. So sind sie bereits in Planungen um das weiter westlich gelegene Werksviertel beim Ostbahnhof involviert.

Die Visualisierungen versprechen zumindest einen interessanten Mix aus Münchner, Kölner und New Yorker  Architektur.

Bildnachweis und -Rechte: Accumulata Immobilien / Art-Invest Real Estate