Pritzker Preis 2018 geht an indischen Architekten Balkrishna Doshi

Er arbeitete mit Le Corbusier und Louis Kahn. Später machte er sich mit seinen Bauten zum sozialen Wohnungsbau mit lokalen Kontext einen Namen. Nun erhielt der 90-jährige als erster Inder den renommierten Architekturpreis.

 

Am 7. März 2018 verkündete Tom Pritzker von der Hyatt Foundation die Vergabe des Pritzker Preises an Balkrishna Doshi.

„Professor Doshi has said that ‘Design converts shelters into homes, housing into communities, and cities into magnets of opportunities,” comments Mr. Pritzker. “The life’s work of Balkrishna Doshi truly underscores the mission of the Prize—demonstrating the art of architecture and an invaluable service to humanity. I am honored to present the 40th anniversary of this award to an architect who has contributed more than 60 years of service to us all.”

„Ich verdanke diesen angesehenen Preis meinem Guru, Le Corbusier. Seine Lehre führte mich die Identität zu hinterfragen und eine Architektur der neuen Regionalität mit einen zeitgemäßen Ausdruck für eine nachhaltige  Wohnwelt zu finden“, teilte Doshi dem „Guardian“ mit.

Mitarbeiter von Le Corbusier und Louis Kahn

Doshi wurde am 26. August 1927 in Pune, Indien in eine großen Hindu-Familie geboren, die seit zwei Generationen in der Möbelherstellung tätig war. Durch einen Schullehrer wurde er angeregt Architektur zu studieren. Er begann sein Studium im Jahr der Unabhängigkeit Indiens (1947) an der für das Architekturstudium ältesten und anerkanntesten Einrichtung, der Sir J.J . School of Architecture Bombay (Mumbai).

In Europa arbeitete er dann im Büro von Le Corbusier, für den nach seiner Rückkehr nach Indien ab 1954 die Bauleitung von Le Corbusier’s Projekte in Chandigarh and Ahmedabad übernahm, darunter das Mill Owner’s Association Building (Ahmedabad, 1954) sowie das Shodhan House (Ahmedabad, 1956).

1962 arbeitete Doshi als Teilhaber mit Louis Kahn am Bau des Indian Institute of Management, Ahmedabad, zusammen. Danach führten sie ihre Zusammenarbeit über ein Jahrzehnt weiter.

Doshis Architekturbüro Vastashila Consultants 

1956 hatte Doshi mit zwei Architekten sein eigenes Architekturbüro Vastushilpa gegründet. Vastushilpa Consultants wird mittlerweile von fünf Partner geleitet und beschäftigt 60 Mitarbeiter.  Seit der Gründung wurden über 100 Projekte verwirklicht.

Beeinflusst von der westlichen Architektur, hat Doshi später die künstlerische Vision einer östlichen eigenständigen Architektur entwickelt. Sie nimmt Bezug auf die fernöstliche Kultur und Natur und bezieht die Geschichte und Erinnerung der Vergangenheit mit ein.

So wurde sein Indian Institute of Management IIMB (siehe Bild oben links) , der 1977 bis 1992 nach seinem Entwurf in Bangalore enstand, von der indischen Tempelarchitektur beeinflusst. Mit dem Kamala House entstand ein Bauwerk, das durch die Farbgebung und Gestaltung noch von Le Corbusier beeinflusst scheint, aber schon auf der Suche nach einem eigenen von regionalen Traditionen getragenen Stil ist.

Sein persönlichstes Bauwerk, welches verschiedene Institutionen und Nutzungen miteinander verbindet, ist sein 1980 entstandenes eigenes Architekturstudio Sangath (siehe großes Bild oben) in Ahmedabad. Dazu Doshi:

„Sangath fuses images and associations of Indian lifestyles. The campus integrates, and memories of places visited collide, evoking and connecting forgotten episodes. Sangath is an ongoing school where one learns, unlearns and relearns. It has become a sanctuary of culture, art and sustainability where research, institutional facilities and maximum sustainability are emphasized.“ 

 

1986 wurde nach Doshis Plänen Vidhyadhar Nagar, eine Satellitenstadt für 350.000 Einwohner nahe der alten Stadt von Jaipur entwickelt. Dabei wurde Komponenten einer modernen Utopie mit antiken Hindu-Traditionen kombiniert.

Das bekannteste Werk von Doshi ist aber das Projekt zum sozialen Wohnungsbau, Aranya Low Cost Housing, das 1989 in Indore erbaut wurde. Diese Stadt, die Wohnraum für 80.000 Menschen bietet, ist ein Komplex verschiedener Häuser und Innenhöfe, die durch ein Labyrinth von Gassen und Wege miteinander verbunden sind. Die mehr als 6500 Wohneinheiten reichen von einfachen Zimmern bis zu geräumigen Wohnungen und bieten so Platz für Mieter verschiedener Einkommensstufen.

 

Werke (Auswahl)

1962 – 1974: Indian Institute of Management, Bangalore (mit Luis Khan), Indien

1963: Kamala House, Ahmedabad, 1963

1967: Tagore Memorial Hall (Ahmedabad, 1967

1972: Centre for Environment and Planing Technology (CEPT),Ahmedabad, Indien

1973: Life Insurance Corporation Housing or “Bima Nagar” , Ahmedabad, Indien

1980: Sangath, BV Doshi's Architektustudio, Ahmedabad, Indien

1986: Vidhyadhar Nagar, Indien

1989: National Institute of Fashion Technology, Delhi, Indien

1989: Aranya Low Cost Housing, Indore, Indien

1990: Amdavad ni Gufa, Ahmedabad, Indien

 

Bildnachweis (von oben nach unten): Sangath Architect's Studio (photo courtesy of VSF Balkrishna Doshi (photo courtesy of VSF); Indian Institute of Management, Bangalore (photo courtesy of VSF)