Architektonische Utopien und Projekte in den Alpen

Die Architekturgalerie stellt in „Dreamland Alps“ 22 Projekte der vergangenen 100 Jahren in den Alpen vor. Sie reichen von der Lebensreform-Kolonie auf dem Monte Verità (1900), den Entwürfen für Hotels und Seilbahnstationen von Gio Ponti, Charlotte Perriand und Jean Prouvé bis zum Biwak-Projekt von Ross Lovegrove (2009).

 

Seit „Entdeckung der Alpen“ im 18. Jahrhundert und ihrer bis heute andauernden „Eroberung“ durch eine städtische Zivilisation, veränderte sich das Verhältnis zwischen Mensch und Natur grundlegend. Der anfängliche Respekt und die Bewunderung der Erhabenheit der Bergwelt (dem „Sublimen“) wich zusehends einer hemmungslosen Ausnutzung durch den alpinen Massentourismus, als auch durch die grenzenlose Vermarktung ihres Abbilds, etwa in Form von Panoramen und Erlebniswelten auf Weltausstellungen und Vergnügungsparks, wie z.B. Dreamland auf Coney Island bei New York. 

Die Architektur ist Spiegel dieser wechselhaften Beziehung. Dreamland Alps stellt exemplarisch 22 Projekte aus den vergangenen 100 Jahren vor, als konkrete Beispiele für das Entwerfen in den Alpen. Ob sie nur projektiert oder auch gebaut wurden, spielte bei der Auswahl keine Rolle. Viele Projekte nehmen auf diese Weise zum ersten Mal dreidimensionale Formen an, die manchmal lediglich auf freien Interpretationen visionärer Zeichnungen verschiedener Architekten basieren. 

Die verschiedensten Architekturen, die in den Bergen im Laufe der letzten 150 Jahre errichtet oder erdacht wurden, stehen im Zentrum der Ausstellung; der Besucher wird mit ihrer ausgesprochenen Heterogenität konfrontiert, die jeweils ganz unterschiedliche Inhalte und Formen aufweist.

Alle Projekte, ob sie nun gebaut wurden oder nicht, repräsentieren sehr heterogene Ansätze, um die Alpen zu „kolonisieren“; es liegen ihnen ganz unterschiedliche Motivationen oder „Mythen“ zugrunde. Jene „Phänomene“ werden als Modelle gebaut (mit einer aufgeschnittenen Seite um das Innere zu sehen) und auf einfachen Sperrholzsockeln, die an das Reisen erinnern sollen, ausgestellt.

Der Reigen utopischer und visionärer Projekte reicht von der Lebensreform-Kolonie auf dem Monte Verità (um 1900) bis zum Biwak-Projekt von Ross Lovegrove (siehe großes Bild ganz unten, 2009) und der futuristisch anmutenden Monte-Rosa-Hütte von Andrea Deplazes + ETH-Z studio (2009, Aufmacherbild oben).

Es umfasst die Entwürfen für ein Wintersporthotel am Semmering von Adolf Loos (Modellfoto ganz oben links), Architektur-Utopien von Bruno Taut, Fernand Ottin Plan eines drehendes Solariums (Bild links),  sowie die Entwürfe der Seilbahnprojekt von Gio Ponti (Bozen-Cortina, 1941-42, nicht erbaut, Zeichnung oben rechts) und Carlo Mollinos (Maison-Furggen Val d’Aosta, Italie,1950-53 - anders gebaut, Skizze und Modell links unten).

Gezeigt werden auch die Entwürfe der Alpinistin und Architektin Charlotte Perriand (Bild oben rechts), die sie zusammen mit Pierre Jeanneret (Tonnenförmiges Biwak, Haute Savoie, 1938 - nicht gebaut), mit Guy-Rey Millet (Wohnanlage La Cascade, Les Arcs 1600, Frankreich, 1969 – gebaut, Foto unten links) und G. Regairaz sowie B. Taillefer (La Nova, Les Arcs 1800, Frankreich, 1978, gebaut) entwickelte.

Vertreten ist auch das im Brutalismus-Stil erbaute Hotel Flaine (Haute-Savoie, Frankreich, 1969) des Bauhaus-Schülers und Stuhl-Designers Marcel Breuer.

Die Ausstellung wurde im Rahmen der universitären Forschung entwickelt und in Verbindung mit der Lehre an der École nationale d’architecture ENSA-Versailles unter der Leitung von Mag. arch. Susanne Stacher erarbeitet. Studierende haben im Rahmen eines Seminars für Geschichte und Architekturtheorie im 3. Studienjahr zu den verschiedenen Themen recherchiert und Modelle gebaut. Die Umsetzung der Ausstellung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck.

Die Architekturgalerie München zeigt die Ausstellung in Kooperation mit der Bayerischen Architektenkammer und dem Alpinen Museum des Deutschen Alpenvereins.

Ein Katalog (123 Seiten) begleitet die Ausstellung, er wurde unter der Leitung von Susanne Stacher erarbeitet, mit Hilfe des Archivs für Baukunst Innsbruck. Eine italienische Beilage konnte Dank des Museums Arte-Merano erstellt werden, eine französische Version des Katalogs Dank der Maison de l’architecture de Savoie. 

 

Dreamland Alps: Utopische Projektionen und Projekte in den Alpen

Zeit: Die Ausstellung ist vom 09.03.2015 bis 10.04.2015 zu sehen, Öffnungszeiten sind ‚Ä®Montag, Dienstag, Mittwoch: 9.30 h bis 19.00 h‚Ä® Donnerstag, Freitag: 9.30h bis 19.30h; ‚Ä®Samstag: 9.30h bis 18.00h

Ort: Architekturgalerie München e.V.‚Ä®, Türkenstrasse 30‚Ä®, München

 

Die Vernisage ist am Montag, den 9. März um 19 Uhr: Es sprechen ‚Ä®Nicola Borgmann - Architekturgalerie, München; ‚Ä®Susanne Stacher - ENSA, Versailles‚Ä®; Christoph Hölz - Archiv für Baukunst, Innsbruck

Weitere Informationen:

Architekturgalerie München: Dreamland Alps

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Bilder: Neue Monte Rosa Hütte, Francofranco56, Alpine Capsule, Alta Badia von Ross Lovegrove; Charlotte Perriand’s facing mountains in Savoie, France – Cassina; Vittorio Bonadè Bottino, Kinderheim Fiat Torre Balilla, Sauze d'Oulx, Val di Susa, Italien, 1937, Charlotte Perriand und Guy Rey Millet, Atelier d'Architecture de Montagne, La Cascade, Les Arcs 1600, Savoie, Frankreich, 1968-1969