Olafur Eliasson - Geistesblitz aus Island

Künstliche Sonnen, grüne Flüsse und Wasserfälle unter New Yorks Brücken. Olafur Elíasson interpretiert die Naturerfahrungen seiner isländischen Heimat in Objekte, die zwischen Kunst und Architektur angesiedelt sind. Eine große Bedeutung im künstlerischen Schaffen nimmt dabei München ein. mi

 

Olafur Elíasson  wurde am 5. Februar 1967 in Kopenhagen (Dänemark) geboren. Von isländischer Herkunft, wuchs er in einem Vorort von Reykjavik, in Hafnarfjörður, einem Zentrum des Elfenglaubens, dem viele Isländer anhängen, auf. Von 1989 bis 1995 studierte er an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen.

Elíasson beschäftigt sich mit physikalischen Phänomenen in der Natur wie Licht und Wasser, Bewegung und Reflexion. Schon während des Studiums lernte er in Köln die Galeristen Tim Neuger und Burkhard Riemschneider kennen und stellte bei ihnen in Berlin aus. 1993 wohnte er in Köln, zog aber im Jahr darauf nach Berlin. Zunächst experimentierte er mit Installationen, die aus an der Decke aufgehängte Ventilatoren bestehen, die durch Räume schwingen. 1998 wurde sein Werk eines oszillierenden Ventilator auf der Berlin Biennale ausgestellt. In dem Projekt Green River (1998 bis 2001) färbte er das Wasser von Flüssen an verschiedenen Orten der Welt mit einem grünen Farbstoff ein. Die Reaktionen der vorher nicht informierten Öffentlichkeit werden dabei Teil des Kunstwerks. Im Rahmen des EXPO-Projekts Garten-Landschaft Ostwestfalen-Lippe (OWL) schuf er einen Dufttunnel aus stark duftenden Pflanzenarten im Botanischen Garten Gütersloh

Es folgten Ausstellungen und Installationen wie die „mediated motion“ im Kunsthaus Bregenz (2001) , „The blind pavillon“ für die Venice Biennale Venedig (2003), „Sonne statt Regen“ im Kunstbau München und „The Weather Project“ in der Londoner Tate Modern (2003). In dieser Zeit konnte Elíasson seine Ideen in Form größerer, dauerhaft installierter Werke umzusetzen, indem er in München „The Sphere“ in den Fünf Höfen, „Umschreibung“ im KPMG-Gebäude und das „Bühnenfenster“ am Marstallplatz verwirklichte. Elíasson erhielt 2006 einen Ruf an die Universität der Künste (UdK) in Berlin und gründet dort 2009 das Institut für Raumexperiment.

 

Studio Olafur Elíasson

Elíasson betreibt sein „Studio Olafur Elíasson“ in einem ehemaligen Berliner Fabrikgebäude gegenüber dem Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart und nicht unweit vom Berliner Bahnhof und dem Regierungsviertel an der ehemaligen Berliner Mauer. Etwa zwischen 40 und 50 festangestellte und freie Mitarbeiter, darunter Architekten, Techniker und Designer setzen seine Entwürfe um, experimentieren aber auch selbständig an Themen und mit Materialien.

 

Sphere (2003)

Für die Fünf Höfe in München entwarf Elíasson eine Kugel aus durchlaufendem Stahlband (Aufmacherbild oben, Bild links). Aufgrund seiner Form und Größe stellt es das bis dahin komplexeste Werk des Künstlers einer fünfzähliger Symmetrie dar. Das Werk ist in dem von dem Architektenbüro Hilmer & Sattler und Albrecht geplanten Viscardihof aufgehängt. Für Eliasson ist das Kunstwerk ein Signal für Weltoffenheit und weltweite Netzwerke.

 

The weather Project (2003)

In der Turbinenhalle der Tate Modern, einem von den Schweizer Architektenbüro Herzog & de Meuron in ein Kunstmuseum umgebautes ehemaliges Heizkraftwerk, ließ der isländische Künstler eine riesige künstliche Sonne (Bild rechts) installieren. Hinter einer halbkreisförmigen Projektionswand wurden dazu 200 Monofrequenzleuchten angebracht. Die Decke der ohnehin sehr hohen Halle wurde mit Spiegelfolie ausgekleidet, um die Höhe optisch zu verdoppelt und der gespiegelte Halbkreis erschien so wie eine Sonne. Um den Effekt zu erhöhen, wurde künstlicher Nebel in die Halle eingeleitet.

 

Umschreibung (2004)

Für die neue Deutschland-Zentrale der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, eines von Steidle Architekten entworfenen Bürogebäudes auf der Theresienhöhe, entwarf Elíasson in Form einer Doppelhelix eine Wendeltreppe. Für die Entwicklung der ineinander verschränkten Doppeltreppe wurde eine Spirale auf der Oberfläche einer Kugel projeziert. Besucher können bei der Begehung der Treppe die imaginäre Kugelform erfahren, weil die Höhe der Stufen entsprechend der Oberfläche einer Kugel variert. Die Treppen-Helix ruht aufgrund kompexer statischer Berechnungen auf einem einzigen Punkt.

 

 

 

Bühnenfenster (2005)

Im folgenden Jahr schuf er mit Unterstützung eines Glashersteller Schott eine bis dahin ungeahnte Glasfassade für das Probengebäude der Bayerischen Staatsoper, einem Gebäudeteil der von Gewers Kühn + Kühn entworfenen Maximilianshöfe. Auf 300 Quadratmeter erlaubt sie sowohl Spiegelungen als auch Transparenz in Verbindung mit zwei gefärbten Schichten und schließt so den Marstallplatz ab und reflektiert die Aktivitäten auf dem Platz in der Höhe.

 

 

 

 

 

 

Serpentine Galery (2007)

Das Kunstmuseum mit moderner und zeitgenössischer Kunst innerhalb des Kensington Gardens im Zentrum Londons bietet seit dem Jahr 2000 führenden Architekten die Möglichkeit, einen Pavillon auf dem Gelände zu errichten. Bislang gestalteten folgende Architekten ein Pavillon: Zaha Hadid (2000), Daniel Libeskind (2001), Toyo Ito (2002), Oscar Niemeyer (2003), Álvaro Siza Viera und Eduardo Souto de Moura (2005), Rem Kolhaas mit Cecil Balmond und Arup (2006), Frank Gehry (2008), SANAA (2009), Jean Nouvel (2010), Peter Zumthor (2011) und Ai Weiwei und Herzog & de Meuron (2012).

Eliasson entwarf den Pavillon im Jahr 2007 zusammen mit dem Architekten Kjetil Thorsen, Mitinhaber des norwegisch-amerikanischen Architekturbüros Snøhetta Arkitektur og Landskap. Das Gebäude wurde als geschwungene Rampe konzipiert, der den Innenraum des Pavillons mit dem Park verband. Eingefasst war der Pavillon von  in sich gedrehten Lichtblenden aus Seilen. Durch seine komplexe geometrische Form und durch die abschnittsweise Öffnung schien sich das Gebäude mit der Bewegung der Besucher zu wandeln. Tageslicht drang zum Teil von den seitlichen Öffnungen, aber auch durch einen elipsenförmigen Oculus in den Bau.

 

 

New York Waterfalls (2008)

Olafur Eliasson hatte im Juni 2008 vier große künstliche Wasserfälle rund um die Südwestspitze Manhattans für die Dauer von Juli bis Oktober 2008 installiert. Die 30 bis 40 Meter hohen Konstruktionen aus Gerüsten, Pumpen und Schläuchen knüpften an vorausgegangene kleinere Installationen des Künstlers an. Die größte Wirkung in der öffentlichen Wahrnehmung erzielte der unter der Brooklyn Bridge aufgebaute Wasserfall. Zudem wurden Wasserprojekte an der Stadtautobahn FDR Drive, hinter den Lagerhallen an der Uferpromenade von Brooklyn und vor Governors Island angebracht. Das Projekt entstand in einer Kollaboration zwischen der Stadtverwaltung, dem Künstler und dem „Public Art Fund“.

 

 

Fassade des Konzerthauses Harpa in Reykjavík (2011)

2011 wurde das Konzerthaus Harpa in der isländischen Hauptstadt Reykjavík nach dem Entwurf des dänischen Büros Henning Larsen Architects eröffnet. Aufgrund der Finanzkrise hatte sich der Bau und die Eröffnung des ambitionierten Veranstaltungsgebäude verzögert. Elíasson entwickelte dafür die Glasfassade mit komplexen Lichtspiegelungen und Lichtbrechungen. Elíasson wurde dabei von den unterschiedlichen Stimmungen seiner Heimatinsel, inspiriert. Bei der Form des Glases nahm er sich die des isländischen Lavagesteins zum Vorbild. Die Fassade besteht aus einer wabenartigen Struktur aus Farbeffektglas (dichroitischem Glas), das je nach Wetter auf die wechselnden Tageslichtfarben reagiert.

 

 

Weitere Informationen

Anna Engberg-Pederson (Hrsg.): Studio Olafur Elíasson, Taschen Verlag, überarbeitete Neuauflage 2012

Website des Künstlers: www.olafureliasson.net

 

Bilder:

Taschen Verlag: Aufmacher klein und Bild zu weather project, Porträt Olafur Elíasson, Serpentine Galery, Bild Waterfalls (rechts)

Henning Larsen Architects: Bilder zu Harpa

Wikipedia: Umschreibung (Oliver Raupach); Bühnenfenster (Cholo Aleman) und Olafur Elíssons Waterfalls under the Brooklyn Bridge (Michael)

Sonst: U. Lohrer