Neuschwabing: Bruno Fioretti Marquez planen Elisabethplatz-Bau

Weil für das Umspannwerk am Elisabethplatz nur noch rund ein Fünftel der bisherigen Grundstücksfläche benötigt wird, kann die Stadtsparkasse dort eine große Wohn- und Geschäftskomplex errichten. Nun haben die Berliner Architekten Bruno Fioretti Marquez den Realisierungswettbewerb gewonnen.

 

Die Stadtsparkasse München plant am Elisabethpatz zwischen Nordendstraße und Arcisstraße in Neuschwabing im Bezirk Schwabing-West einen neuen Wohn- und Geschäftskomplex mit Flächen für Wohnen, kleinteiligen Einzelhandel und Büronutzung. Eine Kindertagesstätte soll ebenfalls entstehen. Auch soll geprüft werden, ob dabei 50 Anwohnerstellplätze in einer Tiefgarage untergebracht werden können. Das Wettbewerbsgebiet liegt an prominenter Stelle südlich des Elisabethplatz mit dem Elisabethmarkt, einem der vier permanenten Märkte für Lebensmittel und Blumen in München.

Urbaner Raum für Immobilienentwicklung

Zur Zeit befindet sich dort ein Umspannwerk der Stadtwerke München (SWM) mit technischen Anlagen, das die Stromversorgung des Stadtteils gewährleistet. Dieses wird durch einen Neubau ersetzt. Durch eine Optimierung des Anlagenkonzepts sowie durch den Einsatz einer veränderten Anlagentechnologie wird der bisherige Platzbedarf erheblich reduziert. So wird das neue Umspannwerk nur noch rund ein Fünftel der bisherigen Grundstücksfläche benötigen. Dieser Neubau eröffnet die Möglichkeit, die frei werdende Fläche umzustrukturieren und sie einer neuen, ihrer Lage angemesseneren Nutzung zuzuführen. Die Stadtsparkasse München hat die frei werdende Fläche von den SWM erworben. Das Gebiet, auf der der Neubau des Umspannwerks errichtet wird, bleibt im Eigentum der Stadtwerke.

Der zu planende Wohn- und Geschäftskomplex mit Kindertagesstätte soll zu einer attraktiven und eigenständigen Adresse in Schwabing werden und sich zugleich harmonisch in sein Umfeld einfügen.

Um für diese anspruchsvolle Bauaufgabe eine städtebaulich, architektonisch, funktional und wirtschaftlich angemessene Lösung zu finden, hat die Stadtsparkasse München in enger Zusammenarbeit mit den Stadtwerken München und dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München einen Realisierungswettbewerb ausgelobt.

Ergebnis des Wettbewerbs

Für den von der Stadtsparkasse ausgelobten Wettbewerb wurden zwei erste und einen dritten Preis vergeben. Einen ersten Preis gewannen Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin, mit Cappati Staubach Urbane Landschaften, Berlin (Realisierung) sowie Leuschner von Gaudecker Architekten, München, Einen 3. Preis wurde an AllesWirdGut Architektur ZT, Wien, mit realgrün Landschaftsarchitekten, München vergeben.

Die beiden ersten Preisträger wurden aufgefordert, ihre Beiträge zu überarbeiten. Die Jury empfahl am 10. Februar 2017, das Projekt von Bruno Fioretti Marquez Architekten mit Cappati Staubach Urbane Landschaften, beide Berlin, weiter zu verfolgen.

Empfehlung des Preisgerichts

„Nach Abschluss der Diskussion empfieht die Jury mit 10:4 Stimmen, die Arbeit von Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin, mit Capatti Staubach Urbane Landschaften, Berlin, zur Grundlage der weiteren Entwicklung des Vorhabens zu machen.“

Beurteilung des Entwurfs von Bruno Fioretti Marquez durch die Jury

"Die städtebaulichen Randbedingungen für diesen Wettbewerb sind sehr eng gefasst. Gleichwohl gelingt es den Verfassern, auch mit diesen Einschränkungen ein stadträumlich zeitgemäßes Quartier mit einem städtisch urbanen Charakter, guter Orientierung und hohem Wiedererkennungswert zu schaffen.

Die Baukörperkonfiguration wird durch zwei leicht geschwungene Baukörper geprägt. Der Hauptbaukörper zum Platz bietet eine leicht aufgeweitete „Straßenraumsituation“ zu den Marktständen. Dies wird durchaus positiv bewertet.

Der zweite Bauteil, der im Abstand zum Hauptbaukörper angeordnet ist, bietet eine wünschenswerte Unterbrechung der Bebauung an der Nordendstraße. Dadurch gibt es jedoch einen gewissen Lärmeintrag in das Hofinnere.

Die vorgeschlagene Nutzungsverteilung mit den Läden im Erdgeschoss und den Büros im ersten Obergeschoss ist gut denkbar. Kritisiert wird allerdings, dass durch die aufwendigen Treppenhäuser die Ladennutzung im Erdgeschoss stark eingeschränkt ist. Dies trifft in gewissem Maß auch auf die Bürostruktur zu, die etwas flxibler gestaltet werden müsste.

Die Wohnungsgrundrisse des Hauptbaukörpers sind gut gelöst. Sie bieten allerdings ein überraschendes Angebot, in dem die meisten Individualräume nach Süden und die Funktionen Wohnen-Essen-Kochen nach Norden zum Platz angeordnet sind. Einige wenige Kleinwohnungen sind ausschließlich nach Norden orientiert. Im sechsten Obergeschoss gibt es eine großzügige Nordterrasse.

Die Kita, die im zweiten Baukörper untergebracht ist, ist gut orientiert. Darüber befindet sich das Wohnheim mit einigen wenigen Einheiten, die ausschließlich zur Nordendstraße orientiert sind.

Die Fassaden weisen einen sehr strengen Duktus auf. Diese Strenge wird zum Elisabethplatz durch Loggien rhythmisiert. Diese Loggien müssten bis zum dritten Obergeschoss verglast werden, um die Anforderungen der Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA-Lärm) einzuhalten.

Nicht überzeugen kann die Südfassade des Hauptbaukörpers. Man vermisst hier das Gefühl, dass es sich um ein Wohngebäude handelt. Die Fassaden an der Nordendstraße und Arcisstraße werden positiv bewertet.

Freiraumkonzept: Die ruhige und elegante Freiraumgestaltung wird in zwei grünen Höfen mit Zugang von der Nordendstraße formuliert. Hainartige Baumgruppen stehen in einer gehügelten Landschaft.

Der Spielbereich der Kita wird ohne Geräte dargestellt und suggeriert symbolisch das Spiel zwischen den Heckenräumen.

Ausstellung der Entwürfe

Die Wettbewerbsergebnisse sind in der Zeit vom 17. Februar bis 3. März 2017 in einer Ausstellung im Referat für Stadtplanung und Bauordnung (Foyer), Blumenstraße 28b, zu sehen. Die Ausstellung ist Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Quellen: Pressemeldung des Referats für Stadtplanung und Bauordnung vom 20.02.2017; https://www.competitionline.com/de/ergebnisse/253624

Bildnachweis: Visualisierung, Lageplan und Schnitte von Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin, mit Cappati Staubach Urbane Landschaften, Berlin / Stadtsparkasse München