Satellit sucht Anschluss

Mit dem Satellitenterminal am Flughafen München entsteht für 650 Millionen Euro erstmals in Deutschland ein Passagiergebäude, das sich wie eine Insel mitten auf dem Vorfeld befindet. Entworfen wurde das Gebäude von dem Münchner Architekturbüro Koch + Partner.

 

"Das Bauvorhaben ist ein großer Wurf, mit dem wir die steigende Passagiernachfrage befriedigen können“, freute sich Michael Kerkloh, Chef der Flughafen München GmbH (FMG). Mit dem Richtfest des dritten Terminals des Flughafen München am 12. September ist dessen geplante Inbetriebnahme absehbar.

Die Kapazitätserweiterung wurde notwendig, weil das für 25 Millionen Passagiere ausgelegte Terminal 2 mittlerweile bereits an seine Grenzen stößt. Über den neuen Terminal – dem als Satelliten bezeichneten Erweiterungsbau des Terminals 2 – können ab 2015 elf Millionen Passagiere zusätzlich pro Jahr abgefertigt werden. In einer zweiten Baustufe kann er zu einer T-Form erweitert werden und die Kapazität so auf 17 Millionen Passagiere erhöhen. Die 650 Millionen Euro Investitionskosten werden im Verhältnis 40 zu 60 zwischen der Lufthansa und der FMG aufgeteilt. Eigentümer der FMG wiederum ist der Freistaat Bayern (51 Prozent), der Bund (26 Prozent) und die Stadt München (23 Prozent). Außer mit dem Satelliten wollen die Betreiber auch mit dem Bau einer dritten Start- und Landebahn die steigende Kapazität bewältigen. Im Bürgerentscheid vom 12. Juni 2012 sprachen sich allerdings die Münchner mehrheitlich gegen den Bau aus. „Ich bitte die Lufthansa und die FMG den Bürgerwillen ernst zu nehmen“, sagte OB Christian Ude beim Richtfest. „Die Stadt München als dritter Gesellschafter wird bei ihrem Nein zur dritten Startbahn bleiben!“

Ob nun die dritte Start- und Landebahn errichtet wird – dies hängt auch vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ab – oder nicht, der Satellit wird jedenfalls fertig gestellt. Das erste deutsche Midfield-Terminal – ein Passagiergebäude, das sich wie eine Insel mitten auf dem Vorfeld befindet – stellt eine technische Meisterleistung dar. Architekten und Generalplaner sind die Münchner Architekten Koch + Partner. Diese setzten sich in den Jahren 2007 und 2008 in einem mehrstufigen internationalen Wettbewerbsverfahren durch und wurde als Generalplaner beauftragt. Das Satellitengebäude soll flexibel nutzbar sein und Möglichkeiten zur Erweiterung zulassen. In der ersten Ausbaustufe wird zunächst die Gepäcksortierhalle auf dem östlichen Vorfeld erweitert und aufgestockt. Die Baumaßnahmen begannen im Mai 2012. Wie Architekt Norbert Koch sagte, waren in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt 130 Architekten und Ingenieure an der Planung beteiligt. Es gibt 7000 aktuelle Pläne von der Baustelle – mit Änderungen gar 40.000.

Der Satellit wird mit seinem 600 Meter langem Pier über 52 Abfluggates verfügen. Fluggäste nutzen die Check-in-Einrichtungen sowie die Gepäckausgabe im Terminal 2 und werden über ein unterirdisches Personentransportsystem – eine Art U-Bahn in einem 400 Meter langen Tunnel – zum Satellit transferiert (siehe Animation links).

Das neue Satellitengebäude bietet auf einer Fläche von über 125.000 Quadratmetern alle wichtigen Serviceeinrichtungen. Darunter sind zwei Lufthansa Service Center mit insgesamt 24 Transferschaltern sowie insgesamt 42 Passkontrollstellen für die Ein- und Ausreise. Mit fünf Lufthansa Lounges im Satelliten wird auch das Lounge Angebot im gesamten Bereich des Terminal 2 verdoppelt. Im Zentrum des Satelliten befinden sich auf beiden Passagierebenen attraktive „Marktplätze“, die den bereits bestehenden Vorfeldtower umschließen. Auf einer Fläche von mehr als 9.000 Quadratmetern finden Fluggäste hier ein breites Angebot an Geschäften und Restaurants.

Der Neubau soll durch nachhaltige Bauweise gegenüber den beiden bestehenden Terminals eine um 40 Prozent bessere CO2–Bilanz aufweisen. Der Einsatz modernster Technologien soll dies ermöglichen.

Dazu gehört die sogenannte Quelllufttechnik bei der Klimatisierung und Latentwärmespeicher (PCM - Phase Change Material) in der begehbaren Klimafassade. Eine große, bislang aber gut bewältigte Herausforderung ist die Baulogistik und das Bauen bei laufendem Betrieb, da während der gesamten Bauzeit der Flughafenbetrieb aufrechterhalten bleiben muss.

Die künftige Gesamtauslastung und Schadstoffbelastung des Flughafens hängen aber letztlich auch vom Bau einer weiteren  Start- und Landebahn ab. Für den Erfolg des Satelliten dürfte es wichtig sein, ob der Anschluss zustande kommt.

 

Quellen: Pressemeldung FMG; K+P Architekten und Stadtplaner GmbH

Bildquellen: FMG: Baustelle Satellit - Werner Henneis; Richtfest  - Alex Tino Friedel; K + P Architekten: Animationen ganz oben und unter den Fotografien;