Francis Kéré oder simplify your architecture

Der in Burkina Faso geborene und seit 2005 in Berlin ansässige Francis Kéré gehört zu den wichtigsten internationalen Vertretern einer sozial engagierten Architektur. Am 16. November eröffnet das TUM Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne von eine Werkschau von Kéré.

Schon mit seinem ersten Werk, der Grundschule in Gando, Burkina Faso, gewann er 2004 den renommierten Aga Khan Award for Architecture. Ausgezeichnet wurde  Francis Kéré  für die beispielhafte Verbindung von gesellschaftlichen und ökologischen Ansätzen in seiner Gestaltung. Seither hat er viele weitere nationale und internationale Preise gewonnen und ist wegen seiner innovativen und herausragenden Entwürfe weltweit bekannt. Speziell auf dem afrikanischen Kontinent ist er wegen seiner konsequenten Verknüpfung von ethischen und ästhetischen Prinzipien ein wichtiges Vorbild für die kommende Generation (siehe Foto oben und links: Schule in Koudougou, links unten: Gesundheitszentrum in Laongo, alle in Burkina Faso). In Deutschland erreichte er ab 2009 besondere Aufmerksamkeit mit dem Projekt Operndorf Afrika für Christoph Schlingensief.

Das Architekturmuseum der TU München präsentiert mit der Ausstellung Francis Kéré. Radically Simple die bislang größte Überblicksausstellung zu seinen ausgeführten Werken und laufenden Projekten. Neben den Bauten, die er in seinem Heimatdorf Gando geplant und realisiert hat, werden weitere Bauten in Afrika und China, aber auch Projekte und Entwürfe für Deutschland gezeigt, wo er zwei städtebauliche Wettbewerbe gewonnen hat. Die Ausstellung ist ein Gang durch den einzigartigen persönlichen und professionellen Lebensweg des Architekten.

Er gehört in der Architekturszene der Gegenwart zu den außergewöhnlichen Talenten, weil es ihm gelingt, die tiefen kulturellen Prägungen seines Heimatlandes mit den Erfahrungen, die er seit dem Studium an der TU Berlin in Deutschland gemacht hat, in einen neuen, dritten Weg zu übersetzen.

Die Werkschau widmet sich auch Kérés umfassender Ausstellungstätigkeit, die von Beiträgen in London, Humlebæk, Mailand, Bordeaux, Chicago und Weil am Rhein bis zu Philadelphia und Venedig reicht. Gerade durch seine stark sinnlich inspirierten Installationen ist es Francis Kéré gelungen, die grundlegenden Prinzipien seiner Arbeit auch in den Museumskontext zu übertragen. Es ist die kluge Einbindung lokaler Ressourcen und der tiefe Respekt vor kulturellen Dimensionen, die seine Entwürfe und ausgeführten Projekte relevant und überzeugend machen. Die Ausstellungsarchitektur für die Ausstellung in München wurde von ihm speziell für die Pinakothek der Moderne als besondere Erfahrung für die Besucher entwickelt.

Für die Ausstellung wurden durch den Fotografen und Videokünstler Daniel Schwartz viele neue Aufnahmen und Videos zu den bislang unpublizierten Werken erstellt, die eine eindrucksvolle Begegnung der Ausstellungsbesucher mit den meist weit entfernt liegenden Werken von Francis Kéré ermöglichen. Kuratorin der Ausstellung ist Ayça Beygo, die das Konzept der Ausstellung in der engen Zusammenarbeit mit dem Büro Francis Kéré Architekten ausgearbeitet hat.

Zur Ausstellung erscheint der erste Katalog aller bisherigen Arbeiten und Projekte mit Beiträgen von Lesley Lokko, Kerstin Pinther und Peter Herrle im Hatje Cantz Verlag. Ein umfangreiches Begleitprogramm ist in Planung.

Francis Kéré: Radically Simple

Ort: TUM Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne,  Barer Straße 40,
80333 München

Zeit: Eröffnung am Mittwoch, 16. November 2016, 19 Uhr; Ausstellungsdauer vom 17. November 2016 bis zum 26. Februar 2017; Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr
sowie Donnerstags von 10 bis 20 Uhr

Bildnachweis: (von oben nach unten) Francis Kéré: Lycée Schorge in Koudougou, Burkina Faso, Foto: Daniel Schwartz; Centre de Santé et de Promotion Socciale, in Laongo, Burkina Faso, Foto: Kéré Architecture