Freiraum 2030: Das neue Freiraumkonzept für München

München steht als eine der am dichtesten besiedelten Großstädte mit starkem Zuzug vor große Herausforderungen in der Freiraumplanung. Ein neues Konzept schlägt nun Lösungsmöglichkeiten vor: Orte der  Entschleunigung, Verdichtung wo sinnvoll und Umwandlungsprozesse nutzen.

 

Was leisten Freiräume in einer dicht bebauten, wachsenden Stadt? Was kann alles Freiraum sein oder noch werden und für wen? Wie kann Herausforderungen wie dem Klimawandel und einer Veränderung der Lebensstile begegnet werden? Mit diesen Fragen setzt sich das Konzeptgutachten „Freiraum München 2030“ auseinander, welches das Referat für Stadtplanung und Bauordnung in Auftrag gegeben hat und das nun diskutiert werden soll.

Ausgehend von dem Konzeptgutachten präsentiert die Ausstellung in Text, Bild und Ton zentrale Aspekte der Freiraumplanung und zeigt Handlungsansätze für die Zukunft auf. Aktuelle Beispiele geben einen Überblick über Geplantes und bereits Umgesetztes. Darüber hinaus versteht sich die Ausstellung als lebendiger Ort der Auseinandersetzung: In Interviews und Stellungnahmen kommen Fachleute, Initiativen und engagierte Bürgerinnen und Bürger zu Wort. Diskussionsrunden und geführte Touren beleuchten aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Herausforderungen der zukünftigen Freiraumentwicklung.

Die Ausstellung ist Auftakt der Öffentlichkeitsbeteiligung zur langfristigen Freiraumentwicklung. Wie bei der letzten Jahresausstellung haben die Bürgerinnen und Bürger wieder die Möglichkeit, sich aktiv in die Diskussion einzubringen. Ihre Anregungen werden ausgewertet und fließen in die Konzeption zur langfristigen Freiraumentwicklung ein, über die dann der Stadtrat entscheiden wird.

Das Konzeptgutachten

Der Entwurf des Konzeptgutachtens, das die Grundlage für die langfristige Freiraumentwicklung bildet, ist von dem Berliner Büro Becker Giseke Mohren Richard (BGMR) in Kooperation mit den Büros Friedrich von Borries aus Berlin und Freiraumstudio aus München erstellt worden - in intensiver Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt München und begleitet durch mehrere Fachworkshops. Es ist in die drei Leitthemen Freiraum & Entschleunigung, Freiraum & Verdichtung und Freiraum & Umwandlung gegliedert und definiert Freiraum sehr breit: Von Parks bis zu Dachgärten, von Straßen bis zu kulturellen Zwischennutzungen - das alles kann Freiraum sein, egal ob es grün ist oder nicht.

Das Prinzip der Entschleunigung

Münchens Stadtentwicklung zeichnet sich durch Be- schleunigung aus. Nach Jahren des Bevölkerungs- schwunds seit den 1970er-Jahren wächst die Einwohner- zahl seit etwa der Jahrtausendwende. Ausgehend von heute rund 1,5 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner im Stadtgebiet könnten es 2030 bereits rund 1,72 Mio sein. München steht als Großstadt in einem ständigen Prozess des Wandels. Damit stellt sich die Frage, wo die Orte der Identität sind, die Anker des Dauerhaften in einer sich wandelnden Stadt. Gleichzeitig gewinnen die umwelt- und gesundheitsbe- wussten Lebensstile eine immer größere gesellschaftliche Bedeutung. Welche Räume entsprechen diesen Lebensstilorientierungen – Räume der Ruhe, der Entrücktheit aus der Stadt der rasanten Entwicklungen. Die Stadtentwicklung benötigt als Ergänzung Orte, die sich diesen Dynamiken entziehen und Möglichkeiten bieten, anders zu sein. Gerade die über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaften sowie alte Baumbestände sind ein gutes Sinnbild für langsame Entwicklungsprozesse und können dadurch eine Atmosphäre der Ruhe und Entrücktheit entstehen lassen.

Das Prinzip der Verdichtung

Anstelle einer Bebauung auf der „grünen Wiese“ sollen durch Umstrukturierung vorhandener, bereits baulich genutzter Flächen diese effizienter und dichter genutzt werden. Resträume und Nischen werden aktiviert, Nutzungen gestapelt. Bestehende Gebäude können durch Neu- und Umbauten mit optimierten Grundrissen effizienter und zeitgemäßer nutzbar und gleichzeitig in der Dichte erhöht werden. Das Prinzip der städtebaulichen Verdichtung, Stapelung und Optimierung wird auch auf die Freiraumentwick- lung übertragen: Die vorhandenen Freiräume werden neu strukturiert und hinsichtlich der Nutzungsintensität optimiert, Nischen können aktiviert und Nutzungen gestapelt werden. Zusätzlich können unbebaute Flächen wie Stellplätze oder Bauerwartungsland temporär als Freiraum genutzt werden oder Flächen wie Straßenland und Dächer mehrdimensional nutzbar gestaltet werden - die Verdichtungsstrategien im Freiraum sind vielfältig.

Das Prinzip der Umwandlung

Durch Umwandlung können knappe Ressourcen besser genutzt und neue geschöpft werden. Dazu ist ein Umdenken in vielen Bereichen notwendig: Stadt ist nicht nur der Ort, an dem Energie verbraucht wird, sondern an dem auch Energie gewonnen werden kann. Die Stadt verbraucht nicht nur Ressourcen, die ihr von außen zugeführt werden, sondern sie produziert sie auch selbst. Städtischer Abfall ist ein Wertstoff. Die Parks, Sportanlagen, privates und gemeinschaftliches Grün oder die Straßenbäume produzieren Biomasse und damit Energie. Die Stadt verbraucht nicht nur Wasser, sondern kann mit einem anderen Umgang mit ihren versiegelten Flächen dafür sorgen, dass wir über mehr Wasser als nötig verfügen können. Damit könnte die Stadt in Hitzeperioden gekühlt werden.

Weitere Informationen:

Landeshauptstadt München: Konzeptgutachten Freiraumplanung 2030 (pdf)

 

Bilder: von oben nach unten: Reiterin
, Foto: Jörg Koopmann / LHM, Fröttmaninger Heide
, Foto: Jörg Koopmann / LHM, Grünflächen im Wohngebiet
, Foto: Jörg Koopmann / LHM