Das Ufo vor der Pinakothek

Die Neue Sammlung der Pinakothek der Moderne hat ein von dem Finnen Mattis Suuronen entwickeltes Futuro-Haus erworben. Die Design-Ikone aus dem Plastikzeitalter kann nun ein Jahr lang besichtigt werden.

 

Vor mehr als einem halben Jahrhundert beauftragte Kaakko Hiidenkari seinen früheren Schulkameraden Matti Suuronen mit dem Bau einer "modernen Ski-Hütte, die "schnell zu beheizen und selbst in schwierigem Gelände einfach zu konstruieren" sein sollte.  Von 1965 bis 1967 entwickelte der finnische Architekt Suuronen (1933 - 2013) das Futuro, das Kunststoffhaus.  Auch als Wochenendhaus, Unterrichtsraum oder als Arztpraxis sollte das Objekt genutzt werden können.

Das auf einem Stahlrohrgestell ruhende ellipsoidförmige Gebäude aus glasfaserverstärktem Polyester ist wie bei einem Privatjet über eine ausklappbare Türe als Treppe zugänglich. Es weist eine 25 Meter große  Wohnfläche auf, kann in unwegsamem Gelände aufgebaut werden und hält extremen Temperaturen wie auch Erdbeben oder Stürmen stand. „Es ist wirklich pflegeleicht - es muss weder angestrichen noch repariert, sondern hin und wieder lediglich abgewaschen werden“, pries Matti Suuronen die Vorzüge seines Werks an.

Danach ging das Ufo-artige Gebäude bei finnischen Firma Polykem Ltd. In Serienproduktion. Im Jahre 1968 kostete das Haus 12.000 US-Dollar. Dabei wurden vorsichtig geschätzt rund 70 Exemplare gefertigt. Die Käufer waren Unternehmen, Museen oder Privatpersonen. In der zukunftsgläubigen Ära der Mondlflüge und des Plastikzeitalters erlangte das Futuro bald Kult-Status. Mit neuen Gestaltungsformen und Materialien für Veranstaltungsräume, Wohngebäude oder gar Urbanisationen auf anderen Planeten hatten bereits Architekten wie Richard Buckminster Fuller, Frei Otto und Archigram experimentiert. Mit dem Futuro wurde ein Stück Utopie realisiert, das von gewöhnlichen Menschen genutzt werden konnte, schnell abgebaut und an andere Orte gestellt werden konnte

Für die Hannover Messe 1969 wurde beispielsweise ein Futuro des Chemiekonzerns Bayer gezeigt, um die Qualität des Kunststoffs für die Isolation vorzuführen. Eines dieser Design-Ikonen erwarb der Werbepsychologe Charles Wilp, ließ es vom Verpackungskünstler Christo einhüllen und beherbergte dort die Künstler Andy Warhol, der Yves Klein und Claes Oldenbourg. Zum Futuro bietet die Pinakothek der Moderne ein Programm aus Vorträgen und Filmen an.

Doch mit dem extremen Anstieg der Ölpreise und der folgenden Ölkrise 1973 verteuerten sich auch die Kunstoffpreise um das dreifache. Auch fehlte dem Hersteller Polykem die Erfahrung für die weltweite Vermarktung des Futuro. Hoffnung brachte ein Großauftrag aus der Sowjetunion: Für die Olympischen Spiele in Moskau 1980 wurden 35 Futuros bestellt. Als die Spiele aufgrund des Einmarsches der Sowjetunion in Afghanistan vom Westen boykotiert wurde, zogen auch die Sojets die Bestellung zurück. Als auch mit dem zunehmenden Umweltbewusstsein das Kunstoffgebäude an Interesse verlor, war das Ende der Massenproduktion von Futuro besiegelt.

Das Münchner Futuro wurde 2016 von dem Charles-Wilp-Museum in Witten.für Die Neue Sammlung in der Pinakothek der Moderne erworben. Seit dem 1. Juni 2017 kann es nach einer umfassenden Restaurierung im Außenbereich der Pinakothek der Moderne mit Eintrittsticket besichtigt werden. Der kreisrunde, nicht unterteilte Raum enthält keine Inneneinrichtung.

Futuro. A Flying Saucer in Town

Ort: Pinakothek der Moderne, Barer Straße, München

 

Bildnachweis: © Die Neue Sammlung - The Design Museum / Jörg Koopmann

Quellen:

https://www.heise.de/tp/features/Futuro-Haus-vom-anderen-Stern-3403045.html

http://www.thefuturohouse.com