Hasenbergl: Querkraft Architekten erweitern GBW-Wohnanlage

Der städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerb „Wohnquartier Hasenbergl“ ist entschieden. Geplant ist die Sanierung von knapp 400 Wohnungen und die Erweiterung mit rund 200 zusätzliche Wohnungen.

 

Die GBW Portfolio 1 GmbH & Co. KG (GBW) beabsichtigt, die bestehende Wohnanlage im Hasenbergl im nördlichen Münchner Stadtbezirk Feldmochiching-Hasenbergl grundlegend zu sanieren und zu ergänzen. Das etwa 4,45 Hektar große Wettbewerbsgebiet befindet sich in München Hasenbergl nördlich der Dülferstraße, östlich der Linkstraße, südlich der Harpprechtstraße und westlich der Schleißheimer Straße im 24. Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl. Es umfasst einen östlichen Teilbereich des Bebauungsplans Nummer 536. Im Bebauungsplan liegt für diesen Bereich die vorhandene bauliche Dichte deutlich unter jener der angrenzenden Baufelder. Ein zusätzliches Wohnraumpotenzial von zirka 200 Wohneinheiten wurde im Rahmen eines Vorbescheides ermittelt. Die Bestandsbebauung mit 392 Wohneinheiten soll dabei weitestgehend erhalten werden. Um für die baulichen Ergänzungen mit Wohnnutzung und einer neuen Kindertagesstätte sowie für eine Aufwertung der Außenanlagen eine optimale Lösung zu finden, wurde in Abstimmung mit der Landeshauptstadt München ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb ausgelobt.

Am Planungswettbewerb nahmen insgesamt zehn Arbeitsgemeinschaften aus Architektur und Landschaftsplanung teil.

Das Preisgericht vergab drei Preise. Der erste Preis ging an Querkraft Architekten, Wien mit Rajek Barosch Landschaftsarchitekten, Wien. Der zweite Preis ging an Fink + Jocher Architekten, München, mit Mahl-Gebhard-Konzepte Landschaftsarchitekten, München. Der dritte Preis ging an H2M Architekten, München, mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, München.

Das Preisgericht empfahl der GBW, das mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurfskonzept für die weitere städtebauliche Planung und Entwicklung zu verwenden.

 

Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten „Wohnquartier Hasenbergl“ 

Die Ausstellung ist Dienstag mit Freitag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Die Wettbewerbsarbeiten werden bis Freitag, 29. September, im Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Blumenstraße 28b, im Erdgeschoss ausgestellt. 

 

Würdigung des Preisgerichts (Auszug)

„Die Arbeit entwickelt das Quartier aus einer derzeitigen Insellage zu einer integrierten Lage. Durch die Ausbildung des baulichen Schwerpunkts an der Schleißheimer Straße entsteht zum Freiraum der Nordhaide ein neues Gesicht des Quartiers.

Der Siedlungsrand nach Osten erhält eine sinnfällige Ausprägung. Damit bekommt die Schleißheimer Straße eine straßenbegleitende Bebauung. Gleichzeitig verbessert sich der Schallschutz des Quartiersinneren. Der südöstliche Quartierseingang mit öffentlichen Nutzungen, wie Sportflächen, Kita und Platzaufweitungen, wirkt einladend und lenkt die Fußgängerströme sehr selbstverständlich in das Innere der neuen Bewegungszonen.

Die angebotenen, topographisch bewegten Freiflächen mit dementsprechenden Freizeitangebot wirken hoch attraktiv und gut rhythmisiert. Diese Aktivitätszone wird sogar noch in die Erdgeschosse der neuen Gebäude hineingezogen, um auch dort Begegnungszonen vielfältiger Art zu schaffen.

Die Bestandsgebäude im Westen werden belassen und um einen, in der Tiefe noch nicht völlig überzeugenden, Kopfbau ergänzt. Hier bedürfte es auf Grund der Bestandssituation sowohl einer Weiterentwicklung der Grundrisse als auch ein Überdenken des „Andockens“.

Die Qualität der östlichen Freiräume wird respektiert und mit Geländemodellierungen geschickt an das benachbarte „Hasenbergl“ übergeleitet.

Das Volumen der eingeschossigen Kita im Süden wird als zu flächenhaft angesehen, wobei […] eine bauliche Integration möglich erscheint. Die verkehrliche Erschließung der Tiefgarage von der Schleißheimer Straße ist nicht möglich und muss verlegt werden. Die Stellplatzanzahl bleibt unter der geforderten Anzahl. [...] Die fußläufige Erschießung wird sinnvoll aufgenommen und in die neue Aktivzone übergeleitet. Die mögliche Bauabschnittsbildung und Schwerpunktsetzung im Osten ermöglicht eine Minimierung der Belastung der Bestandsmieter und schafft für die zukünftige Weiterentwicklung der Siedlung weitere Spielräume. […] Die Kompaktheit der neuen Gebäude kommt den heutigen energetischen Anforderungen entgegen.

Bei der Verlängerung der Wohnbauzeilen werden über den relativ unwirtschaftlichen Laubengang nur je drei Wohnungen je Etage erschlossen. Die dargestellte Mittelgangerschließung der nach Norden erweiterten Punkthäuser erzeugt in der Variante mit übergreifenden Maisonette-Wohnungen nach dem Vorbild der Unité d’ Habitation durch die wohnungsinternen Treppen einen sehr hohen Erschließungsaufwand und schließt eine Wohnungsbauförderung aus. [...] Hingegen sind diese Wohnungen sicherlich attraktiv für den freifinazierten Bereich, der zur Aufwertung im Quartier dringend benötigt wird. [...]

Die vorgeschlagene Verdichtung des Baumbestands zur Linkstraße und in den offenen Bereichen zwischen den Zeilenbauten lässt eine hohe Qualität für Ökologie und Nutzer erwarten. Diese Freiflächen gehen in eine neue Nord-Süd gerichtete Verbindungsachse über, die aus Platzabfolgen entwickelt wird. […] Die Erweiterung der Punkthäuser an der Schleißheimer Straße zusammen mit der Erweiterung der Zeilenbauten führt auf fast einem Drittel des Grundstücks zum Totalverlust des teilweise hier sehr hochwertigen Baumbestands. Vermisst wird ein auf die Neubebauung abgestimmtes Freiflächenonzept. [...]

Für eine genaue Aussage über die Befreiungsmöglichkeiten des neuen Gebäudetypus entlang der Schleißheimer Straße bedarf es der weiteren Prüfung und gegebenenfalls eines Antrags auf Vorbescheid.[...]

Auch eine Weiterentwicklung und ein „Weiterbauen“ des Areals in der Zukunft ist möglich, da mit dem Entwurf kaum typologische Zwänge geschaffen werden.“

Empfehlung des Preisgerichts

„Das Preisgericht empfieht einstimmig, das mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurfskonzept für die weitere städtebauliche Planung und Entwicklung zu verwenden. Dabei sollen die im Beurteilungstext enthaltenen Hinweise beachtet werden.“

 

Quellen: Referat für Stadtplanung und Bauordnung Landeshauptstadt München vom 25.09.2017, immobilienreport

Buldnachweis: Perspektive © Querkraft Architekten, Wien, mit Rajek Barosch Landschaftsarchitekten, Wien; Lageplan © Querkraft Architekten, Wien, mit Rajek Barosch Landschaftsarchitekten, Wien