Obersendling: 1. Preis für Hierls Wohnquartierentwurf Gmundter Straße

Auf einem von der Rock Capital Group erworbenen ehemaligen Siemens-Parkplatz an der Gmundter Straße soll ein großes Wohnquartier entstehen. Nun gewannen Hierl Architekten den von der Objektgesellschaft und der Stadt ausgelobten Wettbewerb.

 

Seit einigen Jahren zieht sich die Firma Siemens AG aus Obersendling zurück, somit wird auch das ehemalige Firmenareal sukzessive frei und neugeordnet. Dies gilt auch für den ehemaligen Parkplatz an der Gmunder Straße zwischen Hofmannstraße und Geitinger Straße in Obersendling, das im Frühjahr 2015 von dem Grünwalder Projektentwickler Rock Capital Group in einem Bieterverfahren erworben wurde. Erst vor Kurzem hatte Rock Capital Group von der Patrizia mit den Hofmann Höfen ein weiteres großes Projektentwicklungsareal in der Hofmannstraße Obersendling erworben.

Entwickelt wird das 2,1 Hektar große Areal nun von der Objektgesellschaft Obersendlinger Grund GmbH & Co. KG, die hier ein attraktives städtisches Wohnquartier errichten will, das sich in die vorhandenen Strukturen und aktuellen Planungen in Obersendling einfindet. Eine besondere Rolle spielt hier neben dem Gewerbeband Obersendling auch die Nähe zum Ratzingerplatz, der sich aktuell zu einem Quartierszentrum entwickelt. Um für diese Aufgabe eine in jeder Hinsicht optimale Lösung zu erhalten, hat die Grundstückseigentümerin in Abstimmung mit der Landeshauptstadt München für die Entwicklungsflächen Siemens-Parkplatz Gmunder Straße einschließlich einer kleineren Ergänzungsfläche an der Hofmannstraße einen Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgelobt.

Das Ergebnis des Wettbewerbes soll als Grundlage der Entwicklung des Planungsgebietes dienen. Grundlage der Wettbewerbsauslobung sind die im Eckdatenbeschluss der LH München vom 25.01.2017 genannten Rahmenbedingungen, Planungsziele und Vorgaben.

Ergebnis des Wettbewerbs:

Unter dem Vorsitz von Prof. Manfred Ortner entschied  die Jury:

1. Preis: Hierl Architekten, München mit Jühling&Partner Landschaftsarchitekten, München (siehe Visualisierung oben, Grundrissplan links oben)

2.Preis: prpm Architekten mit Lex Kerfers Landschaftsarchitekten, München (siehe Grundrissplan links)

3.Preis: Meck Architekten mit lohrer.hochrein landschaftsarchitekten (siehe Grundrissplan links unten)

Beurteilung des 1. Preise durch die Jury

"Durch die Setzung zweier Blockstrukturen entsteht auf dem Grundstück eine klare und robuste städtebauliche Figur, die zwischen Hofmann- und Gmunder Straße eine öffentliche Durchwegung über das Grundstück anbietet.   Der westliche, kleine Block setzt dabei die Bestandsbebauung konsequent fort, der östliche orientiert sich in der Dimensionierung an den östlich gelegenen Beständen an der Geltinger Straße. Ein nördlich angeordneter Ergänzungsbaustein nimmt die gleiche Formensprache auf, gerät in der allzu gleichen Konzeption allerdings qualitativ weniger überzeugend. Entlang der Straßenräume gelingt so eine überzeugende Einordnung. Neue Bauteile nehmen Traufhöhen und Dachformen auf und interpretieren sie skulptural weiter. Die höheren Bauteile im Innenbereich des Grundstücks werden durch schräge Traufen verbunden. Dies erzeugt ein eigenständiges Architekturbild, welches in seiner wiederholten Anwendung auf alle Baufelder allerdings anzuzweifeln ist.  Im Anschluss an die nördliche Grünverbindung entsteht durch Abrücken der Bauten eine interessante und als öffentliche Grünflächen generell gut zu nutzende Struktur. Sie verknüpft sich mit dem „harten“ Quartiersplatz als Gelenk, wobei die Übergänge zwischen großen und kleinen Räumen besser differenziert werden könnten. Der bei weitem größte zusammenhängende Freiraum entsteht allerdings im Inneren der östlichen Blockstruktur und ist nur möglich durch die konsequente Erschließung der Bebauung von der Außenseite. Dies setzt auch eine konsequente Durcharbeitung des Brandschutzkonzeptes voraus, die bislang nur angedeutet ist. Die Innenhofstrukturen nehmen auch die Freiflächen für die Kinderbetreuung auf. Somit verbleibt ein knappes, dennoch gut gefasstes öffentliches Raumgeflecht, welches durch eine Überprüfung der Erdgeschossnutzungen im Bereich des Quartierplatzes noch zu stärken wäre. In der architektonischen Durcharbeitung verbleiben offene Fragen: Einerseits bleibt der nur wenig durchgearbeitete Vorschlag Aussagen zur Ortspezifizität im Kontext und auf dem Areal selbst schuldig. Andererseits entstehen durch die kristallinen Anschnitte der Gebäudevolumen eine Vielzahl von Anschlussproblemen im Bereich der Fassade und der Loggien. Im Kontext verknüpft sich das Areal hervorragend zu benachbarten und ferneren Orientierungspunkten, Bebauungen und Nutzungen. Insgesamt betrachtet stellt damit der Beitrag einen wesentlichen Anstoß für die Neuentwicklung in Obersendling und die Vermittlung zwischen Neu und Alt dar."

Quellen: Competitionline, immobilienreport

Bildnachweise (von oben nach unten): Hierl Architekten / Jühling&Partner Landschaftsarchitekten