Pavillons für Millionen Chinesen und Inder

Die Bayerische Architektenkammer zeigt mit der Ausstellung „Low Cost Houses and Pavillons die vom Installationskünstler  Markus Heinsdorff realisierten Arbeiten anhand von Fotografien und Modellen. Der bei Erding geborene Künstler hat aus Materialien wie Bambus, Textilien und recycelten Müll Pavillons und Häuser in China, Indien und Südafrika entworfen, die von Millionen Besuchern genutzt werden.

 

Markus Heinsdorff wurde 1954 in Steinkirchen bei Erding geboren und wuchs südlich von München in Irschenhausen auf. Nach einer Ausbildung und Arbeit als Goldschmied, Holz- und Steinbildhauer studierte er 1976 bis 1981 abstrakte Bildhauerei bei Prof. Jacobsen an der Akademie der Bildenden Künste in München. In Auseinandersetzung mit anderen Kulturen entstanden Projekte, Installationen und Ausstellungen in Indien, Thailand, Indonesien, Vietnam, China, Taiwan, Ecuador, Brasilien, USA, Südafrika und zahlreichen europäischen Ländern unter anderem im Rahmen des Aschberg Programms der UNESCO, Goethe-Instituten und dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland.

Die Bayerische Architektenkammer zeigt noch bis 7. Februar in einer Ausstellung anhand von Fotografien und Modellen seine Arbeiten. Ein Bereich von Markus Heinsdorff geschaffene Arbeiten sind die Bambus- Bauten für China (2007-2010), ein weiterer die textilen Bauten für Indien (2011-2013). In China und Indien wurden insgesamt 33 unterschiedliche Raumkonstruktionen entwickelt. Sie haben auf den „Deutschland-Promenaden“, den von der Bundesregierung, den Bundesländern und dem Goethe-Institut organisierten und von prominenten deutschen Firmen beschickten großen Wander-Ausstellungen, als Veranstaltungshäuser, aber auch als begehbare Kunst-Objekträume gedient und wurden in dieser Zeit von Millionen Menschen besucht.

In China wurden für die Bauten neuartige Systeme entwickelt, bei denen Bambus-Naturrohr und Bambus-Laminat erstmals miteinander zu modernen Konstruktionen kombiniert wurden. Dazu gehörte auch das zweigeschossige Deutsch-Chinesische Haus, das auf der Expo Shanghai 2010 als zweiter deutscher Pavillon diente.

Die in Indien entstandenen Pavillons kann man als textile Architekturen bezeichnen, die den Themen Mobilität und Leichtbau besonders gerecht werden. Außerdem versuchen sie Antworten zu geben auf brennende Fragen wie Nachnutzung, Umweltfreundlichkeit, Realisierung im jeweiligen Land mit den Firmen vor Ort, Reparatur oder Recycling aller Komponenten.

Die Ausstellung zeigt die unterschiedlichen Entwicklungen, Konstruktionstechniken sowie Platzgestaltungen in den einzelnen Städten in Form von Video- und Bilddokumentationen, Beschreibungen, Modellen, Materialien und Plänen. Die Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Orten, mit dem Klima und den kulturellen Eigenschaften der jeweiligen Region haben zu vielfältigen gestalterischen und technischen Lösungen geführt.

Parallel zu den Pavillonbauten beschäftigte sich Markus Heinsdorff mit dem Thema low-cost Bau bzw. mit der Optimierung der bisherigen Enwicklungen zu diesem Bereich. Ab November 2013 initiierte und leitete er dazu Workshops mit der Cape Peninsula University of Technology in Kapstadt, Südafrika und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf mit ersten Gabionen-Experimenten bzw. deren Füllungen mit Recycling- material. In Kapstadt wurde dazu mit Müll aus der Umgebung gearbeitet. Dabei werden unterschiedlichste Möglichkeiten für ein optimiertes Raumklima, den Bewuchs mit Pflanzen, Einsatz transparenter Materialien für Lichtgestaltung sowie der Bau mit Gabionen als zukunftsweisendes Architekturthema erprobt. Ein anderer Workshop entstand mit der Technischen Universität München, Lehrstuhl für Holzbau, mit dem Bau eines Falthauses, das in verschiedenen Ländern als mobile Raumstruktur einsetzbar ist.

Im Vorfeld entstand die Planung und Ausführung einer Akademie im Regenwald Amazoniens für die beiden Orte Yuwientsa und Sharamentsa in der Provinz Morona Santiago, Ecuador. Beide Orte können nur auf dem Luftweg erreicht werden. Gebaut werden kann vorwiegend nur mit den natürlichen Ressourcen vor Ort. Daher sind die Bauten mit traditionellen Gestaltungsmöglichkeiten mit Holz, Steine, Lehm und Palmwedel geplant. Eines der Hauptgebäude in Yuwientsa wurde im Auftrag der Stiftung Amazonica 2011 fertiggestellt. Sie liegt im Gebiet der Shuar-Indios (2°09’50’’ Süd, 77°34’40’’ West). Das geschlossene Waldgebiet darum misst 20.000 km2 und ist weitgehend Primärwald und gehört zu den artenreichsten Regionen der Erde.

Ein weiteres Ausstellungsthema beschäftigt sich mit Wasser. Bei dem gezeigten Exponat „Rotor“ handelt es sich um ein Kunstobjekt, das als mobiles Wasser-Kleinkraftwerk Strom erzeugen kann. Als low-cost-Energieproduzent kann es vor Allem in Gegenden der Welt eingesetzt werden, die über kein Stromnetz, aber über Fließgewässer verfügen. Im Oktober 2013 wurde der „Rotor“ als einer von 23 Finalisten mit dem „empowering people Award“ der Siemens Stiftung ausgezeichnet. Außerdem erhielt er den Designpreis des Arbeitskreises Recycling e.V.

 

Markus Heinsdorff:

Low Cost Houses and Pavillons

Ausstellungszeitraum: bis 7. Februar 2014

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9.00 bis 17.00 Uhr Freitag 9.00 bis 15.00 Uhr Feiertags und am Wochenende geschlossen, Eintritt frei

Ort: Bayerische Architektenkammer

Haus der Architektur

Waisenhausstraße 4

80637 München

 

Bilder: Markus Heinsdorff