Ikonen der Gartenarchitektur

Das Architekturmuseum Schwaben in Augsburg zeigt eine eindrucksvolle Ausstellung. Studierende der Hochschule Karlsruhe präsentieren unter der Regie ihres Lehrers Günter Mader mehr als 30 stilbildende Gartenanlagen – vom alten Ägypten über die englischen Landschaftsgärten bis zum heutigen Olympiapark München.

 

Der historische Abriss beginnt mit dem Garten des Sennefer aus dem ägyptischen Theben (siehe Modell links). Er war der Sohn des Vorstehers des Büros von Watet-Hor Haydjehuty und der Zatdjehuty. Sein Garten wurde mehr als vor 3500 Jahre angelegt und ist in einer Wandmalerei überliefert. Es ist das älteste Dokument in der Geschichte der Gartenarchitektur.

Es folgen Renaissancegärten wie der von der Villa Lante im italienischen Bagnaia von Giacomo Barozzi da Vignola (1507 – 1573). Der Garten erzählt die Geschichte des verlorenen Paradieses, das wiederentdeckt wurde.

Wasser spielt im Renaissancegart der Villa Lante (Bild links unten) eine wichtige Rolle: ein System von Brunnen und Wasserläufen zieht sich über die gesamte Hügelflanke. Der Park ist ein frühes Beispiel für die Symbiose von Natur- und Kulturlandschaft. So liegt in seinem Zentrum eine quadratische Brunnenanlage (Fontana del quadrato) mit einem kreisförmigen Becken in der Mitte. Hinter den Zwillingsbauten der Casini steigt das Gelände an und in dieser ersten Stufe liegen der Lichterbrunnen und die Grotten der Venus und des Neptun. Oberhalb weitet sich das Gelände zu einer Terrasse, die in der Mitte von einem steinernen Tisch (Die Tafel des Kardinals) beherrscht wird, der in der Längsachse eine mit Wasser gefüllten Rinne aufweist.

 

Hangwärts erhebt sich schließlich der Gigantenbrunnen der von einer Wasserkette gespeist wird. Die oberste Terrasse ziert der achteckige Delfinbrunnen mit mehreren übereinanderliegenden Schalen. Den Abschluss bilden die zwei Loggien der Musen. Sie umschließen eine Grotte in der die Quelle entspringt, die den Wassergarten speist.

Als Beispiel eines pompösen Barockgärten wird der Parx des Château Vaux-le-Vicomte in Melun von Andrá Le Nôtre (1613-1700), dem obersten Gartenarchitekten von König Ludwigs XIV, vorgestellt. Die Anlage gilt als erster Barockgarten im französischen Stil. Er nimmt die Gedanken der Gartenanlage in Versailles vorweg: Es herrscht eine streng geometrische Ordnung. So sind von der Schlossterrasse aus die quer verlaufenden Wasserbecken nicht zu sehen, sondern tauchen durch die verschiedenen Höhenebenen beim Spazieren im Park wie von Zauberhand plötzlich auf. Auffallend sind die klaren Sichtachsen, die sich vom Schloss aus sowie von bestimmten Punkten des Parks durch die Anlage und die umgebenden Parkwälder ergeben.

Natürlich werden auch Ausstellungsstücke von Stourhead Garden (großes Aufmacherbild ganz oben sowie Bild links) als Beispiel eines frühen und einflussreichsten englischen Landschaftsgarten gezeigt. Der Banker Henry Hoare gestaltete das von seinem Vater geerbte Anwesen nach seiner Grand Tour in Italien unter dem Einfluss der venezianischen Villen Andrea Palladios und auf Inspiration der italienischne und französischen Landschaftsmalerei des 16. Jahrhunderts mit dem Architekten Henry Flitcroft völlig um.

Es handelt sich um einen so genannten Binnengarten, was bedeutet, dass die Blick- und Wegebeziehungen auf ein Zentrum, hier den See, bezogen sind und nicht in die umliegende Landschaft führen. Den Kern des Landschaftsgartens bildet das Tal mit den Quellen des Flusses Stour, die durch einen Damm zu einem See gestaut werden. Vom Haus aus führt ein Rundweg entgegen dem Uhrzeigersinn um den See herum und bietet zauberhafte Ausblicke auf den See, den Park und seine Bauten. Die Besucher werden beispielsweise von der Palladianischen Brücke mit einem herrlichen Blicken zum Apollotempel belohnt. Der Park gilt als einer der schönsten der Welt.

 

Mit mehr als 160.000 Besuchern gelten auch die Gärten von Sissinghurst Castle zu den weltweit beliebtesten Gartenanlagen. Er wurde von der Schriftstellerin Vita Sackville-West und ihrem Mann, dem Diplomaten Harold Nicolson, um 1930 angelegt. Sie unterteilten das rund fünf Hektar große Gelände in zehn abgeschlossene Gartenräume. Als Wände dienen mehr als mannshohe, akkurat geschnittene Eibenhecken sowie erhaltene Mauern ehemaliger Gebäude. Jeder der „Gärten im Garten“ hat ein bestimmtes Thema. So gibt es den Weißen Garten, den Rosengarten und den Kräutergarten. Die Gestaltung des Gartens verbindet eine große Schlichtheit der Gesamtanlage mit opulenter Bepflanzung.

Auch München ist in der bis zum 4. Mai gezeigten Ausstellung mit dem von Günther Behnisch und Günther Grzimek 1967 bis 1968 entworfenen Olympiapark und dem von Peter Walker und Rainer Schmidt gestalteten Grünbereich beim Hotel Kempinski am Münchner Flughafen vertreten.

 

Der Olympiapark München (Bild links) markiert den Beginn einer neuen Ära in der deutschen Landschaftsgestaltung, entsprechend dem allgemeinen gesellschaftlichen Umbruch der 60er und 70er Jahre. Auch die Grünplanung sollte nun "demokratisch" werden. Günter Grzimek (1915-1996) setzt dies am konsequentesten um. Er entwarf keine Freiräume für Privilegierte, sondern will eine optimale Grünversorgung für alle Schichten der Bevölkerung. Die Benutzbarkeit war ihm wichtiger als eine gestalterische Idee. Dass der Olympiapark dennoch hohe ästhetische Qualität aufweist, liegt nach Grzimek daran, dass der Park "seine Gestalt bis in die Details hinein von einer Ästhetik des Selbstverständlichen ab[leitet], die im Sinne einer humanen Ökologie die freie und aktive Selbstverwirklichung seiner Benutzer zum obersten Kriterium macht." (Quelle: Günther Grzimek, Stefan Rainer, 1983) "Wenn wir etwas machen, dann dürfen wir nicht etwas machen, was so ist, dass man sagt, ach, das hat der Grzimek gemacht, sondern wir müssen es so machen, dass es selbstverständlich ist. Dass man einfach sagt, ich hab mich sauwohl gefühlt [...] Wir haben einen Gebrauchsgegenstand machen wollen.”

Die Erforschung berühmter Gartenanlagen war Ausgangspunkt der an der Hochschule Karlsruhe konzipierten Ausstellung. Mehr als 30 Modelle und zahlreiche Abbildungen bieten Einblick in die Gartenarchitektur verschiedener Länder und Epochen. Das Spektrum reicht von der ägyptischen Antike über Renaissance und Barock, Moderne und Postmoderne bis hin zu aktuellen Projekten.

 

Ikonen der Gartenarchitektur

Ort: Architekturmuseum Schwaben,
Buchegger-Haus,
Thelottstraße 11, 
86150 Augsburg

Dauer: bis 4. Mai 2014

Öffnungszeiten:  täglich außer Montag, 14 – 18 Uhr

 

Weitere Informationen:

Architekturmuseum Schwaben: Ikonen der Gartenarchitektur

 

 

Bildquellen: Stourhead Garden, Steinbrücke in Stourhead  – Hans Bernhard; Stourhead Garden Temple of Flora and Bridge – Josep Renalias; Sissinghurst, Blick in den Kräutergarten – Odl; Olympischer Park München – Ulrich Lohrer