Innsbrucker Ring: GEWOFAG baut 136 Wohnungen nach 03 Arch

Das Preisgericht unter dem Vorsitz des Architekten Markus Allmann entschied sich bei dem Realisierungswettbewerb unter 13 beteilgten Planungsteams für den Entwurf der Münchner  03 Architekten mit verde Landschaftsarchitekten. An der Ecke zur Grafinger Straße sollen außer 136 Wohnungen auch eine Kinderkrippe, ein Supermarkt und eine Drogerie entstehen.

 

Die architektonische Herausforderung war es, in dem stark befahrenen Abschnitt des Mittleren Rings ein vom Lärm abgeschirmtes Wohnquartier im Stadtbezirk Berg am Laim für die städtische Wohnungsgesellschaft GEWOFAG zu entwerfen (siehe Karte von 03 Architekten links unten).

Am Abschnitt Innsbrucker Ring soll eine Lärmschutzbebauung dafür sorgen, dass die Stadt weiter verdichtet, die Wohnungen darin und eine bestehende Zeilenbausiedlung aber zugleich von der Lärmbelastung abgeschirmt werden. Neben den für unterschiedliche Lebensphasen geeigneten Wohnungsgrundrissen soll die bestehende Kinderkrippe durch eine neue ersetzt werden und zum Innsbrucker Ring eine optische Visitenkarte entstehen. Im Erdgeschoss ist eine gewerbliche Nutzung vorgesehen.

Die Jury unter Vorsitz von Professor Markus Allmann (Allmann Sattler Wappner) begründete ihr Urteil zugunsten des Entwurfs von 03Architekten (Aufmacherbild oben, Plan links und Bild darunter)  unter anderem mit dem „starken Impuls“, den die Arbeit zum Innsbrucker Ring hin setzt. Sie lobte die „eigenständige Haltung und Architekturgestaltung,“ die der Entwurf vermittelt. „Zudem fügt sie sich grundsätzlich in Maßstab und Duktus gut in das Gesamtquartier ein und schließt dieses angemessen nach Norden und Westen ab. […] Die architektonische Ausgestaltung der Straßenfassade weist einen hohen gestalterischen Anspruch auf“, so die Jury weiter. 

„Gerade am Innsbrucker Ring ist die architektonische Qualität für uns besonders wichtig“, sagt Gordona Sommer, Geschäftsführerin der GEWOFAG. „Die Fassade des Siegerentwurfs ist ein Blickfang, der einen ausdrucksstarken Identifikationspunkt darstellt.“ Das Gebäude hat eine weitere wichtige Funktion: Es schirmt die geplanten Freiflächen und das Quartier dahinter gegen den Straßenlärm ab. „So entsteht ein Maximum an Wohn- und Aufenthaltsqualität für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner. Gleichzeitig entstehen mit dem Einzelhandel und der Kinderkrippe notwendige Einrichtungen“, sagt Gordona Sommer. 

Das Gebäude schließt die Siedlung rund um den Piusplatz entlang des Innsbrucker Rings und der Grafinger Straße ab. Den Sockel belegen die Flächen für den Einzelhandel und die Kinderkrippe, die Zugang zu den Grünflächen im Innenhof bietet.

Wohnraum für Auszubildende

Die Azubi-Apartments darüber orientieren sich um den gemeinsam genutzten Hof. Im „Hochpunkt“, der die Ecke zur Grafinger Straße markiert, befinden sich die geförderten Wohnungen.

Insgesamt errichtet die GEWOFAG auf dem Grundstück 136 Wohnungen, davon 112 Azubi-Apartments und 24 geförderte Wohnungen mit jeweils einem Gemeinschaftsbereich. Die Azubi-Wohnungen sind sowohl für die GEWOFAG als auch für die Stadt München ein Pilotprojekt – bisher gab es in München nur Wohnheime für Auszubildende. Ein Drittel der Wohnungen ist für Auszubildende der Stadt München vorgesehen, ein Drittel für Azubis anderer Unternehmen, ein Drittel wird von der GEWOFAG an Azubis mit Wohnberechtigungsschein vermietet. 

Bislang fehlten ein Supermarkt und eine Drogerie im Quartier. Die GEWOFAG schließt nun diese Lücke in der Nahversorgung. Die städtische Kinderkrippe an der Grafinger Straße, die sich momentan auf dem Gelände befindet, wird für die Dauer der Bauarbeiten in Containern untergebracht. Nach der Fertigstellung gibt es dort sechs – statt wie bisher vier – Gruppen.

Die Gewinner konnten sich gegen ein starkes Wettbewerbsumfeld durchsetzen. Die prämierten Entwürfen gingen dabei an folgende Planungsbüros:

1. Preis: 03 Architekten, München, mit verde Landschaftsarchitektur, Freising


2. Preis: Stefan Forster Architekten (Bild links) mit HKK Landschaftsarchitektur, beide Frankfurt


3. Preis: Maier Neuberger Projekte (Bild unten links) mit realgrün Landschaftarchitekten, beide München


4. Preis: Steidle Architekten mit t17 Landschaftsarchitekten, beide München (Bild ganz unten links)


5. Preis: Florian Krieger Architekten, Darmstadt, mit Grabner+Huber Landschaftsarchitekten, Freising

Die Gewinner erläuteren ihren Konzept wie folgt: „ An einer Verkehrsader kann auch die Kreuzung mit der Grafinger Straße räumlich gefasst und zu einem städtischen Raum mit belebten Fassaden verändert werden. 
Der neue Baustein markiert diesen Umbruch und stellt zugleich den Abschluss der Siedlung rund um den Piusplatz her. 
Unser Ziel ist es mit einer einfachen Geste eine einladende und urbane Atmosphäre zu schaffen und zugleich Wohnungen anzubieten deren räumliche Qualität und dessen Umfeld für alle Bewohnergruppen ein Zuhause schafft.

Der Morphologie der Siedlung und der Stadt folgend schließt der Entwurf mit durchgehender Traufhöhe und die Richtungen der Umgebung aufnehmend die Ecksituation und bietet mit einer behütenden Geste den nötigen Schallschutz für die Wohnnutzung und das gesamte dahinter liegende Quartier. 
Im Inneren der Siedlung wird der hochwertige Altbaumbestand erhalten, die räumliche Großzügigkeit der Siedlung setzt sich hier fort. Ein turmartiges Gebäude markiert im Inneren das Abknicken der Straße und ist visueller Ankerpunkt für die übergreifenden Nutzungen Einzelhandel, Kinderkrippe und Quartiersgarage.

Die einzelnen Volumina beherbergen die unterschiedlichen Nutzungen. Der Sockel wird von den öffentlichen Nutzungen Einkaufen und Kinderkrippe belegt. Im Turm befinden sich die KomPro-Wohnungen, über dem Einzelhandel und der Kinderkrippe orientieren sich die Azubi-Apartments um einen gemeinsam genutzten Hof. 
Gestaffelte und differenzierte Freiflächen bieten den unterschiedlichen Nutzern unterschiedliche Qualitäten.

Das gesamte Gebäude wird in eine zweite, abstrakte Haut gehüllt. Der Sockel ist mit einer durchgehenden Profilglas-Fassade gestaltet. Großzügige, verglaste Einschnitte markieren die Eingänge zu den Nutzungen.
In den Wohngeschossen erzeugt ein Wechsel von verglasten und blechverkleideten Flächen ein abstraktes Bild zur viel befahrenen Kreuzung. Die Fassaden hinter diesem abstrakten Kleid sind herkömmliche Putz-Fassaden, die das Farbspektrum der Siedlung aufnehmen. Bei Nacht entsteht so ein spannungsvolles Bild, das sich in den zeitgenössischen Kontext des Innsbrucker Rings einfügt. Durch die verschiebbaren Lochblech-Elemente entsteht ein sich stetig änderndes Bild, das die Nutzer widerspiegelt und neben dem Sonnenschutz auch die notwendige Privatheit für die Bewohner herstellt. Die umlaufende zweite Schicht mit Balkon und Laubengang-Bereichen lässt ein offenes, großzügig wirkendes Gebäude entstehen.

In der Hofebene ist ein Gemeinschaftsraum vorgesehen, dem eine Terrassenfläche zugeordnet ist. Mittelgroße Bäume im Hof gewähren visuellen Sichtschutz und Privatheit. Dies wird zusätzlich unterstützt durch eine leichte Modellierung der Freifläche.“ 03 Architekten

 

Quellen:

Pressemeldung GEWOFAG von 23.04.2013

03 Architekten

Bilder:

GEWOFAG, Architekten