Ismaning: Ein Schloss mit wechselhafter Geschichte

Vom Freisinger Bischof zum Renaissanceschloss erbaut, später im Barockstil umgewandelt, wurde es 1816 vom Stiefsohn Napoleons erworben und von Leo von Klenze klassizistisch umgewandelt. Heute residiert der Bürgermeister im Schloss Ismaning.

 

Bereits um 1520 ließ der Domkanoniker Jakob Haushaimer in Ismaning ein Herrenhaus erbauen. Dieses blieb nach dem Tod des Haushaimers unvollendet und ging 1526 an den Wittelsbacher Philipp von der Pfalz (1480 – 1541), Bischof von Freising, über. Der ließ das dreigeschossige Walchdachhaus mit vier Ecktürmen im Renaissancestil schließlich 1530 fertig stellen.

Rund 185 Jahre später gab der damalige Fürstbischof von Freising, Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (1649 – 1727) den Auftrag das Gebäude abzureißen und ließ von 1716 bis 1718 das Schloß Ismaning errichten. Architekt und Baumeister der Zweiflügelanlage, die Eckher als fürstbischöfliche Sommerresidenz dienen sollte, war der Freisinger Hofbaumaurermeister Dominikus Glasl (auch Gläsl geschrieben, 1660 – 1731). Die Innenausstattungen stammen unter anderem von den Malern Franz Joseph Lederer und Joseph Offenhuber, dem Bildhauer Franz Anton Mallet, die Stukkaturen in der Kapelle sogar von Johann Baptist Zimmermann. Doch davon blieb nichts erhalten. Bereits 1728 fanden Umgestaltungen und 1757 ein tiefgreifender Umbau durch Leonhard Matthäus Gießl statt.

Im Jahre 1806 hatte Eugène-Rose de Beauharnais, der Stiefsohn des französischen Kaiser Napoleon, auf dessen Anweisung, die 17-jährige Auguste Amalia Ludovika, Prinzessin von Bayern geheiratet. Damit wollte Napoleon das Bündnis mit Bayern besiegeln, zumal er Auguste Amalias Vater im gleichen Jahr zum ersten König von Bayern erhoben hatte. Nach Napoleons endgültigem Sturz 1815 ließ sich Eugène de Beauharnais mit seiner Familie in München nieder und wurde auf Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten Maximilian Graf von Montgelas von seinem Schwiegervater König Maximilian Joseph I von Bayern zum Herzog von Leuchtenberg ernannt. Als Sommersitz erwarb 1816 der neue Fürst Schloß Ismaning und ließ es durch Leo von Klenze, der für ihn auch das Palais Leuchtenberg in München errichtete, im klassizistischen Stil umbauen. Klenze hatte für seinen Bauherren für das Schloß Ismaning ursprünglich einen umfangreichen Umbau in eine stattliche klassizistische Dreiflügelanlage mit dreibogigem Portikus zentralen Treppenhaus und einem Theater geplant. Nachdem sich diese Pläne aber nicht verwirklichen ließen, begnügte sich der Architekt mit einer einfachen Neugestaltung der Fassade und einigen Veränderungen im Innern, die von seinem Maurermeister, dem späteren Bauunternehmer Rudolf Röschenauer, ausgeführt wurden. 1838 ließ Maximilian von Leuchtenberg (1817 – 1852), der Sohn von Eugène de Beauharnais und Auguste Amalie von Bayern, durch Jean Baptiste Metivier zwei Prunksäle, ein Musikzimmer (Blauer Saal) und der Speisesaal (Napoleonsaal), gestalten. Der Napoleonsaal befindet sich in der Südwestecke des Schklosses und erstreckt sich über eineinhalb Stockwerke. Die flächendeckende Gewölbe- und Wandmalereien der Säle im pompejanischen Stil werden Joseph Robert von Langer, Eugen Napoleon Neureuther und Joseph Anton Schwarzmann zugeschrieben.

1824 war de Beauharnais, 1951 seine Gemahlin Amalie verstorben. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wechselte das Schloß Ismaning mehrfach den Eigentümer: 1854 wurde das Schloß Ismaning von Carl Julius Cäsar Freiherr von Bethmann gekauft, 1871 kam es in den Besitz von Richard Wilderich Graf von Waldersdorff und 1894 wurde Michael Ritter von Poschinger der Eigentümer des Schlosses, der er 1899 an die Stadt München veräußerte.  

Seit 1919 ist das Schloß Ismaning im Eigentum der Gemeinde Ismaning und dient seit 1934 als Rathaus. Es wurde 1966 außen und 1979 innen (insbesondere die historischen Säle) restauriert.

Quelle: Georg Paula, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landkreis München, Seite 138

Bildnachweis: Schloß Ismaning, Foto Ulrich Lohrer