Kreuzviertel: Zwischennutzung von KF1 wegen Rechtsstreit

Die Bayerische Hausbau will in der Kardinal-Faulhaber-Straße (KF1) eine Fünf-Sterne-Hotel mit rund 150 Zimmern und Prannerstraße 4 rund 40 Wohnungen, Ladeneinheiten) errichten. Weil zwei Nachbarn gegen das Projekt klagten, soll das Ensemble nun vorübergehend anders genutzt werden.

 

Obwohl für die Projekte bereits Baugenehmigungen vorlagen, haben diese noch nicht Rechtskraft erlangt, da zwei Nachbarn dagegen Klage erhoben haben. Die Klagebegründungen liegen ihr jedoch größtenteils noch nicht vor. Die Bayerische Hausbau wird die hohen Investitionen in die Bauvorhaben deshalb erst dann tätigen, wenn sie hierfür Rechtssicherheit erlangt hat.

Vor diesem Hintergrund wird die Bayerische Hausbau das Objekt an der Kardinal-Faulhaber-Straße im Herzen der Münchner Altstadt einer vorüber­gehenden Nutzung bis Ende 2018 zuführen.

Natürlich ist es weiterhin das Ansinnen der Bayerischen Hausbau, diesen zentral gelegenen Standort, der bislang ausschließlich gewerblich genutzt wurde, durch eine gemischte Nutzung zu bereichern und zu beleben. 

Quelle: Pressemeldung Bayerische Hausbau 30.09.2016

 

Oktober 2014: Kreuzviertel: Krieg der Sterne

Die Schörghuber-Unternehmensgruppe hat ihre Karten auf den Tisch gelegt, was mit den ehemaligen Liegenschaften der HypoVereinsbank geschehen soll: Im Ensemble an der Kardinal-Faulhaber-Straße wird ein Fünf-Sterne Hotel entstehen. Vom benachbarten Bayerischen Hof wird Sturm gelaufen

 

Die Bayerische Hausbau plant das 2011 erworbene Areal um die Kardinal-Faulhaber-Straße unter Berücksichtigung des bestehenden Denkmalschutzes und dem Erhalt der historischen Fassaden teilweise neu- und umzugestalten. Zu dem Ensemble zählen das Gebäude der ehemaligen Bayerischen Staatsbank an der Kardinal-Faulhaber-Straße 1, das Palais Neuhaus-Preysing an der Prannerstraße 2 und 4 sowie die Salvatorstraße 11 und 13 im Kreuzviertel der Münchner Altstadt.

 

Nun liegen die Karten auf dem Tisch: Am 9. Oktober stellte Jürgen Büllesbach, Chef der Bayerischen Hausbau, in einer Bürger-Informationsveranstaltung im Literaturhaus sein neuestes Altstadtprojekt vor: Im Gebäude der ehemaligen Bayerischen Staatsbank und dem angrenzenden Palais Neuhaus-Preysing will das Schörghuber-Unternehmen bis 2019 ein Fünf-Sterne-Hotel mit rund 150 Zimmern integrieren.

Die Bayerische Hausbau hatte diese und weitere Gebäude im Kreuzviertel von der HypoVereinsbank erworben und an diese vermietet: Doch bald werden die Banker ausziehen und unter anderen den sanierten HVB-Tower im Arabellapark beziehen.

Ein 1970er-Jahre-Beton-Bau gegenüber dem Palais Neuhaus-Preysing in der Prannerstraße 4 / Salvatorstraße 13 (siehe Bild links, Prannerstraße - von links nach rechts: Siebziger-Jahre-Gebäude, Palais Neuhaus-Preysing, Bayerisches-Staatsbank-Gebäude) soll abgerissen werden. Es soll durch ein sechsgeschossiges Wohnhaus mit zirka 60 Wohnungen auf rund 7.800 Quadratmeter Geschossfläche ersetzt werden. In die Erdgeschosflächen werden kleine Ladeneinheiten integriert. Zudem soll eine Tiefgarage mit etwa 80 Stellplätzen errichtet werden. Für diesen Neubau wird in Kürze ein Realisierungswettbewerb ausgelobt.

Das weitaus größte Vorhaben ist jedoch das Hotelprojekt: In die Gebäude der ehemaligen königlichen Filialbank und der Bayerischen Staatsbank an der Kardinal-Faulhaber-Straße 1 und in das Palais Neuhaus-Preysing in der Prannerstraße 2 plant die Bayerische Hausbau ein Fünf-Sterne-Hotel mit rund 150 Zimmern auf insgesamt 17.000 Quadratmeter Geschossfläche zu integrieren.

Die prunkvollen historischen Fassaden der Gebäude bleiben dabei vollständig erhalten, ebenso bleiben die unter Denkmalschutz stehenden Bauteile, wie beispielsweise die Treppenhäuser in der Kardinal-Faulhaber-Straße 1 und der Preysing-Saal, bestehen.

„Wir sind gespannt auf den Realisierungswettbewerb und die Entwürfe der Architekturbüros: Es ist eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe eine architektonische Lösung für einen Wohnneubau zu finden, der sich harmonisch in die gewachsene Struktur aus Gebäuden mit denkmalgeschützten Fassaden einfügt“, so Büllesbach.

Der prunkvolle dreigeschossige Neubarockbau der ehemaligen Bayerischen Staatsbank wurde 1893/94 vom Architekten Albert Schmidt errichtet und 1907 nach Norden erweitert. Bedingt durch Schäden im Zweiten Weltkrieg wurde das Innere des Gebäudes beim Wiederaufbau durch den Architekten Sep Ruf fast vollständig neu gestaltet. In den Jahren 2000 bis 2005 wurde es durch die Architekten Guido Canali und Gilberto Botti nahezu vollständig entkernt und komplett erneuert.

Das benachbarte Palais Neuhaus-Preysing lässt sich mit seiner mit Stuck versehenen, streng gegliederten Rokokofassade nicht eindeutig einem Entwurfsverfasser zuordnen, es wird jedoch zumeist Francois de Cuvilliés d. Ä oder seinem Umkreis zugeschrieben. Im Zweiten Weltkrieg wurde es bis auf die Fassade vollständig zerstört. In den Jahren 1956 bis 1958 setzte Erwin Schleich einen Neubau hinter die historische Fassade.

Eine Besucherin protestierte: Das neue Hotel werde zu einem Verkehrschaos führen. „An der Kardinal-Faulhaber-Straße hängt das Herz von einigen“, so Innegrit Volkhardt, Eigentümerin und Managerin des Hotels Bayerischer Hof (Bild links u).

Frau Volkhardt hat ein Verkehrsgutachten erstellen lassen und Klage gegen den Bauvorbescheid der Stadt München eingereicht. Die Hotelière setzt sich damit aber den naheliegenden Verdacht aus, dass sie das weniger hehre Ziel verfolgt, lästige Konkurrenz zu verhindern. Ihr Bayerischer Hof, Deutschlands umsatzstärkstes Hotel (siehe Tabelle), befindet sich direkt auf der gegenüberliegenden Seite der Prannerstraße. 

Kompetenz im Hotelgeschäft ist bei der Schörghuber-Unternehmensgruppe zu erwarten, da Hotels (Arabella Hospitality SE)  neben der Immobilien- und der Brauereisparte das dritte Standbein des Konzerns sind. Alexandra Schörghuber, die seit dem Tod ihres Mannes Stefan mit Klaus Naeve die Unternehmensgruppe leitet, ist ausgebildete Hotelkauffrau und lange in der Branche tätig.

Mit dem Hyatt Andaz im Schwabinger Tor und dem Ramada im Bogenhausener Tor entstehen weitere Luxushotels und das Hotel Königshof am Stachus wird neu gebaut. Und das ist gut so: Wettbewerb belebt das Geschäft.

Fotos: Bayerische Hausbau