Karl Blossfeldt: Die Werkstatt der Natur

Auf den ersten Blick scheinen die Bilder schmiedeeiserne Treppengeländer und Gartenzäune oder asiatische  Türme darzustellen. Doch bei den Fotografien von Karl Blossfeldt, die in einer Ausstellung in der Pinakothek der Moderne gezeigt werden, handelt es sich um Haarfarn und Schachtelhalme – also um Pflanzen.

 

 

Die Pflanzenfotografien des Hochschullehrers und Bildhauers Karl Blossfeldt (1865–1932) zählen zu den Meilensteinen der Fotografie des 20. Jahrhunderts. Aus Anlass des 150. Jubiläums seines Geburtstages ehrt die Stiftung Ann und Jürgen Wilde/Pinakothek der Moderne, München den Künstler mit einer Ausstellung zu Leben und Werk.
Die Stiftung Ann und Jürgen Wilde beherbergt unter anderem das Karl Blossfeldt Archiv mit einem weltweit einzigartigen Bestand an originalen Fotografien, Negativen und Dokumenten von Karl Blossfeldt. Rund 100 Fotografien und eine Auswahl großformatiger Arbeitscollagen ergänzt um Dokumente, Korrespondenzen, Zeichnungen etc. beleuchten die Persönlichkeit und das Werk Karl Blossfeldts von seiner frühen Ausbildungszeit zum Modelleur und Kunstgießer, über seine Lehrtätigkeit an der Königlichen Kunstgewerbeschule Berlin.

Blossfeldt verwendete die Fotografien als Vorlagen für seine Studenten an der Kunstgewerbeschule in Berlin, wo er seit 1899 als Dozent für das Lehrfach „Modellieren nach Pflanzen“ zuständig war. Durch die 12- bis 45-fache Vergrößerung der oft winzigen Vorlagen wurde das Übertragen in Ton oder Gips um einiges einfacher und die Formenvielfalt der Gewächse erst so recht sichtbar. Der Galerist Karl Nierendorf öffnete Blossfeldt selbst die Augen für die künstlerische Qualität seiner Fotografien. Nach der ersten Ausstellung 1926 folgte zwei Jahre später mit einem Bildband der "Donnerschlag", wie es ein Schüler Blossfeldts ausdrückte: Das Fotobuch "Urformen der Kunst" war rasch vergriffen, Rezensenten wie Walter Benjamin überschlugen sich geradezu vor Begeisterung über Blossfeldts streng formale Pflanzenaufnahmen. Doch nicht im Traum wäre dem bescheidenen Amateurfotografen eingefallen, das Lehren nun gegen die Kunst einzutauschen. Und genau hier liegt der Schlüssel zum Verständnis Blossfeldts und seines Werks: Er wollte immer vermitteln, den Blick auf die Natur und ihren Reichtum an inspirierenden Formen schärfen.

In diesem Sinne präsentiert die Münchner Pinakothek der Moderne auch kaum bekannte Seiten seines Schaffens.

Karl Blossfeld: Aus der Werkstatt der Natur

Ort: Pinakothek der Moderne – Sammlung Moderne Kunst

Zeit: Ausstellung bis 25.10.2015;

Bilder: Karl Blossfeldt, Equisetum hyemale – Winterschachtelhalm, vor 1929, Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München (links); Eryngium bourgatii– Mannstreu, vor 1928, Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München; Adiantum pedatum (Haarfarn), 1900-1926, Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München; Dipsacus laciniatus– Weberdistel, vor 1927, Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München