Palais Maffei: Der Palast des Lokomotivenfabrikanten

Der Industrielle und Bankier Hugo Ritter von Maffei galt zur Prinzregentenzeit als reichster Mann Bayerns. In der Nähe des Königsplatzes ließ er sich von dem Architekten Albert Schmidt seinen Palast errichten.

 

Von seinem Onkel, Joseph Anton von Maffei, einem der Wegbereiter der Eisenbahn in Bayern, hatte der Jurist Hugo von Maffei (1836 – 1821) 1870 die in der Hirschau im Englischen Garten in München gelegene Lokomotiv- und Maschinenfabrik J. A. Maffei geerbt. Er konnte das Lokomotivgeschäft durch geschickte Akquise neuer Aufträge ausweiten und ließ 1895 das Tivoli-Kraftwerk zur Stromerzeugung seiner Fabrik erbauen. 1907 erwarb er die Berliner Maschinenbau (Schwarzkopf-Werke) und produzierte mit deren Hilfe 1910 seine erste Elektrolokomotive. Zudem betätigte er sich über die seit 1802 bestehende Maffei Bank erfolgreich in der Finanzbranche. So war er 1880 an der Gründung der Münchner Rückversicherung und 1890 an der Gründung der Allianz beteiligt. Vor dem Ersten Weltkrieg galt er als reichster Mann Bayerns, verlor jedoch große Teile seines  Reichtums ab dem Krieg.

1892 hatte sich Maffei von dem Architekten Albert Schmidt das Palais Maffei in der Meiserstraße (heute Katharina-von-Bora-Straße 11) gegenüber dem Königsplatz in der Maxvorstadt errichten lassen. Der freistehende viergeschossige Palast zeichnete sich durch eine repräsentative neubarocke Gliederung und reiche Dekoration aus, auf deren Wiederherstellung allerdings nach den Schäden aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges weitgehend verzichtet wurde.

Nach dem Wiederaufbau wurde in das Palais Maffei zunächst das Landesentschädigungsamt untergebracht. 1981 erwarb die Evangelisch Lutherische Landeskirche die Immobilie und erweiterte es durch einen von den Architekten Michael Gaenßler und Theodor Hugues entworfenen Neubau für das Rechenzentrum.

 

Quelle: Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Denkmäler in Bayern – Landeshauptstadt München – Mitte, Band 2; Seite 651 - 652

Bildnachweis: Fotos von Ulrich Lohrer