Klaus Kinold: Fotografien der Werke von Döllgast und Schwarz

Für den in München lebenden bekannten Fotograf Klaus Kinold nimmt das Schaffen der Architekten Hans Döllgast (1891 – 1974) und Rudolf Schwarz (1897 – 1961) nimmt eine zentrale Rolle ein. Nun zeigt eine Ausstellung in Innsbrucks Kinolds Fotografien der Bauten der zwei Baumeister der anderen Moderne.

 

Fasziniert von deren materiell zurückhaltender und stark auf den Raum wie die Atmosphäre ausgerichteter Architektur, widmete sich Klaus Kinold ab den frühen 1980er Jahren aus Empathie Hans Döllgast und Rudolf Schwarz, den beiden „Baumeistern der anderen Moderne“, die – entgegen den Vertretern der sogenannten „radikalen Moderne“ – einen zurückhaltenden und in gewissem Sinne „konservativen“ Ansatz verfolgten.

Was Klaus Kinold als Architekturfotograf auszeichnet, ist das umfassende Verständnis für ein Bauwerk, das er sich über seine Ausbildung als Architekt – er studierte in den 1960er Jahren in Karlsruhe bei Egon Eiermann – erworben hat. Bevor er mit dem Fotografieren beginnt, setzt er sich intensiv mit dem Bauwerk auseinander, eignet sich den Bau in seiner architektonischen Struktur und mit allen Details an und sucht jene Stand- punkte, von denen aus das architektonische Konzept am besten erfasst werden kann. Denn ihm geht es darum, ein Bauwerk fotografisch so wiederzugeben, dass die Kern- idee des Architekten ersichtlich wird. Seinem Leitsatz „Ich will Architektur zeigen,

wie sie ist“ folgend überführt er die Ästhetik, Konstruktion und Materialität eines Gebäudes in – vorzugsweise schwarz-weiße – Bilder von distanzierter Sachlichkeit.

Hans Döllgast (1891 – 1974) ist vor allem für seine „schöpferischen Wiederherstelungen“ von kriegszerstörten Bauten in München nach 1945 bekannt geworden: die Basilika St. Bonifaz, die großen Friedhöfe und insbesondere die Alte Pinakothek,
bei der er mit einfachen Mitteln die Wunden des Krieges am Gebäude so „heilte“, dass die Funktionalität gewährleistet wurde, ohne dass die fatale Geschichte und die Erin- nerung daran verloren ging.

Rudolf Schwarz (1897 – 1961), der u. a. bei Hans Poelzig studierte, zählt zu den großen Meistern des Kirchenbaus im 20. Jahrhundert. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg plante er in ganz Deutschland über vierzig Kirchen, räumlich faszinierende und atmosphärische Bauten, die durch ihre Sakralität bestechen und eindrücklich vermitteln, wie „moderne“ Kirchen Emotionen erzeugen können.

 

ausstellung

klaus kinold: hans döllgast und rudolf schwarz. zwei baumeister der anderen moderne

Zeit: 9. März bis 9. Juni 2018, Dienstag – Freitag 11 – 18 Uhr, Samstag 11 – 17 Uhr

Orte: aut. architektur und tirol

Lois Welzenbacher Platz 1, 6020 Innsbruck, Ebene 0 – 2

Archiv für Baukunst

Forschungsinstitut der Universität Innsbruck
Lois Welzenbacher Platz 1, 6020 Innsbruck, Ebene 6

archiv-baukunst.uibk.ac.at 

 

 

Fotografien/ Bildnachweise von oben nach unten: Hans Döllgast, Wiederherstellung der Alten Pinakothek, München, 1946 – 57, Gesamtansicht © Klaus Kinold ; München, 1946 – 57, Innenansicht © Klaus Kinold ; Rudolf Schwarz, St. Fronleichnam, Aachen, 1929 – 30, Innenansicht © Klaus Kinold