Architekten als Weltverbesserer

Dass sich Künstler und Literaten mit ihren Werken für eine Verbesserung von politischen, ökonomischen und sozialen Zuständen einsetzen, gehört zur Geschichte von Kunst und Literatur. Dass auch Architekten sich dieser Vision verschrieben haben, zeigt die Ausstellung L’ architecture engagée – Manifeste zur Veränderung der Gesellschaft im Architekturmuseum München.

 

Die Vorstellung, dass Künstler und Literaten direkt auf die Gesellschaft wirken sollen, wurde schon in der Zeit der Aufklärung zum Programm erhoben, allerdings formulierte erst Jean-Paul Sartre 1947 den Begriff „Littérature engagée“. Sartres Forderung an die Literatur, dem Leser seine individuelle Freiheit als Aufgabe zur Veränderung gesellschaftlicher Zustände begreiflich zu machen, wurde zwar in der Folge heftig diskutiert und kritisiert, aber die Bezeichnung blieb – genauso wie ihr Pendant „L’art engagé“ – für alle Werke bestehen, »die ausdrücklich politische und soziale Einflussnahme als Ziel haben und zum Prozess gesellschaftlicher Veränderung im Zeichen der Freiheit beitragen sollen«. Drei Elemente kennzeichnen engagierte Literatur und Kunst: eine aufklärerische, ethisch motivierte Haltung, eine emanzipatorische Utopie und die Vorstellung, dass mit dem Werk Einfluss sowohl auf lebensweltliche Zusammenhänge als auch auf den Rezipienten genommen werden könne.

In diesem Sinne wird der auf Architektur übertragene Begriff einer „L’architecture engagée“ in Ausstellung und begleitender Publikation verstanden. In sieben Abteilungen werden architektonische Projekte und Konzepte vorgestellt, in denen das sozial- und wirtschaftspolitische Engagement zur Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse von Architekten und Theoretikern wie Robert Owen, Charles Fourier, Ebenezer Howard, Bruno Taut, Frank Lloyd Wright, Frei Otto und Yona Friedman sowie die Versuche der Erziehung eines neuen Menschen in Kommunehäusern und Bandstädten exemplarisch dargestellt werden. Die Ausstellung könnte auch Anstöße geben, über die mit gesellschaftspolitischem Engagement verknüpften Potenziale und Probleme, aber auch über das gegenwärtige Fehlen derartiger Entwürfe nachzudenken.

 

 

L’ architecture engagée – Manifeste zur Veränderung der Gesellschaft

Ort: Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne

Zeit: 14.06.2012 - 02.09.2012

 

Führungen: Do 5.7. 2012, 18.30 | Mi 1.8.2012, 15.00 | SA 1.9.2012, 16.00

 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Detail Verlag.

 

Bilder:

Aufmacher klein/Startseite: © Architekturmuseum der TU München/Detail Verlag

Aufmacher groß: Bruno Taut, Alpine Architektur, ›Das Baugebiet‹, Blatt 17, Hagen 1919 © Architekturmuseum der TU München

Renaat Braem, ›Lijnstad‹, Wohnblock, 1934

© Archives d’Architecture Moderne, Brüssel