Leitenstorfer

Als Stadtbaurat erbaute er Münchens erstes Hochhaus – und das direkt an der Altstadt. Allerdings kaschierte Hermann Leitenstorfer das moderne Gebäude mit eher konventioneller Ziegel-Verkleidung, um den Bruch mit der Tradition im konservativen München etwas zu kaschieren. Auch sonst verwendete der moderne Baumeister gerne Ziegel.

 

Leitenstorfer wurde als Sohn eines Militärarztes am 7. November 1886 in Würzbzrg geboren. Ab 1904 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule in München und schloss sein Studium 1908 ab. Danach arbeitete er ab 1908 als Praktikant mit Gabriel von Seidl an dessen Entwürfen für das Deutsche Museum. Später unterstützte er Friedrich von Thiersch bei den Arbeiten für den Erweiterungsbau des Palais Bernheimer.  1912 kehrte er 1912 an die Technische Hochschule München zurück und wurde dort Assistent von Theodor Fischer.

1918 gewann Leitenstorfer den Architekturwettbewerbs für den Neubau der Pfarrkirche St. Martin in Moosach. Die Realisierung seines Entwurfs in vereinfachter Form begleitete er in den Jahren 1922 und 1923. In der Folge dieses Wettbewerbsieges konnte er weitere eigene Entwürfe verwirklichen. Ab 1920 war Leitenstorfer im Hochbauamt der Stadt München tätig, wo er 1928 in der Nachfolge von Hans Grässel zum Leiter der Abteilung I aufstieg. In dieser Zeit realisierte Leitenstorfer zahlreiche städtische Bauten. Nach seinen Plänen entstanden unter anderem mit Fritz Beblo das Städtische Leihamt (siehe Bild oben) und den Friedhof am Perlacher Forst. Von Leitenstorfer stammt auch die Urnenhalle des Ostfriedhofs und der Erweiterungsbau des Münchner Stadtmuseums.

Sein bedeutendstes Werk war aber das städtische Hochhaus in München, das in den Jahren 1924 bis 1929 am südlichen Rand der historischen Altstadt realisiert wurde. Für die Idee eines gemeinsamen Verwaltungsgebäudes aller technischen Ämter der Stadt entwarf er einen funktionalen, zwölfgeschossigen, mit Ziegelsteinen verblendeten Bau. Das erste Hochhaus Münchens gilt heute als letztes erhaltenes Zeugnis aus der Anfangszeit moderner Architektur. 1947 schied Leitenstorfer aus dem Hochbauamt aus und wurde zunächst Stadtbaurat. Ein Jahr später erhielt er den Lehrauftrag an der  Technischen Hochschule München, an der er 1950 zum Professor für Entwerfen, Sakralbau und Denkmalpflege berufen wurde. 1955 wurde er emeritiert. 1972 starb Leitenstorfer.