Der Klassiker

Berlin hat seinen Schinkel, München seinen Klenze. Von der klassizistischen Schönheit seiner Bauten wie am Königsplatz oder der Ludwigsstraße profitiert München heute. Um sie für seinen kunstbegeisterten König zu erschaffen, belastete er die Grenzen des Staatshaushalt aufs Äußerste und schaltete skrupellos seine Konkurrenten aus.

 

 

Franz Leopold Karl Klenze wird als drittes von sieben Kindern am 28. Februar 1784 bei Schladen im Landkreis Wolfenbüttel geboren.

Er entstammt einer vermögenden protestantischen Familie – seiner Vater ist Amtsmann, seine Mutter Arzttochter. Nach einer humanistischen Ausbildung am Collogium Carolinum in Braunschweig studiert er Kameralbauwissenschaften an der Berliner Bauakademie bei David Gilly. Die von der französischen Revolutionsarchitektur beeinflussten Entwürfe von Gillys Sohn, dem bereits verstorbenen Friedrich Gilly, beeindrucken Klenze ähnlich wie den drei Jahre älteren Karl Friedrich Schinkel stark. Diesen lernt Klenze vermutlich bereits währen seiner Zeit an der Berliner Bauakademie kennen.

Missglückter Anfang

Nach bestandenen Examen (1803) reist Klenze nach Paris, wo er sich mit den Arbeiten Jean-Nicolas-Luis Durand, Architekturprofessor an der Ècole Polytechnique,  auseinandersetzt. Erst nach längerer Krankheit, weitere Reisen (Paris, Italien), tritt er 1808 in Kassel am Hof von Napoleon Bruder Jerome Bonaparte eine Stelle als Architekt an. Seine ersten großen Auftrag eines Entwurfes für  ein kleines Hoftheater auf der Napoleonhöhe  misslingt, weshalb er zum Brücken- und Straßenbau versetzt wird. 1812 wird er zwar rehabilitiert und befördert, doch muss Klenze nach Napoleons Niederlage inder Völkerschlacht bei Leipzig vom Hof aus Kassel fliehen.

 

 

Ein opportunistischer Karrierist

Er wechselt die Seiten und zieht nach München, wo er den Kronprinz Ludwig kennenlernt. Als Napoleon wieder kurz an die Macht zurückgelangt, wechselt er abermals die Seiten und macht in dieser Zeit durch Spekulationen ein beträchtliches Vermögen. Nach  Waterloo sucht Klenze erneut den Anschluss am Königlichen Hof in Bayern und beteiligt sich an einem Architekturwettbewerb für die Skulpturensammlung (Glyptothek), einer Ruhmeshalle für bedeutende Deutsche (Walhalla) und für ein Invalidenhaus für versehrte Kriegsteilnehmer an den napoleonischen Kriegen.

 

Klenze wurde dabei zum Protegé des Kronprinzen Ludwig, der seinen künftigen Thron durch große Bauwerke und durch Besetzung der Schlüsselpositionen an von ihm abhängige Personen seine Macht sichern und ausbauen liess. Zunächst erhielt Klenze ein private Anstellung durch Ludwig. Auch fiel die Entscheidung des Wettbewerbs  um die Glyptothek zu Gunsten von Klenzes Entwurf aus – obwohl diese gegenüber den Entwurf von Carl von Fischer Schwächen aufwies. Fischer, selbst nur zwei Jahre älter als Klenze, war auf Grund seines Genies  als Architekt und der Protektion des ersten Ministers, Graf Montgelas, bereits mit 28 Jahren zum Professor für Baukunst an der neugegründeten Akademie ernannt worden und konnte mit dem fertig gestellten Prinz-Carl-Palais und dem in Bau befindlichen Nationaltheater auf zwei bedeutende Werke verweisen. Klenze besserte seinen Entwurf der Glyptothek nach, indem er auf Ideen Fischers zurückgriff. In den Folgejahren gelingt es Klenze Fischer als Konkurrent auszuschalten und auch Hofbaurat Andreas Gärtner kaltzustellen – mit der Folge, dass dessen Sohn Friedrich von Gärtner sein härtester Gegenspieler wird.

In den nächsten eineinhalb Jahren steigt immer weiter auf:  im Januar 1816 wird er königlicher Hofarchitekt und beginnt neben der Arbeit an der Glyptothek mit der Planung des neuen Marstalls (Bild oben links), im September 1817 ernennt ihn König Max I. Joseph als Nachfolger Andreas Gärtners zum Oberbaurat im Innenministerium und zwei Wochen später zum Hofbauintendanten, 1821 wird er außerordentliches, 1831 ordentliches  Mitglied der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

 

Geniale Werke eines workaholics

Aufgrund der gesteigerten Bautätigkeit des Kronprinzen und seiner Monopolstellung entstehen zahlreiche und große Werke Klenzes: die Glyptothek, das Hofgartentor und die Vision der Neugestaltung des Odeonsplatz mit der Prachtstraße Ludwigsstraße.  Allein für diese Projekt entwickelt Klenze zahlreiche Einzelbauten: das Bazargebäude, das Leuchtenberg-Palais, das Odeon, das Herzog-Max-Palais und der Hasslauer Block. Parallel gestaltet Klenze den Wittelsbacher Platz mit dem Ludwig-Ferdinand –Palais, dessen Piano nobile er von 1826 bis 1859 selbst bewohnt. Als 1823 Carl von Fischers beliebtes Nationaltheater abbrennt, baut es Klenze wieder auf – und erstellt gegenüber gleich die Residenzpost. 1826 wird der Grundstein für die Pinakothek gelegt, die ihm auch international zu einem der führenden Architekten seiner Zeit macht, vier Jahre später folgt die Grundsteinlegung der Walhalla bei Regensburg. Zwischen seinem architektonischen Schaffensdrang findet Klenze Zeit für die Malerei, und für seine Studien sowie archäologische Arbeiten während monatelanger Reisen durch Italien und Griechenland.

 

Gefährdete Gunst und gefährliche Konkurrenten

Als Ludwig nach dem Tod seines Vaters im Oktober 1826 König von Bayern wird, hat Klenze bereits längst die größte Macht- Schaffensstellung  als Architekt erreicht. Tatsächlich kühlt sich das Verhältnis zwischen Ludwig I. und Klenze ab. Der König  beruft Klenzes Widersacher, Friedrich Gärtner in Schlüsselstellungen und beauftragt ihn Teile der von Klenze konzipierten Ludwigsstraße zu errichten. Obwohl Klenze weiterhin Aufträge für Großprojekte wie den Königsbau der Residenz, den Karolinenplatz mit dem Obelisken, die Ruhmeshalle mit der Riesenskulptur der Bavaria von Ludwig Schwanthaler auf der Theresienhöhe sowie Pläne für Athen erhält, hat er doch seine Monopolstellung verloren und muss mit Gärtner und den jüngeren Architekten Georg Friedrich Ziebland und Joseph Daniel Ohlmüller um die Gunst des Königs werben. Hinzu kommt zum Unbehagen Klenzes die Abkehr König Ludwigs von der griechischen Antike hin zum deutschen Mittelalter und damit zu Vertretern des Historismus wie Friedrich von Gärtner. Obwohl Klenze offen sein Missfallen bekundet, passt auch er sich mit Arbeiten wie die der Allerheiligenhofkirche in der Residenz an.

 

Internationaler Ruhm

Während er in Bayern an Einfluss verliert, nimmt er international zu. Begeistert vom Besuch der Pinakothek, vergibt Zar Nikolaus I. an Klenze ebenfalls den Auftrag zum Bau eines Kunstmuseums, der Neuen Eremitage in St. Petersburg. Klenze reist aber in den folgenden Jahren nicht nur öfters nach Russland, sondern auch nach England, Frankreich und Italien, wo er Mitglied verschiedener Institute ist.  In Bayern baut er noch das Propyläen am Königsplatz und – nach dem Tod Friedrich von Gärtners 1847 – die Befreiungshalle in Kehlheim. Doch die Gunst von Ludwig erlangt er nicht zurück und es kommt wegen einer angeblichen Brüskierung von Lola Montez, der Mätresse Ludwigs, durch Klenzes Sohn Luis zu schweren Verstimmungen. Doch kurz danach muß Ludwig aufgrund der Montez-Affäre und der Revolution im Jahr 1848 selbst zurücktreten, damit die Wittelsbacher ihren Thron behalten können. Unter Ludwigs Sohn Maximilian II. führt Klenze zwar noch seine Aufträge wie das Propyläen und die Befreiungshalle aus, erhält aber vom neuen König, der nun einen eigenen „Maximilianstil“ entwickeln lässt,  keine Aufträge mehr. Die Fertigstellung einer Grabkapelle für den Fürsten Stourdza in Baden-Baden und des Monopteros im Englischen Garten erlebt Leo von Klenze nicht mehr. Als er am 27. Januar 1864 fast achtzigjährig stirbt, hinterlässt er Bayern und München einige der schönsten Werke der Architektur. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Literatur:

Adrian Buttlar: Leo vo Klenze, 1986

Winfried Nerdinger (Hrsg.), Sonja Hildebrand, Ulrike Steiner und Thomas Weidner: Leo von Klenze - Architekt zwischen Kunst und Hof 1784-1864, Ausstellungskatalog, München, 2000

Peter Frese: Ein griechischer Traum – Leo von Klenze – Der Archäologe, Ausstellungskatalog, München 1986