Rokoko: Lebenslust in Klöster und Kirchen

Die Kunsthalle München und das Diözesanmuseum Freising richten gemeinsam die Ausstellung „Mit Leib und Seele“ zum Münchner Rokoko aus – eine einmalige Blütezeit bayerischer Kunst, die auch in internationaler Perspektive beispiellos ist. Im Fokus stehen Münchner Künstler wie die Gebrüder Asam, Johann Baptist Straub und Ignaz Günther.

 

Den Besucher erwartet ein beispielloses Ausstellungserlebnis: Zahlreiche kapitale Werke aus Kirchen, Museen und Schlössern Bayerns und des ganzen Bundesgebietes werden in einem Parcours zusammengeführt. Viele der Objekte aus Kirchen und Klöstern können durch die Kooperation mit der Diözese erstmals und einmalig aus ihrem angestammten Kontext entnommen und in den Sälen der Kunsthalle präsentiert werden. Die oft nur schwer zugänglichen Werke werden dem Betrachter so nahe wie selten zuvor gebracht. Auf diese Weise können ihre künstlerischen und technischen Qualitäten deutlich hervortreten.

Gezeigt werden rund 160 Meisterwerke des Rokoko, vor allem Holzskulpturen und andere plastische Bildwerke aus Stuck, Ton, Porzellan und Silber sowie Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik. Auftakt der Schau bildet das barocke Gesamtkunstwerk – die Einheit von Architektur, Malerei, Stuck und Skulptur. Vorgestellt werden herausragende Künstler, die zwischen 1720 und 1770 in München ansässig waren. So wohnte Egid Quirin Asam (1692–1750) in der Sendlinger Straße nahezu im Kirchengebäude mit den allegorischen Stuckreliefs. Sein Bruder Cosmas Damian (1686–1739) baute sich, als Bildhauer zu einem Vermögen gekommen, einen Sommersitz in Thalkirchen –  das heutige „Asam-Schlössl“. Der Bildhauer Ignaz Günther (1725–1775) lebte in seinem Haus am heutigen Jakobsplatz, eines der wenigen dort aus dieser Zeit erhaltenen Häuser, in dem heute die Verwaltung des Münchner Stadtmuseums ihren Sitz hat. In dieser Gegend hatte sich auch Johann Baptist Straub (1704–1784) mit Werkstatt und Wohnung in dieser Ecke niedergelassen, nämlich an der Hackenstraße, von dem das Viertel seinen Namen hat. Der Lehrmeister von Ignaz Günther schmückte dort sein Bürgerhaus mit einer Fassaden-Madonna. Straub gilt als Gründervater der Rokoko-Skulptur, während Günther den Höhe- und gleichzeitig Schlusspunkt der Epoche markiert. Mit Christian Jorhan d. Ä. (1727–1804) und Franz Xaver Schmädl (1705–1777) ist exemplarisch die Generation der Schüler vertreten, die das Münchner Rokoko auch über die Stadtgrenzen hinaus in der Region verbreiteten. Mit Franz Anton Bustelli wird ein profaner Akzent gesetzt. Seine berühmten Porzellanfiguren waren bei Hof eine beliebte Tischdekoration und prägten mit ihrer spielerisch-raffinierten Leichtigkeit das Bild einer ganzen Epoche. Dem Bildhauer Roman Anton Boos (1733–1810) ist das letzte Kapitel der Ausstellung gewidmet. Seine Werke wurzeln zwar noch deutlich in der Tradition seiner Vorgänger, weisen aber gleichzeitig schon auf die kommende Kunst des Klassizismus.

Ausstellung:

Mit Leib und Seele: Münchner Rokoko von Asam bis Günther

Zeit: Ausstellung bis zum 12. April 2015; täglich geöffnet von 10 – 20 Uhr

Ort: Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, Theatinerstraße 8, München

Weitere Informationen:

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung: Mit Leib und Seele

Katalog

Zur Ausstellung erschien ein reich bebilderter Katalog im Sieveking Verlag mit weiterführenden Essays und Texten zu allen Exponaten; 35 Euro an der Ausstellungskasse

 

Fotografien: Aufmacher oben – Pfarrkirche Mariä Geburt Rottenbuch © Diözesanmuseum Freising, Foto: Thomas Dashuber /Sieveking Verlag; Johann Baptist Straub (1704–1784)
Erzengel Raphael am Hochaltar (Detail), um 1767
Holz, farbig gefasst, teilweise vergoldet, 220 x 220 x 140 cm
München, Berg am Laim, St. Michael
© Diözesanmuseum Freising, Foto: Thomas Dashuber; Ignaz Günther (1725–1775)
Genius mit Herz, 1758
Holz, vergoldet, 45 cm
© Diözesanmuseum Freising, Foto: Thomas Dashuber; Johann Baptist Straub (1704–1784) Schwebender Engel, sog. Gloriaengel, um 1740/50 Holz, farbig gefasst, teilweise vergoldet, 144 cm
Dießen, Marienmünster Mariä Himmelfahrt
© Diözesanmuseum Freising, Foto: Thomas Dashuber