Ein Franke in Chicago, ein Amerikaner in München

Mit 26 Jahren wanderte der Franke nach dem Architekturstudium in München nach Amerika aus. Ein Vierteljahrhundert später errichtete er als mittlerweile weltbekannter Stararchitekt in seinem früheren Studienort spektakuläre Bauten. Sein Name: Helmut Jahn. 

 

Jahn wurde am 4. Januar 1940 in Zirndorf bei Nürnberg geboren. 1960 bis 1965 studierte der an der Technischen Universität München Architektur und arbeitet dann ein Jahr bei dem Architekten Peter C. von Seidlein. 1966 ging er nach Chicago, und nahm am Illinois Institute of Technology ein Postgraduiertenstudium aufnahm und er Ludwig Mies van der Rohe kennenlernte, durch den er stark geprägt wurde. 1967 trat er in das Architekturbüro C. F. Murphy Associates ein, wurde 1973 zum stellvertretenden Geschäftsführer und Direktor für Planung und Design ernannt. 1981 wurde das Büro in Murphy/Jahn umbenannt und firmiert seither unter diesem Namen, obwohl Murphy bereits 1985 verstarb und Jahn seither alleiniger Eigentümer des Büros ist. Zu Ansehen gelang Jahn mit der Konstruktion des State of Illinois Center in Chicago (Bild links, später in James R. Thomson Center umbenannt) und mit dem Bau des damals höchsten Gebäudes von Philadelphia, dem One Liberty Place.

Bald verschaffte er sich jedoch auchinternationale Anerkennung. So baute Murphy/Jahn Ende der 1980er Jahre den eleganten Frankfurter Messeturm (1988-1991), der weltweit für Aufsehen in der Architekturszene sorgte. Für das internationale Renomé trugen zudem der Bau des Sony Center mit Bahntower am Potsdamer Platz in Berlin (nächstes Bild unten) und dem Flughafen in Bangkok (Suvarnabhumi) bei. Jahn hat sein Unternehmen konsequent international ausgerichtet und Murphy/Jahn gehört gemessen am Umsatz zu den 20 größten Architekturbüros der USA. 

Das Büro ist sehr präsent inDeutschland und konnte hier etliche Bauwerke  erstellen. So stammen von ihm spektakuläre Bürotürme wie die Bayer-Konzernzentrale in Leverkusen (2000-2002), der Post Tower in Bonn (2003), dem Weser Tower in Bremen (2007-2009). Der deutsche Schwerpunkt seines Schaffens kann aber an seinem alten Studienort, in München, verortet werden. Von dem Büro Murphy/Jahn stammen das Munich Order Center (M.O.C.), das Hotel Kempinski am Flughafen München, das Munich Airport Center, die Highlight Business Towers und das kürzlich fertiggestellte m.pire.

 

Munich Order Center (M,O,C,)

Das 1992/93 erbaute Modezentrum in München-Freimann besteht aus vier Hallen, die neben der Funktion einer Messefläche auch Orderbüros für Schuh- und Sportartikel, Konferenzräume, Läden und Restaurants enthält. „Über eine Betonstützenkonstruktion erhebt sich ein Stahldachtragwerk aus Pylonen mit abgespannten Kragarmen und weit ausgreifenden Sonnenschutzflügeln. Die so entstehenden Giebel assozieren aneinander gereihte Markthallen.“ (Architekturführer München).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kempinski Hotel Airport 

(1992-1994)

Kurz nach Eröffnung (1992) des Terminal I des neuen Flughafen München wurde das zwischen 1992 und 1994 Kempinski Airport Hotel München erbaut. Die zwei Zimmertrakte im Osten und Westen des Hotels werden durch ein riesiges Atrium verbunden, das durch eine Glaswand im Süden und Norden belichtet wird. „Ein Palmenhain in dieser Eingangshalle des Hotels bildet einen an Urlaub und Ferne erinnernden Blickfang in der funktionalen Umgebung des Flughafens.“ (Nicolette Baumeister: Architektur – neues München). 

 

Die Nightflight Bar im Atrium befindet sich zwischen Palmen und Geranienglaswänden und hat sich am Flughafen München als In-Treff bei Geschäftsreisenden etabliert. Die Atmosphäre ist kommunikativ und locker, Snacks und Menüs regional sowie innovativ.Im Westtrakt des Erdgeschosses befindet sich dasRestaurant charles lindbergh mit  eher zurückhaltend edlen Architektur, die das Thema Fliegen mit einer Deckenkonstruktion, die an einen Flugzeugflügel erinnert, aufgriff.

Ein großer Spa/Wellness-Bereich befindet sich im Untergeschoss. Neben einem 17 Meter langen Schwimmbecken, enthält er auch einen Saunabereich. Zudem besteht ein ausgedehnter Fitnessbereich. Die Anlagen sind 24 Stunden/Tag geöffnet.

Vor allem wartet das Gebäude mit einer großen Kapazität an Tagungs- und Konferenzräumen auf. Neben einem großen Ballsaal existieren 30 mit Multimediasystemen ausgestattete Tagungsräume für fünf bis 1200 Personen.

 

 

 

 

Munich Airport Center MAC (1999-2000)

Die Verbindung zwischen dem Terminal I und dem etwa zehn Jahren später eröffneten Terminal II bildet das herzstück des Flughafens, das München Airport Center MAC. Murphy/Jahn konzipierte dazu eine großzügige Plaza, an deren Seiten sich Cafés und Läden befinden und die die Verbindung zu den beiden Terminals auf zwei Ebenen herstellt. Außer der Verbindung der beiden Terminals stellt das MAC auch eine Verteilerstation zu dem S-Bahnhof, der Straßenanbindung und den umliegenden Parkhäuser dar. 

Charakteristika der MAC ist die an 14 Stahl-Pylonen aufgehängte, seiverspannte Zeltkonstruktion. Mit 41 Meter überragen die Stützen das hohe Terminal 2 und ist zusammen mit dem Turm als Mittelpunkt der Anlage von weitem sichtbar.

 

 

 

HighLight Munich Business Towers (2002-2004)

Im Auftrag der Fondsgesellschaft KanAm und der Aareal Bank erbaute das Chicagoer Büro Murphy/Jahn zusammen mit Werner Sobek Ingenieure International (Tragwerksplanung) Anfang des Jahrtausend im Norden Schwabings den spektakulärsten Wolkenkratzer in München. Etwa zeitgleich entstand weiter westlich der höchste Büroturm der Stadt, der Uptown München am Georg-Brauchle-Ring (Architekten Ingenhoven, Overdiek, Düsseldorf), der zu einer grundlegenden öffentlichen Diskussion über Hochhäuser in München und letztlich zu einer Begrenzung der Höhe dieser Gebäude führte. Der Zwillingsturm ist der südliche Landmark der Parkstadt Schwabing. Er bildet in der Verlängerung der Sichtachse von der Ludwigsstraße den vorläufigen Schlußmarke und ist als solche (ungewollt?) vom Siegetor zu sehen. Die zwei sehr schlanke Hochhausscheiben sind 113 und 126 Meter hoch und bieten Büroflächen auf 28 beziehungsweise 33 Stockwerke. Die Türme sind durch drei Brücken in unterschiedlicher Höhe miteinander verbunden.

„Das innovative Tragsystem ist in einer Stahlverbundbauweise ausgeführt, die mit diagonalen „Fachwerken“ aus Stahl das Gebäude aussteifen.“ (Architekturführer München). An demn zwei Türmen schließen sich zwei Flachbauten an, in denen ein Hotel und weitere Büros untergebracht sind. Insgesamt weist der Gebäudeskomplex eine Bürofläche von über 70.000 Quadratmeter auf. Trotzdem wirkt das Gebäude – vor allem von Süden und Norden – elegant und durch die gläserne transparente Bauweise geradezu kristallin. Die Fenster mit Windschutz und Schalldämmsystem ausgestattete Fenster können geöffnet und individuell gelüftet werden und sind Teil eines komplexes Lüftungs- und Klimatisierungssystems.

 

 

 

Zusammen mit dem Büroturm Münchner Tor des Münchner Rück/MEAG bildet es die Einfahrt-Marke von der A9 nach München-Schwabing. Die nach Norden anschließende  Freiraumplanung des Parks wurde vom Münchner Landschaftsarchitekten Rainer Schmidt entworfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

m.pire (2010)

Murphy/Jahn bekam nur wenige Jahre nach dem Bau des HighLight Munich Business Towers auch den Auftrag für den nördlichen Landmark der Parkstadt Schwabing, dem m.pire. Die Hochäuswer befinden sich in einer Sichtachse. Auftraggeber des Gebäudekomplex zweier gläserne mehrgeschossigen Flachbauten und des Hochhauses war die Bayerische Hausbau, die das Gebäude auch in ihrem Besitz hält.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen:

Helmut Jahn: Ausstellung Process Progress

Internetauftritt von Murphy/Jahn bietet weitere Information zur Geschichte, zu den Projekten und den Partnern des Büros.