Das Neue Hauner: Lichtblick für kranke Kinder

Die traditionsreiche Haunersche Kinderklinik soll von der Isarvorstadt nach Großhadern umziehen. Nun gewann das im Krankenhausbau sehr erfahrene Münchner Architekturbüro Nickl und Partner mit ihrem im Sinne des Klinikgründer durchdachten Entwurf den Wettbewerb.

 

August Hauner rettete viele Leben. Acht seiner 13 eigenen Kinder konnte der 1811 in Neumark geborene Armenarzt nicht mehr heilen.

Aus seinem Leid und seiner Erfahrung zog Hauner (Bild links)  die Schlussfolgerung, dass nur eine ärztliche Betreuung, in dem das ganzheitliche Wohl der Kinder im Mittelpunkt steht, die besten Resultate erzielt. 1846 gründete er in einer Mietwohnung in der Sonnenstraße das erste Kinderspital in München. Dort wendete er seine Ansätze zur Bedeutung des Stillens und der gesunden Ernährung, zu Reinlichkeit und frischer Luft an. 1882, kurz vor seinem Tod, erhielt sein Spital mit dem vom Stadtbaurat Arnold Zenetti erbauten Klinik in der Goethestraße (Bild links unten) der Ludwigsvorstadt-Kliniken der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt eine moderne und großzügige Bleibe.

Private Millionenspenden für das Neue Hauner

Das dem Klinikum der Universität München angeschlossene „Dr. von Haunersches Kinderspital“ soll nun 2022 in ein 22.000 Quadratmeter großes Bauwerk mit 276 Betten in Großhadern umziehen. Geschätzte Kosten: 165 Millionen Euro. 128 Millionen Euro davon zahlt der Freistaat, der Rest kommt aus Eigenmitteln des Klinikums und Spenden. „Es wird alle Möglichkeiten der Höchstleistungsmedizin bieten und soll ein Ort sein, an dem sich kranke Kinder und ihre Eltern gut aufgehoben fühlen“, verspricht Ludwig Spaenle (CSU), Bayerns Wissenschaftsminister.

 

Der Neubau im Stadtbezirk Großhadern steht auch in Verbindung des Anfang des Jahres von der Bayerische Staatsregierung beschlossenen schrittweisen Abriss und Neubau des Klinikum Großhaden für eine voraussichtliche Investitionssumme von einer halben Milliarde Euro.

Als einer der Schritte entsteht nun südlich des bestehenden Klinikums Großhadern das Neue Hauner. Dazu wurde im Juli 2015 der Architektenwettbewerb für das neue Kinderklinikgebäude entschieden. Die 46-köpfige Jury unter dem Vorsitz von Gesine Weinmiller vergab den ersten Preis an das Münchner Architekturbüro Nickl und Partner.

Hans Nickl und sein Team haben bereits zahlreichen Kliniken im In- und Ausland geplant und gebaut. Zuletzt wurde das von ihnen entworfene Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung München und des kardiovaskulären Forschungsbaus der Universitätsklinik Frankfurt eingeweiht. Zu den in jüngster Zeit mit Architektenpreisen ausgezeichneten Werken gehören beispielsweise das Helmholtz Zentrum in Ulm, das Bürogebäude Sunyard in München und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Klinikgebäude in From eines Schweizer Käses

Sein „Neues Hauner“ hat die Form eines Schweizer Käses mit 100 Meter Länge und 40 Meter Breite und sechs runden Löchern (siehe das Foto des Modells unten). Diese enthalten Innenhöfen (Visualisierung oben) und sorgen im Sinne von Hauner für Tageslicht und bieten zudem viel Grün. Im pädiatrischen Zentrum des „Neuen Hauner“ finden Kinder, Jugendliche, Eltern, Wöchnerinnen und Personal eine von grünen Inseln durchdrungene Spiel- und Arbeitswelt vor „Man kann für Kinder ja keine Maschine aufstellen. Der Entwurf von Nickl & Partner kann ihnen die Schwellenangst vor dem Krankenhaus nehmen“, sagte Juryvorsitzende Gesine Weinmiller. „Daneben funktioniert der Entwurf auch extrem gut.“ 

Ob der Entwurf von Nickl oder der des zweit- (Architects Collective, Wien) oder drittplatzierten Architekturbüros (Riegler Riewe, Graz) verwirklicht wird, hängt allerdings noch davon ab, ob mit dem Entwurf auch der finanzielle und zeitliche Rahmen eingehalten werden kann. Im September 2015 fällt dafür die Entscheidung.

 

Bilder: Visualisierung und Modell von/nach Nickl und Partner über "Klinikum der Universität München"