Oberföhring: Post-Moderne im Prinz-Eugen-Park

Die Baugenossenschaft der Post  (BPTM) hat auf dem Areal der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne Baugrund erworben und will dort mehrere Wohngebäude errichten. Nun haben Nuyken von Oefele Architekten mit einem Entwurf im Stil von Robert Vorhoelzers Postbauschule den 1. Preis gewonnen.

 

Auf der rund 30 Hektar großen Fläche der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne im Bogenhausener Bezirksteil Oberföhring entsteht das Quartier Prinz-Eugen-Park für Wohnraum, Arbeitsplätze, Gemeindebedarfseinrichtungen sowie Freizeit-, Sport- und Spielnutzung. Die Grundstücke im nördlichen Bereich entlang der Ruth-Drexel-Straße sind bereits vergeben. Hierzu zählt auch das Baufeld WA3 Ost, welches an Baugenossenschaft des Post- und Telegrafenpersonals in München und Oberbayern (BPTM) vergeben wurde. Die BPTM besitzt vor allem in Neuhausen über große Wohnungsbestände, die aufgrund ihres an das Bauhaus erinnernden Stils der Bayerischen Postbauschule unter Leitung von Robert Vorhoelzer architektonisch überregional bedeutsam sind.

Auf dem Teilgrundstück des Prinz-Eugen-Park will nun die BPTM erstmals seit langer Zeit mehrere Wohngebäude errichten: im Osten sollen lineare Geschosswohnungsbauten entstehen und im Norden ein gemäß dem Bebauungsplan ein dreigeschossiges Wohngebäude welches optional als Holzbau ausgeführt werden kann.

Nun wurde der Architektenwettbewerb, den die BPTM zur Bebauung ausgeschrieben hat, durch ein Preisgericht unter dem Vorsitz von Professorin Hannelore Deubzer entschieden:

Wettbewerbsergebnis:

1.Preis: N-V-O Nuyken von Oefele Architekten, München mit HinnenthalSchaar Landschaftsarchitekten, München

2.Robert Meyer Architekten, München mit t17 Landschaftsarchitekten, München

3.H2R Architekten, München mit liebald+aufermann landschaftsarchitekten, München

Beurteilung der Jury:

Der mit dem 1. Preis ausgezeichnete Entwurf von N-V-O ist auch deshalb bemerkenswert, weil er sich an den Baustil der Bayerischen Postbauschule anlehnt. In der Erläuterung zum Entwurf heißt es: „Die Arbeit möchte, so die Verfasser, „in der Tradition Vorhoelzers“ mit einer tektonischen Gliederung der Gebäudevolumetrie und einer angenehm zurückhaltenden, aber dennoch fein differenzierten Fassade eine Antwort auf die gestellte Aufgabe finden:‚Ä®Der Innenhof erzeugt sehr schöne Freiraumbezüge- auch zu den Nachbargebäuden, klar auffindbare Adressierungen und eine gute Vernetzung mit dem Quartier und den Naturräumen. Der Vorplatz auf der Südseite mit dem angegliederten Gemeinschaftsraum schafft einen schönen Auftakt und eine Verbindung zur Nachbarschaft.‚Ä®Der große Baukörper schafft eine klare ruhige Gesamtkomposition, die sehr ausgewogen die langen Flächen gliedert und sich gut mit dem dreigeschossigen Baukörper zu einem Ensemble verbindet.‚Ä®Die großzügigen Loggien zum Innenhof schaffen eine schöne Verbindung der Innenräume mit dem Außenraum. Die Setzung der Fenster auf der Ostseite des Gebäudes erscheint etwas streng und schematisch, was aber durch die vorgelagerte Balkonzone aufgelockert wird. ‚Ä®Der grüne und weiche Charakter des Innenhofes mit den modellierten Inseln schafft eine gelungene Überleitung zu den Eingängen des Gebäudes und ermöglicht gleichzeitig eine Abgrenzung der privaten Wohnräume im Erdgeschoss. Den Eingängen werden großzügige Fahrrad- und Kinderwagenabstellräume zugeordnet, die einläufigen Treppenhäuser mit der Erschließung von jeweils 4 Wohnungen funktionieren sehr gut, der Wohnungsmix an jedem Treppenhaus wird positiv bewertet.‚Ä®Die Wohnungen sind gut gestaltet und weisen schöne und großzügige Freibereiche auf. Die differenzierte Ausbildung der Loggien und Balkone schafft schöne Atmosphären. Alle Wohnungen orientieren ihre Freibereiche zum Innenhof, was den gemeinschaftlichen Charakter des Ensembles noch verstärkt.‚Ä®Die großzügigen Gemeinschaftsbereiche auf dem Dach, deren Konformität mit dem Baurecht noch überprüft werden muss, werden seitens des Preisgerichts als sehr funktional und bereichernd für die Wohngemeinschaft gesehen.‚Ä®Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr stimmigen und überzeugenden Gesamtbeitrag dar!‚Ä®Sehr geschickt setzen sich die Verfasser mit den städtebaulichen Rahmenbedingungen auseinander und entwickeln daraus im engen Dialog mit den Gebäuden konsequent drei unterschiedliche Freiraumtypen mit angemessen gestufter Privatheit - dem öffentlichen Platz zum Straßenraum, im halböffentlich Innern den grünen, gut durchlässigen gemeinschaftlichen Garten und am Rand wie auf dem Dach gut geschützt die privaten Gartenbereiche nur für die Bewohner. Im Erdgeschoss sind die Übergänge zum Privaten transparent und trotzdem ausreichend geschützt. Der Verzicht auf die rahmende Mauer zur Straße ist in dem dargestellten Wechselspiel gut nachvollziehbar - der Verzicht auf die umfassende Mauer muss im Gesamtkontext verträglich und abgestimmt werden.“

Quellen: http://www.competitionline.com/de/ergebnisse/247642  ; http://www.bptm.de/wir_ueber_uns.html

https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Stadtplanung-und-Bauordnung/Projekte/Prinz-Eugen-Kaserne.html

Bildnachweis: 1. Preis Modell Ostseite © N-V-O-Architekten BDA; Zeichnung Ostseite; Lageplan © N-V-O Nuyken von Oefele Architekten, München mit HinnenthalSchaar Landschaftsarchitekten, München