The King of White

„Weiß ist das vergängliche Zeichen ständiger Bewegung. Weiß ist immer da, aber nie dasselbe – hell und sanft geschwungen am Tag, silbern und gleißend bei Vollmond und an Sylvester. Zwischen dem Meer des Bewusstseins und der gewaltigen Materialität der Erde liegt die sich ständige verändernde Linie des Weißen. Weiß ist das Licht, das Medium einer verstehenden und transformierenden Macht.“ (Richard Meier, Preface, in: Richard Meier Architect, 1985/1991, Rizzoli, New York, 1991)

Richard Meier wurde am 12. Oktober 1934 in Newark, New Jersey geboren. An der Cornell University (1952-1957), hörte er nicht nur den Vorlesungen über Architektur, sondern auch Vladimir Nabokovs Vorträge über russische und englische Literatur sowie Alan Salomons Ausführungen über Matisse und Picasso. Nach dem Studium reiste er durch Europa, traf er auch Le Corbusier. Später sagte er: „Ohne Le Corbusier Gebäude zu kennen und zu lieben, würde ich sicher nicht die Gebäude entwerfen, die ich entwerfe. Le Corbusier hat meine Art, Raum zu schaffen, sehr beeinflusst.“

Zurück in den USA,  arbeitete Meier in New York unter anderem für Skidmore, Owings & Merill SOM (1960)  und für Marcel Breuer (1961-1963). Danach eröffnete er in Essex Fells, New Jersey, sein eigenes Büro. Schon bald machte er sich durch seine makellos weißen Häuser wie das Smith House in Darien, Connecticut (Bild oben),  das Saltzmann House in East Hampton, das Old Westbury House, (Bild Aufmacher ganz oben, beide im Staate New York) und dem Douglas House, Harbor Springs, Michigan (Bild links), am Michigansee einen Namen. 

Meier setzte dabei sehr konsequent architektonische Elemente ein, die seine Bauten als typischen Meier erkennbar machten: weiße Aluminiumplatten und Geländer wie von einem Schiffsreling. Für den Grundriss seiner Bauten verwendet er oft das Quadrat und den Kreis und gliederte und verknüpfte seine Bauelemente durch ein strenges geometrisches Raster.

Mit dem Museum für Kunsthandwerk in Frankfurt (Bild links) wurde Meier auch in Deutschland bekannt. In München ist Meier „nur“ mit zwei Bauten für die Siemens AG vertreten, dies aber in eindrucksvoller Größe: Dem Siemens Forum am Oskar-von-Miller-Ring sowie  den Büros und Forschungseinrichtungen von Siemens in Obersendling. Ein Schwerpunkt seines Schaffens liegt in Europa – ist doch Meier von seinen Einflüssen von Le Corbusier, Breuer, aber auch von der europäischen Architekturgeschichte bis zur Antike stark beeinflusst.

 

 

Siemens Forum, Oskar-von-Miller-Ring (1983-1999)

 

Das Siemens Kulturforum ist ein Gebäude, das Teil mehrerer Bauten der Siemens AG im Viertel ist. Der Entwurf von Richard Meier & Partner des aus verschiedenen Innenhöfen bestehenden Komplexes entstand 1983, der Bau erfolgte aber erst zwischen 1991 bis 1999. Der Bau schirmt das Viertel vom Verkehr des Oskar-von-Miller-Ring ab und bildet zusammen mit dem von Eduard von der Lippe und Hans Maurer Mitte der fünfziger Jahre erbauten ehemaligen Verwaltungsgebäude der Siemens AG – nun im Besitz der MEAG – den mordwestlichen Eckpunkt des Quartiers. "Hier wird der Zusammenhang gesucht und ausgedehnt: nicht nur funktional und gestalterisch, sondern auch historisch und typologisch durch den Bezug zu den umstehenden Gebäuden und Stadtganzen," (Meier).

 

 

 

Dafür hat Meier einen markanten Kopfbau als Eingangsgebäude gesetzt. Hinter dem sechsgeschossigen schmalen Fensterfronten nach Norden und Süden befindet sich die Empfangshalle mit dem Foyer. In diesem Kopfbau wurde ein Rundbau mit einem Vortrags- und Aufnahmesaal gestellt, um den runde Rampen die die verschiedenen Stockwerke miteinander verbinden. An der Spitze dieses Gebäude befindet sich das Kreisrunde Café mit einer Terrasse. Meier greift mit dieser stockwerksübergreifenden Verbindung Le Corbusiers "promenade architecture" auf. 

 

 

 

 

 

Hof, Forum

 

 

 

 

 

 

 

 

Cafe, Terrasse

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siemens Verwaltungs- und Forschungsgebäude in Obersendling (1985)

Später als das Siemens Forum wurde von Meier die Verwaltungs- und Forschungsgebäude an der Hofmannstraße entworfen. Weil asich aber der Bau des Siemens Zentrums verzögerte, wurde der große Baukomplex in Obersendling das erste von dem Architekturbüro in München fertiggestellte Gebäude.

 

Die großen Verwaltungsgebäude wurden in verschiedenen Bauabschnitten erstellt und erstrecken sich, unterteilt in große Innenhöfe,  über ein großes Grundstück. Im Süden befindet sich ein Pavillions-artiges Gebäude, das in der Verwendung der Relings und Glasbausteinen, an die typischen Privathäuser von Meier erinnert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen

Einen guten Überblick über das Schaffen Meiers mit Beschreibungen seiner wichtigsten Bauten findet sich in einem Brochür-Band der vom Taschen-Verlag herausgegebenen Reihe berühmter Architekten. Philip Jodido: Meier

Der Rizzoli Verlag in New York hat einige aufwendige und großformatige Bildbände zu Richard Meier herausgebracht, darunter Richard Meier Architect 1964/1984 aus dem für diesen Beitrag auch Zitate verwendet wurden.

Eine umfassende Darstellung mit schönen Fotografien und Plänen der Arbeiten von Richard Meier & Partner findet sich auf der Internetseite des Büros.