Leonhard Romeis und der Historismus in München

Der Architekt und Hochschullehrer Leonhard Romeis war einer der bedeutendsten Vertreter des Historismus in München. Sein bekanntestes Werk ist die Pfarrkirche in St. Benno in der Maxvorstadt.

 

Leonhard Romeis wurde am 13. Januar 1854 in Höchstadt an der Aisch bei Erlangen als Sohn eines Tischlers geboren. Seine Kinderjahre verbrachte er am liebsten in der Werkstatt seines Vaters. Bereits als kleiner Junge baute er aus den überschüssigen Holzklötzen diverse Häuser, Burgen und Kirchen. Später beobachtete er seinen Vater beim Zeichnen mit Lineal und Winkel, um sich anschließend selbst daran zu versuchen. Ein Benefiziat, zu dem der Junge zum Zeichenunterricht geschickt wurde, erkannte seine künstlerische Begabung. Auf seinen Rat hin wurde er 1869 im Alter von 15 Jahren an die Königliche Kunstgewerbeschule München geschickt, wo er sein Studium mit Schwerpunkt technisches und architektonisches Zeichnen bei Emil von Lange vier Jahre später, 1873, abschloss. Danach bereiste Romeis Italien. Die Architektur der Renaissance beeinflusste ihn besonders stark und prägte sein späteres Schaffen und Wirken.

Romeis kehrte nach München zurück und erhielt nach seiner Mithilfe bei den Entwürfen einer Industrieschule und einer Glasmalereianstalt eine Assistentenstelle an der Kunstgewerbeschule in München. 1882 lehnte Romeis im Alter von 28 Jahren einen ehrenden Ruf als Direktor an der Magdeburger Kunstschule ab, und erhielt zum Dank einen Professorentitel in München. 1886 erfolgte die endgültige Ernennung zum Professor. Mit seiner Lehrtätigkeit allein gab sich Romeis allerdings nicht zufrieden und arbeitete zusätzlich als freischaffender Architekt.

Es entstanden nach seinen Entwürfen zahlreiche Villen für Künstler und Publizisten, darunter die Häuser für Anton Heß, den Maler Eduard von Grützner und den Verleger Georg Hirth und den Brauer Joseph Schülein und der Straßenzug Richard-Wagner-Straße mit Königlicher Kunstgewerbeschule (siehe großes Bild oben, Richard Wagner-Str. 7, 9, 11, Kunstgewerbeschule) im Viertel Augustenstraße in der Maxvorstadt.

Seine herausragendste schöpferische Leistung ist der Bau der Pfarrkirche St. Benno (Bild links oben) im gleichnamigen Bezirksteil St. Benno in der Maxvorstadt in München. Sie gilt heute als eines der künstlerisch bedeutendsten Beispiele des neuromanischen Sakralbaus in Süddeutschland.

Ein weiterer prominenter Bau von Romeis ist die Villa Liebig in Sachsenhausen in Frankfurt am Main, das spätere Museum „Liebighaus“. Romeis war auch in Bamberg tätig, wo er unter anderem das "Tivoli-Schlösschen" in der Pödeldorfer Str. entwarf.

Leonhard Romeis erlag am 17. November 1904 im Alter von nur 50 Jahren einem akuten Nierenleiden. Sein Nachfolger an der Münchener Kunstgewerbeschule wurde Richard Berndl.

 

Werke (Auswahl)

1883: Wohnhaus Grützner Grütznerstr 1, Haidhausen, München

1888- 1895: Pfarrkirche St. Benno, Maxvorstadt, München

1890: Malerische Villa Romanstr 20, Neuhausen, München

1892: Schlossartige Villa Osterwaldstr 14, Schwabing-Freimann, München

1895: Mietshaus Schackstr 4, Maxvorstadt, München

1896: Liebighaus Schaumainkai 71, Sachsenhausen, Frankfurt am Main

1896/1897: Mietshaus Schackstr 2, Maxvorstadt, München

1886: Tivoli-Schlösschen Pödelsdorf Str 86, Bamberg

1897: Eckhaus Schackstr 1, Maxvorstadt, München

1897: Mietshaus Schackstr 3, (Bild links oben) Maxvorstadt, München

1897: Mietshaus Schackstr 6, Maxvorstadt, München

1897: Malerische Doppelvilla Möhlstr. 39, Bogenhausen, München

1897: Malerische Doppelvilla Möhlstr. 41, Bogenhausen, München

1897: Villa in Ecklage Möhlstr. 43, Bogenhausen, München

1897: Pfarrhaus Herz Jesu Romanstr 6 (BIld links oben), Neuhausen, München

1898: Mietshaus Rauchstr 1, Bogenhausen, München

1898: Wohnhaus Familie Miller Ferdinand-Miller-Platz 3 (zerstört)

1898: Mietshaus Ismaninger Str. 92, Bogenhausen, München

1899-1902: Paläontologisches Museum (Bild links, ehemals Kunstgewebeschule) Richard-Wagner-Str. 10, Maxvorstadt, München

1900: Mietshaus Richard-Wagner-Str. 18, Maxvorstadt, München

1900: Mietshaus Richard-Wagner-Str.5, Maxvorstadt, München

1900 - 1903: Wohnhaus Joseph Schülein Richard-Wagner-Str. 7, Maxvorstadt, München

1900 - 1903: Mietshaus Richard-Wagner-Str. 9, Maxvorstadt, München

1900 - 1903: Mietshaus Richard-Wagner-Str. 11, Maxvorstadt, München

1903: Mietshaus Kreittmaystr. 32, Maxvorstadt, München

 

Literatur:

Ostendorf, Jutta: Die Richard-Wagner-Strasse in München, 2007

Six, Barbara: Der Architekt Leonhard Romeis (1854–1904). Seine Münchner Villen unter besonderer Berücksichtigung der Wohnhäuser für die Maler Eduard von Grützner und Ernst Ludwig Plaß. (Reihe LMU-Publikationen/Geschichts- und Kunstwissenschaften, Nr. 14). Magisterarbeit, LMU München 2005

 

Quellen: http://franken-wiki.de/index.php/Leonhard_Romeis: http://stadt-muenchen.net/baudenkmal/d_architekt.php?architekt=Romeis%20Leonhard

Bilder: Ulrich Lohrer