Romantik und Realität entlang Bayerns Ferienstraße

Der Fotograf Stephan Sahm hat für seine Serie die Romantische Straße, die längste und wohl bekannteste Ferienstraße in Deutschland, in ihrem ursprünglichen Verlauf fotografiert. Mit ironischen Blick hat er die Realität mit dem Ideal der Tourismusbüros konfrontiert.

Was von einer Gruppe süddeutscher Bürgermeister 1950 als Magnet für ausländische Touristen geplant war, um das Image des Landes nach dem 2. Weltkrieg wieder zu verbessern, ist bis heute äußerst erfolgreich: Der Name der Romantischen Straße ist auf allen Schildern auch auf Japanisch zu lesen, US-Amerikaner schwärmen von der „Romantic Road“ und die deutschen Hoteliers freuen sich über fünf Millionen Übernachtungen jährlich.

Die Route verbindet mehr als zwei Dutzend Orte: Die Romantische Straße erstreckt sich von Würzburg im Norden bis Füssen im Süden. Sie reiht eine Vielzahl berühmter Sehenswürdigkeiten aneinander – von Schloss Neuschwanstein über die Fugger- und Silberstadt Augsburg bis hin zum idyllischen Rothenburg ob der Tauber. Als der Charme der Region durch den zunehmenden Verkehr auf den ausgebauten Bundesstraßen gefährdet wurde, verlegte die Touristik-Arbeitsgemeinschaft Romantische Straße 2009 kurzerhand die Route. Anlass genug für Stephan Sahm, den Verlauf der ursprünglichen Strecke zu dokumentieren.

Denn wie romantisch kann diese Straße heute noch sein, wenn imposante Kulissen auf vierspurige Schnellstraßen treffen? Ist die schöne Landschaft von damals mittlerweile einem Einheitsbrei aus Wohngebieten und Discountern gewichen? Und welches Bild von Süddeutschland macht sich ein Tourist, der nur auf dieser ausgeschilderten Strecke zwischen Würzburg und Füssen unterwegs ist?

Sahm hat mit ironischem Blick die Realität entlarvt. Da steht eine Trixi-Toilette vor der  Wahlfahrts-Wieskirche (Bild oben links), die von indischen Touristen im Schnellverfahren abfotografiert wird (Bild oben rechts). Die Straßenbezeichnung „Romantische Straße“ steht vor einer drei Meter hohen Hecke, die das vermutliche Heim von Spießer vor lästigen Blicken schützen soll (siehe Aufmacherbild groß oben).

Für die Serie „Romantisch. Eine Straße“ war Stephan Sahm diesen Fragen auf der Spur. Seine facettenreichen Aufnahmen zeigen die Romantische Straße im Spannungsfeld von Kultur und kommerzieller Nutzung.

Stephan Sahm wurde 1971 im schwäbischen Künzelsau in Nordwürttemberg geboren. Nach dem Studium an der Staatlichen Fachakademie für Fotodesign in München arbeitete er als Fotoassistent. Seit 1999 ist er als selbstständiger Fotograf für nationale und internationale Magazine, Werbeagenturen, Architekten und Designer tätig. 2009 gewann er den Europäischen Architekturfotopreis. 

Stephan Sahm

Romantisch. Eine Straße

Stadtmuseum München FORUM 031

Öffnungszeiten: 11.10. – 17.11.2013; Dienstag - Sonntag 10.00 - 18.00 Uhr

Ort: St.-Jakobs-Platz 1

 

 

Bilder: Stephan Sahm