Sakrale Räume

Die Bayerische Architektenkammer zeigt anhand von acht internationale Sakralbauten des ausgehenden zwanzigsten und des beginnenden einundzwanzigsten Jahrhunderts, welche spirituelle Stimmung Architektur erzeugen kann.

 

Auf Anregung von und in Kooperation mit dem Architekturforum Passau sowie in Zusammenarbeit mit der Diözese Passau konzipierte das Museum Moderner Kunst Passau mit "Baukunst aus Raum und Licht – Sakrale Räume in der Architektur der Moderne” seine erste Architekturausstellung.

An ihnen lassen sich die Charakteristika des Sakralbaus im 21. Jahrhundert ablesen und die Besucher erfahren, wie unterschiedlich die Architekten angesichts einer liberalen, pluralistischen Gesellschaft mit unterschiedlichsten Glaubensformen sowie eines erkennbaren Struktur- und Wertewandels ihre jeweiligen Bauaufgaben gelöst haben.

Gezeigt wird das von dem britischen Minimalisten John Pawsonsneu erstellte und erweiterte Kloster „Unserer Lieben Frau“ im tschechischen Novy Dvur (Aufmacherbild oben).

Die Bruder-Klaus-Kapelle wurde im Auftrag der Landwirtsfamilie Trudel und Hermann-Josef Scheidtweiler nach Plänen des Schweizer Architekten Peter Zumthor errichtet. Für den Bau wurden zunächst 112 Fichtenstämmen in Zeltform aufgestellt, darum aus Stampfbeton eine Außenschicht in Lagen von 50 Centimeter bis zu einer Höhe von 12 Metern geschichtet wurde. Schließlich wurde im Innern für drei Wochen ein Mottfeuer unterhalten, das die Baumstämme antrocknen ließ und vom Beton ablöste, so dass sie leicht ausgebaut werden konnten. Der Fußboden besteht aus Zinnblei, das an Ort und Stelle erhitzt und verteilt wurde. 350 mundgeblasene Glaspfropfen verschließen die Bundöffnungen, die zur Verbindung der äußeren mit der inneren Holzschalung beim Einbringen des Betons notwendig waren.

 

Die faszinierend leicht wirkende Kirche San Paolo im italienischen Foligno von Massimiliano und Doriana Fuksas in der Region Umbrien (Bild oben rechts und rechts) widmet sich die Austellung ebenso wie der futuristischen Martin-Luther-Kirche (Bild links unten) von der Wiener Architekten COOP Himmelb(l)auim niederösterreichischen Hainburg.

Als Beispiel wird auch die kubische und gleichzeitig amorphe St. Franziskus Kirche von Königs Architekten in Regensburg-Burgweinting aufgeführt. Die Kirche ist bewußt einfach und zurückhaltend in ihrer Außenwirkung. Die neutrale Form steht im überraschenden Kontrast zur inneren Geometrie.

Die Raumgeometrie erzeugt bewußt eine spannungsvolle Ambivalenz zwischen Längsausrichtung (Wegkirche) und Zentrierung (Raumkirche). Die Inkongruenz der ovalen Deckenlinie und der freien Geometrie des Grundrisses versetzt die Wandfläche in eine leichte Rotationsbewegung und unterstützt so die Entfaltung von Bewegung im Raum. Die Decke aus abgehängtem mattiertem Glasfasergewebe scheint über dem Raum zu schweben und filtert das einfallende Licht aus dem Dachraum.

 

 

 

Sakrale Räume in der Architektur der Moderne

Ausstellung vom 5. Juli bis 21. August 2013

Haus der Architektur

Waisenhausstraße 4

München

 

Bilder: Bayerische Architektenkammer, Architekturforum Passau,  Diozöse Passau, Architekten