Ping Pong über der Pinakothek

Nach Sanierungsarbeiten wird am 14. September wieder die Pinakothek der Moderne eröffnet. Als temporärer Ersatz dient seit April an der Südseite das Pavillion Schaustelle des Architekten Jürgen Mayer H. Interessierte sollten sich beeilen: Ein Besuch des Kultur- und Spaß-Pavillon lohnt sich.

 

Mit temporären Bauten können Architekten ihre Kreativität auszutoben. Diese Chance nutzte Mies van der Rohe 1929 mit seinem Barcelona-Pavillon. Bekannt ist auch das Pavillion der Serpentine Gallery in London, das alljährlich neu von weltberühmte Architekten wie Zaha Hadid, Daniel Libeskind, Jean Nouvel oder Peter Zumthor erbaut wird.

Die Betreiber der Pinakothek der Moderne haben die Idee eines temporären Ausstellungsgebäude aufgegriffen. Weil ihr Museum bis 14. September saniert wird, ließen sie vom Berliner Architekten Jürgen Mayer Hermann (kurz: Jürgen Mayer H.) vor der Pinakothek der Moderne die Schaustelle errichten. Die statisch anspruchsvolle Gerüststruktur war ursprünglich für eine temporäre Kunsthalle am Berliner Humboldthafen geplant und sollte auch die Attraktivität des Viertels stärken. Anstatt in Berlin wurde die Schaustelle nun in München errichtet.

Der Pavillon ist eine hohe und in Teilen frei auskragende Rasterstruktur aus wiederverwertbaren Gerüstelementen.

Die Mehrzahl der Bauelemente, also auch die Funktionscontainer im Erdgeschoss und die Fassadenverkleidung aus Kunststoff können nach dem Ende der Schaustelle weitere Verwendung finden. Die Terrasse im ersten Obergeschoss bietet auf einer Fläche von 150 Quadratmeter einen Art Lounge-Bereich mit schaukelartigen Sesseln (Bild links und rechts oben). Darüber,  auf der Aussichtsplattform in 17 Metern Höhe, lässt sich mit Blick über das Museumsviertel Tischtennis spielen (Aufmacherbild ganz oben). Die Besucher sollen ihren Spaß haben. „Es sind unterschiedliche Räumen, die eine abwechslungsreiche Bespielung fordern und damit Grenzbereiche kuratorischer Praxis ermöglichen, die man in einem geschlossenen institutionellen Museum so nicht durchführen könnte“, erläutert Jürgen Mayer H (Bild unten links). „Die Schaustelle bietet eine besondere Chance, die Pinakothek der Moderne als lebendigen Teil der Stadt neu zu erleben.“

Zwischen dem 14. Und 25. August wird mit der Ausstellung „Architektur auf Zeit“ eine entsprechende Ausstellung mit Fotografien von Eva Leitolf, John Vink, Myrzik und Jarisch, Rainer Viertlböck und Markus Lanz gezeigt. Die Arbeiten verfolgen fotografisch Spuren der Informalität des Lebens jenseits bürgerlich geordneter Verhältnisse. Am 28. August bis 1. September folgt der Raumdialog. Das Experiment des Lehrstuhls für Entwurfsmethodik und Gebäudelehre der TU Münchensetzt dabei drei Konzepte für die Grunderfahrung an einen Wohnraum – Sitzen, Stehen und Liegen – nach Untersuchungen in der Schaustelle in Originalgröße um und zeigt dazu Vorträge und Diskussionen von Experten und Architekten.

Dass der Leiter des Berliner Architektubüro J. MAYER H. selbst Spaß an seiner Arbeit hat, das zeigen seine ungewöhnliche Bauten. Besonders die amorphe Betonkonstruktionen des gebürtigen Stuttgarter in Georgien, wie etwa die Polizeistation, Justizgebäude und Flughafen in Mestia oder Grenzkontrollpunkt in Sapi zeugen davon. Für internationales Aufsehen sorgte der „Architekt der Kurven“ (NDR arte) mit seiner Holzkonstruktion Metropol Parasol in Sevilla in Spanien.

„Die Schaustelle ist vor allem ein Angebot für ein vielfältiges Bespielen, idealerweise rund um die Uhr“, so Jürgen Mayer H. „Sie lebt durch ein gutes vitales Programm über den Zeitraum  und dann ist es auch ein Ort, an dem man den Sommer 2013 gerne verbringt – Tag und Nacht.“ 

 

 

Weitere Informationen:

Schaustelle: Informationen zur Architektur und zum Programm

 

Bilder: Porträt Jürgen Mayer H. - Paul Green; Schaustelle rechts unten: Pinakothek der Moderne; sonst: Ulrich Lohrer