Volle Hundert fürs Sechzger

Das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße feiert seinen runden Geburtstag. Eine Ausstellung im Giesinger Bahnhof dokumentiert die bewegte Architekturgeschichte des legendären Betonbauwerks, die eng mit Bauhausschüler Rudolf Ortner verbunden ist.

 

Statt eines eigenen Stadion-Neubaus drohte den Löwen 2009 wegen hoher Unterhaltskosten der ersatzlose Abriss des Sechz ╠üger Stadions in Giesing. Ende 2009 erbarmte sich der Münchner Stadtrat dann doch und beschloss das Bauwerk für zehn Millionen Euro „drittligatauglich zu sanieren“.

Für Fans und Vereine wie „Freunde des Sechz ╠üger Stadions“ ist der Erhalt des „Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße“ eine Herzensangelegenheit. Doch auch zur Architekturgeschichte bietet eines der ältesten Fußballstadions Deutschlands Interessantes.

Im Frühjahr 1911 mietete der Uhrmachermeister und 1860er-Vizepräsident Wilhelm Hilber das Grundstück an der Grünwalder Straße von der Familie Peter. Der Verein ließ von dem Bauunternehmen Syrius Süss eine zwölf Meter lange Holztribüne errichten, die im Volksmund den liebevollen Namen „Zündholzschachterl“ trug.

In den 1920er Jahren wurde das Stadion ausgebaut – es entstand eine Stehtribüne in Stahlbetonbauweise für 25.000 Zuschauer. Doch Schulden zwangen 1937 den Verein und die Familie Peter, Stadion und Grundstück an die Stadt München zu verkaufen. Nach dem Krieg wurde das beschädigte Stadion notdürftig wiederhergestellt.

 

Ende der 1950er-Jahre erhielt das Sechz ╠üger durch den Architekten Rudolf Ortner schließlich seine Form durch den Bau der Ost- und Westkurve sowie seiner moderner Flutlichtanlage. Ortner (1912-1997) hatte bis zur Schließung durch die Nationalsozialisten von 1932 bis 1933 am Bauhaus in Dessau und Berlin als Schüler von Ludwig Mies van der Rohe, Ludwig Hilberseimer, Wassily Kandinsky und Josef Albers Architektur und Malerei studiert. 1952 bis 1976 führte er in München sein eigenes Architekturbüro und machte sich durch seine zahlreichen Sportbauten und seine Lehrtätigkeit an der Technischen Universität München international einen Namen als führender Sportbauarchitekt seiner Zeit. In München errichtete er noch die Sport- und Schwimmhalle in Grünwald, die Rollschuhbahn im Dante-Stadion sowie mit dem Architekten Hans Maurer den Hermann-von-Siemens-Sportpark.

Die kleine Ausstellung im Giesinger Bahnhof zeigt Pläne und Fotos des Stadions, aber auch Bilder von Rudolf Ortner, der bis zu seinem Tod als Maler und Fotograf tätig war – eine Hommage an das Stadion und seinen Architekten.

 

 

Weitere Informationen:

Die "Freunde des Sechz´ger Stadions e. V." haben auf Ihrem Internetauftritt eine Jubiläumswebsite zum Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße eingerichtet, die über die Geschichte des Gebäudes und die aktuellen Veranstaltungen zum "Hundertsten" informiert. Ein Flyer gibt eine kurze Auskunft über die Ausstellung im Giesinger Bahnhof und die Öffnungszeiten.